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Ein FPÖ-Politiker reagiert mit „Eine Seefahrt, die ist lustig“ auf Mittelmeer-Flüchtlinge

Christian Höbart, Landesparteiobmann der FPÖ Niederösterreich, hat Spaß an der Flucht marokkanischer Refugees. Angeblich ohne Hintergedanken.
1.11.15

Für jedes Mal, wenn Heinz-Christian Strache ein bisschen staatsmännisch auftritt, gibt es in der FPÖ anscheinend zum Ausgleich einen Vorfall vom anderen Ende des Spektrums, der zeigt, dass sie immer noch weiß, wie man unmenschlich, zynisch und hetzerisch auftritt.

Zuerst machte am Wochenende die FPÖ-Nationalratsabgeordnete und Klimawandel-Leugnerin Susanne Winter mit der Zustimmung zu einem offen antisemitischen Kommentar auf sich aufmerksam.

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Am Sonntag um 14:02 Uhr legte der FPÖ-Landesparteiobmann von Niederösterreich Christian Höbart ein Posting nach, das Winters Aussage an Geschmacklosigkeit noch übertraf. Laut Facebook-Übersetzung handelt sich um ein Video von „marokkanischen Migranten", die in einem Boot über das Mittelmeer nach Europa fliehen.

Höbart teilte das Video gemeinsam mit dem Text des Volkslieds „Eine Seefahrt, die ist lustig". Laut der UN-Flüchtlingskommission UNHCR sind im Jahr 2015 allein bis Ende August 2.500 Menschen ums Leben gekommen, während sie vor Krieg und Terror flohen. Erst an diesem Wochenende starben bei der Überfahrt wieder mehrere Kinder und Babys.

Negative oder zu kritische Kommentare unter Höbarts Posting werden—passend zum FPÖ-Verständnis von Meinungsfreiheit—regelmäßig gelöscht. Darunter Wortmeldungen wie: „Höbart, Sie sind eine Schande für Österreich. Schämen Sie sich!", „Schämen Sie sich!!! So was Widerliches!!" oder „Sie sind das Letzte!! Da zeigt die FPÖ wohl ihr wahres Gesicht. Zum Speiben." Dem ist nicht viel hinzuzufügen.

Höbart selbst betont in den Kommentaren, dass es nur um das geteilte Video selbst gehe, indem fröhliche Menschen zu sehen sind—ohne jede allgemeine Aussage. Seine bisherigen Postings zeichnen ein anderes Bild: Erst am Freitag kommentierte er die Refugees bei Spielfeld mit „Na wunderbar!" und am 28. Oktober teilte Höbart noch ein rechtes Meme mit dem Spruch „Komisch, ihr Handy verlieren sie nie—ihren Ausweis schon".

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Am Montag hat Christian Höbart das Posting von seinem Facebook-Profil gelöscht. Via OTS-Meldung (dem beliebtesten Kommunikationsmittel der österreichischen Parlamentsparteien) begründete er diese Entscheidung damit, dass auf dem Video Männer zu sehen seien, „die inklusive Kamera und Selfies übermütig lachen, johlen und scherzen, was das Zeug hält. Diese Form der Selbstdarstellung im krassen Gegensatz zur lebensgefährlichen Flüchtlingsrealität auf überfüllten Schlepperbooten hat mich zu meinem ironischen Kommentar veranlasst." Inzwischen habe Höbart aber eingesehen, „dass Ironie/Satire in diesem Fall nicht das geeignete Mittel zur Darstellung dieser Diskrepanz war".

Das klingt in der bereinigten Pressemeldung zwar immer noch zynisch, aber schon viel ausgefeilter als auf Facebook. Anscheinend hat die Partei rund um Strache und Kickl niemand in ihren Reihen, den man ohne PR-Aufpasser ins soziale Netz lassen kann, ohne dass ein rassistischer, antisemitischer oder zynisch-menschenverachtender Aussetzer die Folge ist.

Die Abendland-Krieger, die gern so tun, als wären christliche Werte unser höchstes Gut, sollten dringend in sich gehen. Eine Partei, die so viel verrohte Letztklassigkeit bei sich akzeptiert, wird niemals die Mehrheit der Bevölkerung repräsentieren. Nicht mal, wenn es ihnen nur um die einheimische geht.

Markus auf Twitter: @wurstzombie


Update: Der Artikel wurde am Montag um 18:33 Uhr mit Christian Höbarts OTS-Statement aktualisiert.