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DIE WAS SCHAUST DU SO AUSGABE

Italiens wundervolles neues Boulevardblatt

In dem Magazin Miracoli geht es nur um Heilige, die Mutter Gottes und echte Wunder.
16.12.13

Bild mit freundlicher Genehmigung von Miracoli

Italiens ehemaliger Ministerpräsident ist ein Sexualstraftäter, 42 Prozent der jungen Bevölkerung sind arbeitslos, und das Land macht gegenwärtig die längste Rezession seit 60 Jahren durch. Um die Dinge in Italien wieder in Ordnung zu bringen, bräuchte es schon ein Wunder, und genau darum geht es in dem neuesten Boulevardblatt des Landes.

Miracoli („Wunder“) ist ein 52-seitiges Wochenmagazin voller Geschichten über Menschen, die durch Wasser aus Lourdes geheilt wurden, Nonnen, in deren Mund eine Hostie zu Fleisch wurde, und italienischer Prominenter, die erzählen, wie Heilige/Maria/ein Papst sie gerettet oder ihr Leben verändert haben/hat. (Jede Ausgabe verfügt außerdem über ein Heiligenbild zum Ausklappen sowie ein dazugehöriges Gebet.) Das Magazin war Ende Juni erstmalig an den Zeitungsständen erhältlich und besitzt keine Website, doch liegt die Auflage bereits bei über 70.000 Exemplaren—bemerkenswert in einer Zeit, in der das Todesröcheln im Printbereich lauter erklingt als je zuvor. Ich sprach mit Daniele Urso, dem Chefredakteur von Miracoli, um mehr über den scheinbar unstillbaren spirituellen Hunger der Italiener zu erfahren. VICE: Warum ein Magazin über Wunder?
Daniele Urso: Es ist schwer, ein Magazin zu finden, in dem es um Hoffnung geht. Als Journalist weiß ich, dass sich schlechte Nachrichten besser verkaufen als gute, und so kamen wir auf die Idee, über Wunder und positive Erfahrungen von Menschen zu berichten, um ein redaktionelles Projekt mit einem menschlichen Bedürfnis zu verbinden. Gab es eine Reaktion seitens der katholischen Kirche?
Die Kirche ignoriert uns. Wir bekommen aber tolle Reaktionen von Priestern fernab der höheren Sphären des Vatikans. Haben die Italiener einen Lieblingsheiligen?
Maria wird sehr verehrt—sie ist im Allgemeinen die Erste, an die sich die Leute wenden. Pater Pio [ein italienischer Heiliger aus dem 20. Jahrhundert, bei dem sich die Stigmata zeigten und der des Betrugs beschuldigt wurde] hat einen vergleichbaren Status. Was ist mit Jesus oder Gott?
Maria ist eine Mutter, eine rührende Gestalt, mit der sich unsere Leser einfach identifizieren können, da es sich in der Mehrzahl um Frauen handelt, Ehefrauen und Mütter. Jesus und Gott wirken weiter von uns entfernt, und vor allem Gott kann manchmal Angst machen.