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Eine Zeitung erweist einem SS-Untersturmführer die letzte Ehre, in Hamburg schlafen drei Sprayer in einem zugebombten Zug ein und in den USA erschießen Polizisten 2,6 Menschen pro Tag.

von Paul Garbulski
01 Juni 2015, 3:11am

Eine österreichische Zeitung erweist einem SS-Untersturmführer die letzte Ehre

Foto: Twitter

Stell dir vor, du arbeitest in einer Zeitungsredaktion und bist für die Todesanzeigen verantwortlich. Vor dir liegt eine Zusendung, die den SS-Untersturmführer Lois P. preist, Träger des Eisernen Kreuzes zweiter Klasse, der zu den letzten Männern einer „Erlebnisgeneration" gehörte. Eingeleitet wird die Todesanzeige mit: „Wer heute die alte Pflicht verrät, verrät auch morgen die neue." Abgerundet wird das Ganze von dem SS-Wahlspruch: „Seine Ehre hieß Treue! Niemand konnte ihm diese nehmen." Besagte Todesanzeige liegt also vor dir. Wie bewertest du sie? Nun, dein Pendant in der zweitgrößten Kauftageszeitung Österreichs dachte sich: „Grundsolides Ding! Das drucken wir!"

Drei Sprayer sind so cool, dass sie wieder dumm sind

Foto: Imago | Reinhard Kurzendörfer

Die Grenze zwischen Coolness und Dummheit ist fein wie Blattgold. Vor allem in der Jugend tun sich viele Menschen weh bei dem Versuch, sie auszuloten. Wem ein D-Böller in der Hand losging, weil er ihn besonders lässig und langsam wegwerfen wollte, weiß, wovon die Rede ist. Wer nachts einen Zug mit Graffiti bombt und die Nerven hat, sich im selbigen noch kurz hinzulegen, ist die Coolness in Person. Wer aber so lange pennt, dass die Polizei ihn weckt, der hat den Bereich der Coolness längst hinter sich gelassen. So geschehen bei drei Jungs in Hamburg-Stellingen. Die 44 Spraydosen haben sie zum Schlafen noch lässig neben sich gelegt.

Im ewigen Spiel zwischen Polizei und Drogendealern haben die Gesetzeshüter mit drei Toren vorgelegt

Foto: Imago | Xinhua

Ebenso wie es beim Fußball schwere und einfache Tore gibt, variiert auch der Polizeiaufwand je nach Verhaftung. In Frankfurt schenkte ein 19-Jähriger der Polizei gewissermaßen einen Elfmeter, als er bei einem Elektronikmarkt seine alte Waschmaschine im Kauf gegen eine neue eintauschte. Nachdem ihm das neue Gerät nach Hause geliefert und das alte kostenfrei entsorgt wurde, fiel im auf, dass er darin noch seine 50 Gramm Gras gebunkert hatte. Unter dem Vorwand seine vergessene Wäsche in der alten Maschine abzuholen, machte er sich auf den Weg zum Elektronikladen. Dort wartete bereits die Polizei und nahm den Profi in Empfang. Schwerer hatten es dagegen spanische Gesetzeshüter. Die 200 Kilogramm Kokain waren mit gelben Wachs überzogen und in ausgehöhlte Ananas versteckt—ein ganzer Container voll. Was aber in Mexiko für ein Fund geschossen wurde, ist nur mit einem Tor im WM-Finale zu vergleichen: 3,4 Tonnen Kokain, getarnt als Palmkernöl in einem Container-Hafen, das per Luftfracht nach Amsterdam gehen sollte.

Bei einer der größten Rettungsaktionen konnten über 5.000 Flüchtlinge gerettet werden

Foto: Imago | Milestone Media

Angesichts der vielen Todesfälle auf hoher See ist es eine willkommene Abwechslung, berichten zu dürfen, dass in einem Dauereinsatz von Freitag bis Sonntag über 5.000 Flüchtlinge aus Seenot gerettet wurden—bereits am Freitag waren es 4.234 Menschen. An der Rettungsaktion auf dem Mittelmeer war auch die Fregatte „Hessen" beteiligt. Sie allein rettete mindestens 880 Menschenleben.

Die Polizisten in den USA erschießen 2,6 Menschen pro Tag

Foto: Imago | Xinhua

Glaubt man den Zahlen des FBI, so fallen pro Tag „nur" 1,1 Menschen polizeilichen Kugeln zum Opfer. Die Washington Post recherchierte nach und veröffentlichte am Samstag eine Statistik. Darin kommt die Zeitung für das laufende Jahr bereits auf 385 Todesfälle. Das ergibt einen Durchschnittswert von 2,6 Menschen. Aus der Statistik erfährt man auch, dass zwei Drittel der Toten entweder Schwarze oder Menschen mit lateinamerikanischer Herkunft sind. In ganzen 3 von 385 Fällen mussten sich die polizeilichen Todesschützen wegen einer potenziellen Straftat vor Gericht verantworten.

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