Wir haben einen Ashley-Madison-Nutzer nach seiner Meinung zum Hack gefragt

„Es ist mir scheißegal, ob irgendein Hacker weiß, welchen seltsamen Sex-Kram ich mag—ich will mich einfach nicht scheiden lassen müssen."

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20 August 2015, 4:26am

Du hast wahrscheinlich schon gehört, dass Ashley Madison, die Dating-Website für Fremdgeher, letzte Woche von einer Gruppe namens Impact Team gehackt wurde. Seit 2001 haben 37 Millionen Menschen ein Nutzerkonto bei Ashley Madison eingerichtet, und die Hacker haben die persönlichen Daten von Millionen Nutzern gestohlen—inklusive Namen, Adressen, Kreditkarteninfos und spezifischen sexuellen Vorlieben. Nun sind die Namen aller 37 Millionen online gestellt worden.

Viele Leute sagen, das sei alles #Karma, doch die Privatsphäre von Leuten zu verletzen, ist ziemlich daneben, und zweifellos geht vielen Ashley-Madison-Nutzern nun völlig zu Recht der Arsch auf Grundeis. Wir haben uns mit einem Nutzer der Seite in Verbindung gesetzt, der bereits für VICE geschrieben hat, und ihn gefragt, was er von dem Hack hält und was er darüber weiß—zu einem Zeitpunkt, als die Daten noch nicht allesamt öffentlich gemacht worden waren.

VICE: Tja, der Hack. Was war dein erster Gedanke?
Ashley-Madison-Nutzer: Als ich es hörte, war meine erste Reaktion, etwa alle 20 Minuten „Ashley Madison Hack Daten" zu googlen—einfach, um auf dem Laufenden zu sein, was veröffentlicht worden war. Meine Frau ist nicht so technikaffin und wird es höchstwahrscheinlich nicht versehentlich herausfinden, aber wenn mein Name da draußen ist, dann muss ich es als Erster wissen.

Hast du dich seitdem schon ein bisschen beruhigt?
Ich sehe immer noch in regelmäßigen Abständen nach.

Weißt du, ob etwas von deinen persönlichen Daten veröffentlicht wurde? Das kann man hier nachsehen.
Bisher noch nichts. Ehrlich gesagt belastet es mich nicht so sehr, ein Name in einer Liste von 37 Millionen zu sein. Ich mache mir mehr Sorgen, in der Lokalzeitung zu stehen.

MOTHERBOARD: Hacker haben Daten von 37 Millionen Nutzern einer Fremdgeh-Website veröffentlicht

Welche deiner Daten sollten am ehesten geheim bleiben?
Das einzige, was mich interessiert, ist, ob mein Name publik gemacht wird und ob jemand es meiner Frau sagt. Ansonsten bin ich sehr entspannt, was meine Daten angeht. Es ist mir scheißegal, ob irgendein Hacker weiß, welchen seltsamen Sex-Kram ich mag—ich will mich einfach nicht scheiden lassen müssen. Zumindest nicht, so lange meine Mutter noch am Leben ist.

Gibt es einen Teil von dir, der erleichtert ist, dass es zu diesem Hack kam?
Ganz bestimmt nicht. Ich würde mit Freuden die Drecksäcke, die dahinterstecken, erstechen.

Hat deine Frau den Hack irgendwann mal erwähnt?
Nein. Ich bezweifle, dass sie überhaupt von der Existenz von Ashley Madison weiß.

Was ist mit den Seitensprüngen, die durch Ashley Madison kennengelernt hast?
Nein. Nach nur 18 Monaten als Betrüger-Arschloch habe ich eingesehen, dass es falsch ist, was ich da mache, und habe es sein lassen. Tatsächlich wäre ich um ein Haar erwischt worden, was mir wirklich deutlich vor Augen führte, wie falsch es war. Ich habe mit niemandem von der Seite Kontakt gehalten.

Hat deine Frau dich schon einmal beim Betrügen erwischt?
Meine letzte AM-Affäre endete damit, dass ich erpresst wurde. Ich musste einen Anwalt dazu bringen, sie mit rechtlichen Drohungen abzuschrecken, und das hat funktioniert. So nah war ich noch nie daran, erwischt zu werden, und es reichte aus, um mich auf den Pfad der Tugend zurückzubringen.

Das ist scheiße. Nun gut, glaubst du, der Hack wird irgendwelche Auswirkungen auf dein Leben haben?
Nur, wenn mein Name veröffentlicht werden sollte. Wenn das passiert, bin ich am Arsch. Meine Frau—und das ist auch absolut nachvollziehbar—würde bestimmt nicht darüber lachen können, dass ich das Internet nach Gelegenheiten für Sex abgesucht habe.

Stimmt. Hast du also dein Profil gelöscht?
Der Zug ist abgefahren. Jetzt hat es keinen Sinn mehr.

Tust du irgendetwas anderes, um deine Identität zu schützen?
Nein. Ich betrüge einfach nicht mehr.

Was wäre für dich die idealste Entwicklung dieser Situation?
Dass AM jemanden bezahlt, um diese Hacker zu töten. Oder dass es plötzlich eine riesige Katastrophe in Westeuropa gibt, und in der postapokalyptischen Gesellschaft, die daraus entspringt, ist meine Untreue weniger wichtig als der tägliche Kampf ums Überleben.

Was ist mit anderen AM-Nutzern? Glaubst du, sie werden die Seite weiterhin nutzen?
Scheißen Männer auf den Papst?

Wenn sie die Seite verlassen, wo werden sie wohl dann nach diskreten Seitensprüngen suchen?
Keine Ahnung. Das ist nicht mehr meine Welt.

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