Stuff

Die AfD benutzt rumänische Models für ihre Wahlwerbung

Peinlich, wenn Models aus verhassten Ländern einfach schöner sind als der Parteinachwuchs
09 Juni 2016, 10:50am

Wenn das der Höcke wüsste. #AfD-Facebook-Models sind Rumänen https://t.co/mWD4GIw42W Danke @KontextWZ pic.twitter.com/Y1ycYRbW54
— Martin Fuchs (@wahl_beobachter) June 8, 2016

Als würde es nicht reichen, dass sich die AfD regelmäßig vertippt, verspricht, in Widersprüche verstrickt oder schlicht von der Lügenpresse "reingelegt" wird, fehlt ihrer Öffentlichkeitsarbeit offensichtlich auch ein entscheidendes Stück Recherchekompetenz. Mit ihrer neuesten Werbekampagne hat die AfD Baden-Württemberg einmal mehr bewiesen, dass sie es mit Hintergrundinformationen nicht so genau nimmt.

Auf dem Plakat zu sehen: ein junges, gutaussehendes, dynamisches, lachendes Paar mit hochgerecktem Daumen und repräsentativ im AfD-blauen Oberteil. Die Partei will offensichtlich den Attraktivitäts-Durchschnitt ihrer Mitglieder heben und weitere junge, sportliche Menschen mit perfektem Gebiss motivieren, denn sie reimt, wenn auch unrein: "Mach mit! Verändere die Politik!"

Die Rechnung hat der Landesverband dabei allerdings ohne die Google- und Social-Media-Fähigkeiten der deutschen Öffentlichkeit gemacht. Schnell kam heraus, wer da die Daumen reckt—und höchstwahrscheinlich nicht für die AfD. Denn es handelt sich um die rumänischen Models Adi Ene und Carla Caucean, letztere war sogar Kandidatin für die Miss Model of the World und lässt sich auf iStock unter dem Suchbegriff "Lässig Frau, die ok Daumen hoch Handzeichen" problemlos finden.

Agenturbilder für Werbung zu verwenden, ist Gang und Gäbe. Die Zuständigen sollten aber darauf achten, ob ihre Models für ihre Zwecke tauglich sind. Diese Erfahrung machte bereits die FDP, als sie für ihren Wahlwerbespot dieselbe radelnde Familie benutzte wie die Konkurrenz von der NPD- und ein finnischer Speisetopfenhersteller. Laut Kontext hat die AfD Baden-Württemberg angegeben, die Bilder stammten von einem anderen Landesverband und würden nun geprüft.

Für eine Partei, in deren Augen auch Migranten aus Ländern wie Bulgarien oder Rumänien unter dem Generalverdacht stehen, faule Wirtschaftsschmarotzer zu sein, ist die Verwendung solcher Models unfreiwillig komisch. Beachtlich auch, dass sich offenbar niemand aus dem eigenen Parteinachwuchs bereit erklärt hat, für die AfD Jugend den Daumen zu recken - aber vielleicht sind die eigenen Leute auch einfach nicht so schön wie Models aus dem Ausland.

Inzwischen ist die Werbung nicht mehr auf der Facebook-Präsenz der AfD Baden-Württemberg zu sehen- auch im Zurückrudern bleibt die Partei Olympia-trächtig.