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Bravos tödliche Mission

11.10.10

Falls du VBS.tv guckst (Was du tun solltest), ist dir Ben Anderson sicherlich ein Begriff. Seine Reisen führten uns nach Afghanistan und er war es auch, der uns alles über Obamas Krieg erzählt hat. Sein neuer Film „Bravos Deadly Mission“ dokumentiert den Weg einer Truppe US-Marines, die in der Taliban Hochburg Marjah abgeworfen werden. Wir sprachen mit Ben darüber.Vice: Hey Ben, Ich habe gerade deinen Film gesehen, er ist sehr gut.

Ben: Danke!

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Etwas was sofort auffällt, wenn man deinen Film sieht, ist die furchtbare Zusammenarbeit zwischen der afghanischen Armee und den Nato-Truppen.

Ja das war keine Überraschung. Genau dasselbe habe ich zuvor schon mit den Briten erlebt. Ein Major der britischen Armee beschrieb diese Situation 2007 als unmöglich. Die lächerlichste Sache war hier auch noch der Name der Operation, denn „Mushtarag“, bedeutet soviel wie „Zusammengehörigkeit“ und der General behauptete, dass die Operation von den Afghanen angeführt wurde, ich meine, das ist lächerlich. Das Problem ist, dass diese Jungs in der Lage sein müssen, allein zurechtzukommen und alleine ihre Arbeit zu machen, damit wir Afghanistan verlassen können.  Aber das ist nicht der Fall. Keiner ist bereit öffentlich die Wahrheit zu sagen, aber die Soldaten mit denen ich sprach, sagten das die afgahnischen Soldaten zehn Jahre davon entfernt sind, diesen Job richtig zu erledigen. Aber wir können so etwas nicht sagen, weil wir nicht für die kommenden zehn Jahre dort bleiben werden.

Da ist dieser eine Moment, als die US-Marines die afghanenischen Soldaten durch diese Tür schieben, um sagen zu können, dass die Afghanen die Mission angeführt hätten.

Das selbe gilt für die gemeinsame Flaggen-Zeremonie, auch das wirkt alles ein wenig gezwungen. Leider konnte ich nicht filmen, wie zwei afghanische Soldaten in dem Camp in dem wir untergebracht waren, eine Überdosis Heroin nahmen. Sie wurden von US-Ärzten gerettet.

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Haben die US-Soldaten das Gefühl, dass diese ANA-Truppen eine Gefahr für sie sind?

Sie lassen sich nicht wirklich viel beeinflussen. Jedem Platoon sind nur zwei ANA-Soldaten zugeteilt, wären es jedoch mehrere, ja dann wäre es sicherlich anders. Als ich mit den Briten unterwegs war, sagten die soetwas wie: „Vertrauenswürdig wie Katzen, Katzen mit Waffen.“

Es scheint so, als wären die Soldaten durch die Regeln, die ihnen für ihre Einsätze auferlegt wurden ein wenig eingeschränkt.

Abgesehen von ihren Vorgesetzten, hätte die Truppe lieber etwas lockerer Regeln für den Einsatz. Sie würden einfach in die Schlacht ziehen, Menschen töten und der Kampf wäre gewonnen. Aber ihnen ist bewusst das sie die Einsatzregeln so wie sie sind akzeptieren müssen, weil es sonst zu viele Zivile-Opfer geben würde und dann würde sich die Bevölkerung gegen die Truppe wenden.

Gegen Ende des Filmes sprichst du das Thema an, dass die NATO und die afghanische Regierung wirklich versucht, ein Gefühl von Nationalstolz und Einheit unter den Afgahnen zu vermitteln.

Ja aber das Land ist vollständig gespalten und viele Leute denken, dass alles was sie tun nur ein Training,für einen Bürgerkrieg ist, der ausbrechen könnte wenn wir abziehen. Die ANA dominiert massiv die Tadschiken und die nördlichen Gruppen, während die Taliban überwiegend Paschtunen auf ihrer Seite haben, die die Mehrheit im Land stellen.

Es gibt einen Szene im Film wo die C-Kompanie vesehentlich eine Rakete auf ein Haus voller Zivilisten feuert. Sie alle scheinen  danach traumatisiert zu sein, besonders ein Soldat namens McClane.

Ja, er ist ein Rhodes-Stipendiat, der sechs Jahre in Oxford verbracht und Kurse auf arabisch belegte und nun ist er in einem Land, wo niemand Arabisch spricht. Sie alle haben diese neokonservativen Sachen gelesen und glauben wirklich draußen läuft der Krieg gegen den Terror. Er sagte mir, die Menschen in Afghanistan dürfen nicht wieder unter den Stiefel des islamistischen Faschismus fallen. Er hat wirklich lange darüber nachgedacht und geht davon aus, das er da draußen eine gute Sache tut. Der Zwischenfall mit der Rakete hat ihn also ziemlich mitgenommen.

Es ist erstaunlich wie ruhig die Soldaten wirken, selbst wenn sie in ständiger Bedrohung durch einen Angriff oder durch ein Attentat leben.

Am Ende wünschen sich viele, Gewalt auszuüben. Einige der Soldaten wünschen sich einen Kampf, denn sie glauben, dass wenn sie in einen Kampf ziehen, dann kommen sie als Gewinner wieder. Das Problem dabei ist, dass wenn sie ihre militärische Arbeit perfekt erledigen und die Taliban ausmerzen, dann müssen sie die Macht an die Afghanische Regierung übergeben. Vor zwei Jahren wurde die Provinz Marja noch von der Regierung und der Polizei kontrolliert, die den Ruf von Dieben und Vergewaltigern hatte. Die Menschen dort bevorzugen die Taliban, weil es bei ihnen keine Korruption, Vergewaltigung oder Raub gibt. Das ist der Kampf um die Herzen und Köpfe, damit die Menschen der Regierung vertrauen und nicht den Taliban und entweder gewinnen wir ihn oder wir verlieren ihn.