Polizeigewalt gegen Journalisten: Diese Fotos aus Brasilien hättet ihr nie sehen sollen

Polizeigewalt gegen Journalisten: Diese Fotos aus Brasilien hättet ihr nie sehen sollen

In zehn brasilianischen Bundesstaaten gingen Menschen gegen die Amtseinführung Michel Temers auf die Straße. Dabei kam es zu blutigen Zusammenstößen mit der Polizei.
28.9.16

All Fotos von Vinicius Gomes / VICE falls nicht anderweitig angegeben

Am 31. August 2016 wurde Brasiliens ehemaliger Vizepräsident Michel Temer in Folge des Amtsenthebungsverfahrens gegen Dilma Rousseff als der neue Präsident des Landes eingeschworen. Wie zu erwarten folgten auf Temers Amtseinführung Pro-Rousseff-Demonstrationen in mindestens zehn Bundesstaaten. Bei einigen kam es zu blutigen Zusammenstößen mit der Polizei.

Der 19-jährige Fotograf Vinicus Gomes aus São Paulo sagt, dass er und seine Kamera an diesem Tag ebenfalls Opfer der Polizeigewalt wurden. "Ein Polizist kam zu mir rüber und fing an ohne erkennbaren Grund und ohne etwas zu sagen, auf mich einzuschlagen", berichtet Gomes gegenüber VICE. "Er schlug mir mit dem Schlagstock auf den Kopf. Ich ging daraufhin zu Boden und obwohl ich mich nicht wehrte, schlugen die Polizisten weiter auf mich ein. Dann zerstörten sie meine Kamera und legten mir Handschellen an."

Augenzeugen zufolge ereignete sich der Vorfall gegen 21:30 Uhr. Einer der Polizisten soll Vinicius Kamera mit seinem Fuß zerdrückt haben, dann fuhr ein Polizeiauto drüber. Als sie ihm Handschellen anlegten, blutete Gomes am Kopf. Er wurde mit einem anderen Fotografen, William Oliveira, in ein Polizeiauto verfrachtetet. Die Beamten fuhren sie zu einem nahegelegenen Platz, wo sie in ein anderes Polizeiauto umsteigen mussten, das sie schließlich zur Wache brachte.

In der Wache angekommen fragte Gomes, der weiterhin stark am Kopf blutete, ob er ins Krankenhaus kann. Die Polizisten sollen daraufhin eine ganze Weile gewartet haben, bevor sie ihn schließlich zur Notaufnahme brachten. Erst gegen Mitternacht sah sich ein Arzt seine Wunden an. Gomes wurde mit vier Stichen genäht. Erst um 5 Uhr morgens durften er und Oliveira wieder gehen.

Während der Festnahme entdeckte Journalist Fernando Sato auf der Straße die Reste von Gomes Kamera. Die Speicherkarte war zwar lädiert, aber steckte noch drin. Sato nahm die Einzelteile und gab sie einem anderen Fotografen, Ignacio Aronovich. Ihm gelang es dann, die wenigen Bilder, die die Polizei nicht gelöscht hatte, wiederherzustellen.

"Ich will nicht, dass die Menschen mich als 'Der Fotograf, der von der Polizei zusammengeschlagen wurde' im Gedächtnis behalten. Ich will, dass die Menschen sich an meine Arbeit erinnern. Die Bilder sollen für sich selbst sprechen", so Gomes zu VICE.

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