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Der VICE Guide zu Bukarest 2014

Wenn du heterosexuell bist und nicht von streunenden Hunden zerfetzt wirst, ist diese Stadt verdammt großartig.
20 August 2014, 7:00am

Foto: Amdraci

Wenn du nur in die rumänische Hauptstadt fahren willst um die kommunistische Denkmäler anzuschauen und dir billige Shawarma in den Mund zu stopfen, dann verpasst du eine ganze Menge. Bukarest ist eine richtige Partystadt. Es ist ein Ort , an dem man drinnen rauchen kann, eine Flasche Wodka nur ein Viertel von dem kostet, was du zu Hause zahlen würdest, und der Laden erst dann schließt, wenn die letzte Person komatös in der Ecke liegt. Hier kommt die Anleitung, wie du deine Zeit dort am Besten nutzen kannst.

Zu den einzelnen Rubriken:

FEIERN
WIE SIEHT’S AUS MIT DROGEN?
POLITIK, DEMOS UND WIE RASSISTISCH SIND DIE LEUTE HIER?
ESSEN
WAS ESSEN DIE EINHEIMISCHEN?
TRINKEN
ÜBERNACHTEN
LGBT BUKAREST
ORTE, DIE AUCH NÜCHTERN SPASS MACHEN
WIE DU NICHT ZUSAMMENGESCHLAGEN UND AUSGERAUBT WIRST
WIE DU DICH NICHT WIE EIN BESCHISSENER TOURIST VERHÄLTST
LEUTE UND ORTE, DIE DU MEIDEN SOLLTEST
TRINKGELD UND SÄTZE, DIE DU KENNEN SOLLTEST
EINE YOUTUBE-PLAYLIST MIT FRAGWÜRDIGER EINHEIMISCHER MUSIK
DER VICE-STADTPLAN

Bukarest langweilt dich jetzt schon? Hier haben wir noch 15 andere Städte-Guides.

Foto: Vlad Brateanu

FEIERN

In Bukarest gibt es vier Arten von Partys:

Den Rave
Wenn du ein pillenfressender House-Liebhaber bist, gibt es in Bukarest mehr als eine Möglichkeit, um deinen Serotonin-Speicher ins Unermessliche zu treiben. Für die Minimal- und Deep-House-Fanatiker unter euch gibt es das Studio Martin, wo es ein fantastisches Soundsystem gibt und die minimalistische Inneneinrichtung zur Musik passt. Wenn du die Art von Egozentriker bist, der sich nur in Clubs mit glänzenden Oberflächen wohlfühlt, in denen sich sein Gesicht spiegelt, solltest du dich lieber an Orte wie das Kristal oder Gaia halten.

Die Studenten-Party
Das Kulturhaus ist der günstigste Klub im Stadtzentrum und die DJs spielen mehr oder minder nur 90er Jahre Indie, was es zum beliebten Treffpunkt für Bukarests ausgelassene und aufgeschlossene Studenten macht. Im Keller kannst du fast an der Luftfeuchtigkeit ersticken, aber wenn du Angst hast, dass es dir zu heiß wird, könntest du jedem einen Drink kaufen und hättest immer noch 50 Euro übrig. Dasselbe gilt für den Club A, wo Studenten schon seit fast 40 Jahren zu ein und derselben Playlist tanzen und jeder denkt, dass Dupsteb eine andere Art von Reggae ist.

Die Hipster-Party
Wenn deine Art von Partys die sind, auf denen ein Avantgarde Elektroduo an den Knöpfen ihrer Synthesizer dreht, dann solltest du den Club Control besuchen. Es ist zwar schwieriger als im Studio Martin, vernünftige Drogen zu finden, aber wenigstens bietet die Musik ein bisschen mehr Abwechslung.

Die After-Party
Wenn du eine gute Ausdauer hast, gibt es bis spät in die Nacht jede Menge After-Partys im Traian 42, Guesthouse und Mansarda. Die werden dich davon abhalten, noch mehr Ärger zu machen, wenn du schon aus dem Studio Martin oder dem Control Club rausgeschmissen wurdest, aber immer noch zu keine Lust hast, schlafen zu gehen und zu drauf bist, um dich mit jemandem zu unterhalten.

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Foto: Lucian Varvaroi

WIE SIEHT'S AUS MIT DROGEN?

Bukarest sollte man sich am Besten in Verbindung mit Drogen reinziehen—genau wie Techno und McDonalds. Die Stadt ist eine komplett absurde architektonische Mischung, deswegen gibt es laut vieler Leute nichts Besseres, als bei Nacht high durch die Straßen zu ziehen und sie auf diese Weise zu erkunden.

Unglücklicherweise ist das Vorgehen der rumänischen Behörden genauso fortschrittlich gegenüber Drogen, wie gegenüber Schwulen und Lesben. Deswegen sollten wir an dieser Stelle anmerken, dass wir wirklich Glück hatten, dass in den vergangenen zwei Wochen niemand zu Tode gesteinigt wurde. Marihuana ist nicht ansatzweise entkriminalisiert worden und für die alte Generation steht es auf einer Ebene mit Heroin. Wenn man beim Rauchen eines Joints erwischt wird, landet man wahrscheinlich nicht gleich im Knast, es könnte aber mit einem Eintrag in deinem Führungszeugnis oder einer Geldstrafe enden. Mit diesem Hintergrund, werden Drogengeschäfte auch selten auf der Straße abgewickelt und man sieht auch recht wenige Straßendealer.

