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Mode

Japanische Bagelköpfe

Ryoichi “Keroppy” Maeda ist ein Fotograf und Journalist der in den letzten Jahren obsessiv die wachsende japanische Body-Modifikations-Szene dokumentiert hat. Er ist außerdem derjenige der einen Look nach Japan brachte, bei dem die Stirn nach der...
Jamie Clifton
London, GB
20 Juni 2011, 12:00am

Ryoichi “Keroppy” Maeda ist ein Fotograf und Journalist der in den letzten Jahren obsessiv die wachsende japanische Body-Modifikations-Szene dokumentiert hat. Er ist außerdem derjenige der einen Look nach Japan brachte, bei dem die Stirn nach der Injektion mit Salzlösung aufquillt. Offensichtlich ist das jetzt eine große Sache in Japan. Eigentlich würde man sich denken, das genau sowas ja aus dem Land mit den Solar-betriebenen BH's und den tragbaren Toilettenpapierspender-Hüten kommen muss, aber eigentlich ist Körpermodifikation in Japan immer noch eine Art Tabuthema  und Journalisten die sich damit befassen, müssen mit dem Risiko leben ihre Karriere zu ruinieren. Ich habe mich mit Ryoichi unterhalten um zu verstehen warum Menschen sich Flüssigkeiten spritzen um kurzzeitig ihre Erscheinung zu verändern.


VICE: Hey Ryoichi. Wann bist du in die japanische Body-Mod Szene gekommen?
Ryoichi "Keroppy" Maeda: Ich habe angefangen darüber zu schreiben als ich 1992 für Nyan 2 Club gearbeitet habe, ein kleines japanisches Magazin das sich mit den extremeren Körpermodifikationen befasst hat. Dann bin ich 1995 zum Brust Magazine gegangen, das erste Magazin das japanische Leser über Tattoos, Piercings und Körpermodifikationen informiert hat.

Cool. Was haben die Leute damals mit ihren Körpern angestellt?
Naja, es war nicht annähernd so extrem wie das, was Menschen heutzutage machen. Die extremeren Sachen kamen 1996, 1997 mit dem Internet auf.

Also einfach die langweiligen Sachen die heutzutage Menschen auf der ganzen Welt gestochen bekommen?
Ja, aber ich Japan war es immer noch einwenig tabuisiert. Ich habe meinen Nippel 1992 gepierct und habe den ersten Artikel auf dem ganzen japanischen Markt übers Piercen geschrieben, dann habe ich 1995 ein Tattoo in LA machen lassen und auch den ersten Artikel über das Tätowieren geschrieben. Japan hinkte dem Westen immer etwas hinterher.

Wie kam es das tätowieren tabuisiert war? ich dachte Tätowierungen sind eine traditionell japanische Sache.
Ist es, aber es gibt einen großen Unterschied zwischen traditionell japanischen und westlichen Tattoos. In den frühen Neunzigern waren es eigentlich nur Yakuza, japanische Mafia, die sich traditionelle japanische Tatoos haben stechen lassen, außerdem gab es auch gar nicht genug Informationen zu modernen Tattoos und Piercings. Wie ich schon sagt, durch das Internet wurde der westliche Stil immer weiter toleriert und somit wurden extreme Körpermodifikationen in Japan immer populärer.

Wow, also fuhren die Leute direkt nachdem sie davon erfahren haben darauf ab?
Ja, genau.

Wann wurden Infusionen mit Kochsalzlösung populär?
Naja, eigentlich begab es sich so, dass ich Jerome traf, der Typ der Kochsalzinfusionen auf der Modcon 1999 populär gemacht hat. Modcon ist eine extreme Körpermodifikations Convention und sie kam dieses Jahr nach Japan, also machte ich einen Artikel für die Brust daraus. Ich redete mit Jerome und wir blieben in Kontakt, so kam es dazu, das ich 2003 mit ihm die Kochsalzlösung ausprobierte, er gab mir das Einverständnis dafür, es nach Japan zu bringen, also stellte ich ein Team in Tokio zusammen. Das ging so bis 2007.

Also bist du der Mann der diese Sache nach Japan gebracht hat. Wie funktioniert der ganze Prozess?
Es ist relativ einfach - wir benutzen medizinisches Kochsalzlösung und pumpen sie für zwei Stunden mit Infusionen in die Stirn, oder bis es halt fertig ist.

Zwei Stunden! Was zum Teufel. Wie lang hält es an?
Nur eine Nacht. Der Körper absorbiert es nach einiger Zeit also ist es am nächsten Morgen verschwunden. Wir lieben es für eine Nacht Freaks zu sein.

Verliert die Haut irgendwann an Spannung?
Nein. Jeder den ich kenne der es gemacht hat, egal wie oft, hatte danach immer wieder die gleiche Haut wie vorher.

Ich glaube das ist gut zu wissen. Lassen sich die Leute auch in andere Körperstellen injizieren?
Ja klar, du kannst die Lösung überall injizieren. Meistens ist es nur die Stirn, aber wir haben auch manchmal Infusionen in den Hoden.

Oh mein Gott. Hast du das jemals ausprobiert?
Nein, ich nicht. Ich habe es nur in der Stirn gemacht, aber Leute auf meiner Party haben es schonmal gemacht.

Wenn du Partys sagst, meinst du damit ganz normale Clubs oder Events die du veranstaltest?
Normalerweise passiert es auf Partys die wir selbst veranstalten. Wir haben ein paar mal im Monat Suspensions-Partys und Kochsalz-Partys zwei mal im Jahr, aber die Leute lassen es sich auch so geben und gehen in normale Clubs, oder auch Fetisch-Partys und sowas.

Was hat es mit dem "Bagel-Head" Look auf sich? Wie funktioniert das?

Oh, du drückst deinen Daumen einfach auf die Stirn während die Lösung injiziert wird und so bekommst du dann den Donut/Bagel Look. Ich habe einen Bericht darüber gelesen, dass es Menschen gibt, die ihre Infusionen färben, aber ich glaube das kann nicht sein, es ist wahrscheinlich das Licht auf den Fotos das es so wirken lässt.

Deine Meinung, sind Infusionen das Extremste was im Moment in der japanischen Body-Mod Szene vor sich geht?
Nein, nein nicht wirklich. Es gibt Sachen die sind um einiges extremer z.B. Ohren anspitzen, entfernen des Bauchnabels, Amputationen, traditionell japanische Ganzkörpertattoos…

Was ist "Ohren anspitzen"?
Das bedeutet, dass deine Ohren spitz gemacht werden, so ähnlich wie die einer Katze. Das Entfernen des Bauchnabels erklärt sich von selbst und Amputationen sind halt das Abschneiden eines Fingers oder ähnliches.

Jesus, das klingt bei dir alles so locker. Warum machen die Menschen sowas?
Naja, weil manche Leute die extreme Körpermodifikationen lieben und auf auf der Suche nach einem eigenen Weg sind Dinge zu tun und immer nach   neuen Wegen suchen, das zu erreichen. Umso mehr die Szene wächst, umso experimenteller müssen die Leute werden.

JAMIE CLIFTON