Narzisstische Selbstporträts

Die Fotografin Penelope Koliopoulou untersucht das Konzept von Beziehungen und Pärchen in ihrem Projekt Self Portraits, indem sie jeweils beide Hälften von Paaren nachstellt.

In einer Beziehung zu sein, kann ziemlich ätzend sein. Als hätte man nicht schon genug mit den eigenen Problemen zu tun, erklärt man sich freiwillig dazu bereit, sich zusätzlich mit dem Wahnsinn einer anderen Person abzugeben. Dass der ganze Planet dieser masochistischen Lebensphilosophie folgt, kommt mir irgendwie krank vor.

Für Beziehungen interessiert sich auch die Fotografin Penelope Koliopoulou. Sie untersucht das Konzept in ihrem Projekt Self Portraits, indem sie jeweils beide Hälften von Paaren nachstellt. Ich habe sie angerufen, um herauszufinden, ob es eine gute Idee ist, (wenn auch nur virtuell) eine Beziehung mit sich selbst zu führen.

VICE: Hey Penelope, das sind coole Fotos. Habe ich es richtig verstanden, dass es sich dabei um dein M.A.-Projekt handelt?
Penelope Koliopoulou: Ja, ich habe einen Master in Mode und Film gemacht, und die Idee war, etwas über Liebeskomödien und das falsche Bild, das sie von Beziehungen vermitteln, zu machen. Das Problem dieser Filme besteht darin, eine bestimmte Frau oder einen bestimmten Typen zu kriegen. Sobald das Paar zusammengekommen ist, sind alle Probleme aus der Welt und die beiden wahrscheinlich für immer glücklich. Mein erster Gedanke war, Standbilder aus imaginären Filmen zu machen, auf denen die Charaktere in schönen oder unangenehmen Situationen des wirklichen Lebens zu sehen sind.

War es ein bestimmter Film, der dich aufgeregt hat?
Nein, ich mag einfach Paare—ich finde sie interessant. Mit meinen Bildern erzähle ich gern Geschichten. Also schien es ideal zu sein, die Geschichten von einigen Paaren zu erzählen. Ich bin aber nicht besessen von Beziehungen, eher im Gegenteil.



Mich fasziniert immer, wie Leute es schaffen, ihre Welten zusammenzuflicken. All die Leute mit ihren jeweiligen Problemen und Erfahrungen nehmen sich tatsächlich die Zeit und versuchen zusammenzuleben.
Oft sieht man aber auch Paare, bei denen du dich wirklich fragst, warum sie überhaupt zusammen sind. Das Ganze hat viel mit Unsicherheit und Komplexen zu tun, aber häufig ist es offensichtlich, dass diese Menschen sich nicht gegenseitig glücklich machen. Sie bleiben in der Beziehung, weil sie Angst davor haben, allein zu sein. Romantische Beziehungen haben auch ihre dunkle Seite.

Würdest du sagen, dass du dich auf diese Seite konzentriert hast?
Nein, ich glaube, ich habe mich auf beide Seiten konzentriert, denn das ist die Realität. Gleichzeitig wollte ich aber auch, dass die Fotos witzig, ja sogar komisch sind—einige könnten daher ein bisschen übertrieben sein.

Ja, und einige Bilder wirken ziemlich archetypisch. Zum Beispiel die von den Hippies mit den Dreadlocks.
Hoffentlich haben die Betrachter dadurch einen besseren Bezug zu ihnen.



Basieren die dargestellten Charaktere auf Leuten, die du kennst?
Nicht wirklich. Ich neige einfach dazu, Leute zu kategorisieren und sie, je nach Persönlichkeit und Lebensweise, in kleine Schubladen in meinem Gehirn zu stecken. Darauf basieren meine Charaktere.

Das mache ich auch, aber ist es nicht falsch, Leute zu kategorisieren? Wir sind doch eigentlich ein bisschen komplexer, oder?
Natürlich, aber trotzdem macht es jeder. Wir stecken uns sogar selbst in Schubladen, indem wir uns zum Beispiel für einen bestimmten Kleidungsstil entscheiden. Einige behaupten, dass man Leute nicht auf dieser Grundlage beurteilen sollte, aber natürlich sollte man es tun. Und man tut es, es ist kein Weltuntergang.



Wie kam es dazu, dass du Selbstporträts gemacht hast, anstatt andere Leute zu nehmen?
Am Anfang wollte ich sie mit Freunden von mir machen. Aber ich habe immer mit Selbstporträts gearbeitet, ich habe mich immer für Unterhaltungen interessiert, in denen es um Identität geht. Je mehr ich es mit meinem Betreuer an der Uni besprochen habe, desto sinnvoller kam es mir vor, selbst die „Protagonistin" zu sein. Das war es letztlich auch, wodurch das Projekt Spaß gemacht hat und zur Herausforderung wurde. Ich habe Make-up und Perücken und massenhaft Klamotten verwendet, um mich in diese Charaktere zu verwandeln, aber meine Lieblingsaufnahmen sind die, bei denen der gesamte Charakter von einer bestimmten Bewegung abhängt, zum Beispiel an der Art, wie ich meine Taille gedreht habe. Dadurch sehe ich wie ein Mann aus.

Ich könnte das noch weiter ausführen und darüber reden, wie wir unsere Erwartungen auf Menschen projizieren, mit denen wir zusammen sind, auch wenn diese Erwartungen nichts damit zu tun haben, wie sie wirklich sind.

Außerdem ahmen wir sie auch nach und probieren ihre Ausdrücke, Gesten oder Sätze aus.
Ja. Am Ende sieht man sich immer ähnlicher und manchmal verliert man dabei sein Selbstempfinden.

Kuck dir auch Penelopes 365-Fototagebuch-Projekt an (enthält zum Teil sexuelle Inhalte).

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