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Musik

Musikreviews

13.11.10

Hier sind unsere Reviews zu VALIENT THORR, PIN ME DOWN, NEON PLASTIX und ABE VIGODA.

VALIENT THORR 
Stranger
Volcom/ADA/Warner

Ein flüchtiger Blick aufs Cover macht deutlich, dass diese Typen sich nicht sonderlich für Trends interessieren. Eher wirkt es, als ob sie gerade aus der Glasvitrine eines Völkermuseums ausgebrochen sind, um jetzt mit Streitaxt und Morgenstern in der Fußgängerzone Amok zu laufen. Angesichts dieser offensiv zur Schau gestellten Primitivität überraschen die fünf Barbaren dann aber doch mit unerwartet filigraner Fingerfertigkeit, Taktgefühl und vor allem mit gänzlich unironischem No-Bullshit-Metal der bluesigen Sorte, von dem man in diesen verweichlichten Tagen eigentlich nie genug haben kann.

LURCH HEINER

PIN ME DOWN 
s/t
Animalized Records

Klar, die Musikindustrie ist gefickt, man selber als Künstler gleich mit. Neue Konzepte müssen her. Größere Verwertungsräume müssen erschlossen werden. Seelenlose Wegwerfmusik zu produzieren, die zuerst als Unterlage für irgendeine Kaugummiwerbung funktioniert und erst dann, bzw. (wie hier) nie als Albumeinheit, die eine Stimmung begleitet oder in irgendeiner Art und Weise wertvoll ist, kann doch nicht die Lösung sein. Oder doch? Hey, keine Ahnung, vielleicht sollten wir die nächsten zehn Jahre einfach mehr Bücher lesen.
SISTER SAVIOUR

NEON PLASTIX  
Awesome Moves
Blow Up

Einer der wichtigsten Sachverhalte, der die Gesetze unserer Trendkultur erklärt, ist folgender: So begrüßenswert es ist, dass es hin und wieder zu Innovationen kommt, so sicher kannst du dir sein, dass irgendwann ein Trottel kommt und ein billiges, nerviges und oberbeknacktes Kaspertheater daraus macht. Als Beispiel: Heinz Erhardt vs. Mario Barth, gesunder Menschenverstand vs. DJ Bobo, Postpunk vs. diese Platte.
PETER SCHLOTTERTEIG

ABE VIGODA   
Crush
Bella Union

Abe Vigoda haben ja lange Zeit diese prickelnde Piña Colada-Note in ihren Entwurf von zeitgenössischem Indietum gemischt. Tatsächlich sind sie nun dazu übergegangen, zu gleichen Anteilen Absinthe und aufgelöste Koffeintabletten in ihre Songs zu träufeln. Das Resultat namens Crush weist sie nunmehr mal als aufmerksame Bowie-Schüler, mal als futuristisch überholte Bauhaus aus, als eine Band also, die nicht nur im Hipsterkanon, sondern auch im Berghain oder den entlegensten Winkeln deines Vorbewusstseins funktioniert.
CASH POTATOE