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Wie du eine sexuelle Durststrecke überstehst, ohne deine Ansprüche runterzuschrauben

Werde ich langsam alt? Oder liegt es vielleicht an Depressionen? Hemmungen? Ich weiß es einfach nicht.

von Elianna Lev
22 März 2015, 5:16am

Foto: Jean Koulev | Flickr.com | CC BY 2.0

Titelfoto: Ach ja, das waren noch Zeiten. Foto: Jean Koulev | Flickr.com | CC BY 2.0

Wenn ich jetzt eine Gang gründen würde, dann würde zu meiner Bande ein rumänisches Waisenkind gehören, das noch nie eine Umarmung bekommen hat, und ein Affen-Baby namens 106, das im Rahmen dieses schrecklichen Mutter-Kind-Bindungs-Experiments von Harry Harlow gezwungen wurde, an einer Drahtaffenmama zu nuckeln. Das liegt daran, dass ich momentan in einer der längsten Trockenphase meines Lebens stecke. Ich sage jetzt nicht, wie lang sie genau ist, weil ich mich zu sehr schäme, aber es ist weniger als eine ganze Schwangerschaft und mehr als ein Uni-Semester.

Ich verstehe auch nicht so genau, wann die Dinge anfingen, sich zu ändern, aber je älter ich werde, desto mehr Zeit lasse ich verstreichen, ohne intim zu werden. Ich habe da ein paar Theorien:

- Meine „Scratch-DJ-Skills" heben gerade ab.
- Pornodarsteller sind einfach interessanter.
- Ich finde durchschnittliche Typen abstoßend.

Außerdem werden meine Erwartungen langsam lächerlich unmöglich—schöne Schuhe, kreative Ambitionen, keine Mitbewohner, ein klein wenig Fiesling-Aura, total offen im Bett. Aber insgesamt ist es ein Gefühl, das mir fehlt. Und das hat zu einem ernstzunehmenden Mangel an Gefühlen unter der Gürtellinie geführt.

Es ist auch nicht so, als würde ich das hier von meinem Sofa aus klagen, während ich in Yogahose und Dutt darauf warte, dass Benedict Cumberbatch mir die ... Tür einrennt.

Ich gehe zu Dates. Oft sogar. Mindestens einmal die Woche. Ich habe es zur Gewohnheit gemacht, selbst wenn ich nicht in der Stimmung dafür bin. Ich scheine einfach mit weniger Männern auszugehen, wo das Feeling beiderseits stimmt, und noch weniger, bei denen ich mir vorstelle, mit ihnen den Horizontalmambo zu tanzen (und das ist die höchste Stufe, wenn es darum geht, wie sehr ich mich zu jemandem hingezogen fühle).

Ich glaube, ich werde langsam alt. Oder vielleicht ist es eine Art Depression? Hemmung? Ich weiß es nicht. Wirklich nicht.

Ich habe (größtenteils verheiratete) Freundinnen und Freunde, die jahrelang ohne Vögeln auskommen und deswegen mit den Schultern zucken, als hätten sie einen Zahnarzttermin verpasst. Ich muss an dieser Stelle betonen, dass ich nicht so bin. Meine Sexualität ist meine auszeichnende Eigenschaft. Sex ist ein großer Teil meines Repertoires als Mensch. Ich bin in diesen Dingen nicht unbedingt bescheiden.

Anstatt meine Ansprüche runterzuschrauben und mich auf irgendeine Latte zu setzen, als würde ich mir die Nase zuhalten, um Medizin zu nehmen, überstehe ich diese Trockenphase, indem ich mich selbst dazu konditioniere, damit umzugehen. Das heißt aber nicht, dass das leicht ist.

Ich schäme mich und bin frustriert, wegen dem, was mit mir vorgeht. Das schlägt sich in einer physischen Traurigkeit nieder, die tief in meinem Inneren, in der Gegend um den Solarplexus, vibriert. Ein paar Mal bin ich mitten in der Nacht aufgewacht und habe gekreischt wie eine Verrückte und dabei Tränen geschmeckt. Wenn ich Zuneigung zwischen anderen sehe, dann macht mich das mürrisch. Es ist hässlich und es frisst einen auf. Etwas geschieht mit mir auf einer grundlegenden Ebene, und es fühlt sich nicht gut an.

Ich beschloss, dass ich wie eine PF-Expertin denken und diesem Scheiß meine eigene Interpretation aufdrücken musste. Ich wollte, dass das hier eine Odyssee ist, und keine Gefängnisstrafe. Also sprach ich mit einer Militärehefrau, mit der heißesten Person, die ich kenne, und mit einem buddhistischen Mönch, um diese Phase meines Lebens zu verstehen. Folgendes fand ich dabei heraus.

Finde jemandem, mit dem du platonisch kuscheln kannst
Celine, die nicht wollte, dass ich ihren richtigen Namen verwende, ist Ende 30. Sie ist mit einem Fachdienstoffizier verheiratet, der mindestens einmal im Monat um die Welt reist. Obwohl Celine und ihr Mann ihre Beziehung in der Vergangenheit geöffnet haben, tun sie das inzwischen nicht mehr. Vier Monate sind die längste Zeit, die sie ohne Sex verbracht hat, während ihr Mann auf einer Mission war.

Wie ich fühlt sie sich „leer", wenn sie abstinent sein muss, denn sie sieht sich als verschmuste Person, die viel Zuneigung braucht. Abgesehen von ihrer Werkzeugkiste mit Dildos—von der sie sagt, dass jede Militärehefrau sich auf sie verlässt (und ich hoffe doch, das gilt für Frauen im Allgemeinen)—füllt sie die emotionale Leere mit platonischem Knuddeln mit Freundinnen, Freunden und Kollegen. Wenn sie mit dir einen Film sieht, dann kannst du darauf wetten, dass sie ihren Kopf gegen dich stupsen wird wie ein Kätzchen, das nach Aufmerksamkeit verlangt.

„Ich habe das große Glück, Freunde zu haben, die auch so sind", sagt sie. „Ich habe eine Kollegin, die auch verschmust ist, und sie kommt mitten am Tag zu mir, wenn sie sich irgendwie emotional fühlt, nur um mich zu umarmen und das Ganze irgendwie loszulassen. Ich habe wirklich Glück, dass ich Leute habe, mit denen ich körperlichen Kontakt haben kann, und nicht nur meinen Mann."

Konzentriere dich
Als Nächstes unterhielt ich mich mit der heißesten Person, die ich kenne, einer Schauspielerin, die in L.A. lebt. Diese atemberaubende Frau war schon in Filmen mit großen Budgets zu sehen, bekommt Kleidung von angesagten Designern geschenkt und erscheint auf den Titelseiten von Magazinen. Ihre längste Durststrecke war ein Jahr. Wenn jemand, der viel heißer ist als du, dir sagt, dass ihre Trockenphase länger war als deine, dann fühlst du dich gleich unsagbar viel besser.

Als ich sie frage, wie sie damit zurechtkam, zitiert sie frei Lady Gaga: Frauen haben das Potential, ihre Kreativität durch ihre Vagina zu verlieren.

„Es war die produktivste Zeit meines Lebens", sagt sie mir. „Ich war total konzentriert. Penetration ist gleich Komplikation."

Es ist wahr, dass ich noch nie im Leben so produktiv war. Manchmal wache ich um 4:45 Uhr auf, versuche zu meditieren und fange dann an zu arbeiten. Diese Routine fing mitten in meiner Durststrecke an, zum Teil inspiriert von der buddhistischen Lebensweise. Was mich zum nächsten Punkt bringt ...

Mach' dich zen
Schließlich unterhielt ich mich mit einem buddhistischen Mönch, denn das ist so der Vibe, den ich versuche, mir in Erinnerung zu rufen, um diese lähmende, unspaßige Zeit zu überstehen. Balangoda Ananda Manju Sri, 32, ist Student und lebt momentan in Costa Rica, wo er Friedenserziehung an der University of Peace studiert. Vor 20 Jahren wurde ihm in Sri Lanka das Mönchtum angeboten, nachdem er als Kind regelmäßig Zeit im Tempel verbracht hatte.

Er erklärt mir, dass Mönche die Abstinenz wählen, nicht nur in Bezug auf Sex, sondern auch bezüglich des normalen Alltagslebens, um den Blick nach innen zu richten. Der endlose Kreislauf des normalen Lebens—Familie, Besitz, Arbeit, Aufgaben—lenkt dich von dir selbst ab.

Ich fragte ihn nach Techniken, um meine natürlichen Triebe (sprich: Geilheit) in den Griff zu kriegen, da er freiwillig schon sein ganzes Leben ohne Sex zubringt.

„Uns wurde beigebracht, auf die schlechte Seite des Körpers zu meditieren", sagt er. „Wenn du anfängst, über deinen Körper nachzudenken, über alle Teile von dir, einen nach dem anderen ... wenn du es von innen nach außen siehst, dann denkst du richtig über dich selbst nach."

Dann, wenn du anfängst, Verlangen nach jemand anderem zu spüren, übst du dich darin, bei dieser Person dasselbe zu tun. Anstatt sich auf die runden Brüste, den lüsternen Blick oder die traumhaften Muskeln zu konzentrieren, richte diesen Blick auf den immer weiter anschwellenden Bierbauch, auf die schwitzenden Eier, auf das Stückchen Klopapier, das am Poloch klebt.

So verhinderst du, dass das Verlangen überhand nimmt.

So hältst du alles im Gleichgewicht.