Weed wird für 50 bis 60 RON (11 bis 13 Euro) pro Gramm verkauft. Das mit der Polizei war übrigens kein Spaß, rumänische Dealer haben nämlich ziemlich viel Schiss vor verdeckten Ermittlern und niemand zündet sich einen Joint in der Öffentlichkeit an, außer sein persönlicher Kodak-Moment besteht daraus, dass er in einem rumänischen Gefängnis halb zu Tode getreten wird.

Drogen wie MDMA und Speed sind ein fester Bestandteil von Bukarests Raverszene. Ein Gramm MDMA bekommst du für 300 RON (66 Euro), während Speed weniger als die Hälfte kostet.

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(Photo by Vlad Petri)

POLITIK, DEMOS UND WIE RASSISTISCH SIND DIE LEUTE HIER?

Für den Außenstehenden mag es so erscheinen, als ob auch in Rumänien die Parteilandschaft von Konservativen zu Sozialdemokraten reicht. In Wahrheit hat aber niemand ein richtiges Parteiprogramm, weil sie alle aus früheren Mitgliedern der kommunistischen Partei entstanden sind. Das bedeutet, dass sich die selben Leute, die früher unter Ceauşescu gearbeitet haben, jetzt als „Kapitalisten” bezeichnen. Die meisten von ihnen hassen den Westen fast genau so sehr, wie sie Russland hassen, und viele von den jetzt verarmten Älteren werden dir sagen, dass früher unter der Diktatur alles besser war. Meinungsfreiheit bringt eben kein Essen auf den Tisch.

Foto: Vlad Brateanu

Es gibt eine rechte Bewegung, die den Faschismus, den es in Rumänien vor dem zweiten Weltkrieg gab, wiederbeleben will. Die Anzahl ihrer Anhänger ist aber vergleichsweise gering. Sie veranstalten einen jährlichen Marsch gegen Homosexualität und einen weiteren gegen die ungarische Minderheit, die in Rumänien lebt. Versuche sie genau so zu meiden wie La Copac, wo sie faschistische Gedichtlesungen veranstalten. In Heavy-Metal-Bars wie Iron City oder Bastards solltest du vielleicht auch nicht gehen, denn dort hängen ganze Gruppen von gruselig aussehende Männer rum, die ihre Nationalflagge auf den Shirts tragen.

Ganze 86,5 Prozent des Landes sind orthodoxe Christen, mit einem gewissen Anteil an Extremisten. Dank diesen Leuten würden wir dir raten, nicht all zu offen mit deiner Homosexualität umzugehen.

Neben den rechten Bewegungen, haben wir auch eine Vielzahl von linken Protesten in den letzten Jahren beobachten können. Wir hatten sie alle: Gewerkschafts-Proteste, politische Proteste, Proteste gegen den Bergbau und Fracking, feministische Proteste oder Proteste für und gegen das Töten von rumänischen Straßenkötern. Normalerweise versammeln sich bei diesen Protesten nur ein paar hundert Leute, manchmal können es aber auch bis zu 20.000 werden, die dann die Straßen blockieren.

Foto: Sebastian Nitulescu

Was auch immer du machst: Verwechsle nie die Roma mit den Rumänen. Rassismus gegenüber Roma ist unglaublich verbreitet und sie werden mehr oder weniger für alles Schlechte verantwortlich gemacht, was so passiert. Irgendwie will keiner zugeben, dass wir sie im zweiten Weltkrieg als Sklaven benutzt und einem wahren Holocaust ausgesetzt haben, deswegen dienen dienen sie als eine Art Stressball gegen die Selbstzweifel Rumäniens.

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Foto: Mihai Popescu

ESSEN

Calif
Was in New York die Hotdogs sind, ist in Bukarest die Shawarma und es gibt buchstäblich tausende Orte in der Stadt, wo man sie bekommen kann. Aber nimm dich in Acht: Viele sind nicht mehr als riesige Petrischalen voll mit Salmonellen, deren Fleisch aus einem Medizinlabor und deren „Mayonaise” von der Wand öffentlicher Toiletten stammt. Glücklicherweise ist das im Calif, welches sich im historischen Stadtzentrum befindet, nicht der Fall. Die Wertschätzung, die sie diesem unglaublich billigen Essen entgegen bringen, ist wirklich erstaunlich. Das Fleisch ist ordentlich gewürzt, die Pita wird im eigenen Ofen gebacken und die Fritten und das Gemüse sind frisch. Einer ihrer Spezialitäten sind auch die Soßen, auf die sie sich spezialisiert zu haben scheinen. Ob eine Joghurt-Minze- , Curry-Senf- oder Auberginensoße, sie sind alle vorzüglich. Außerdem haben sie eine vernünftige Auswahl für Vegetarier (was es selten gibt). Das beste am Calif aber ist, dass man nur 14 RON (3 Euro) dafür ausgibt. Betrunken oder nüchtern, du wirst eine Menge Shawarma essen, deswegen solltest du sichergehen, dich für die guten zu entscheiden.

Toan’s Vietnamese
Das Schild am Eingang von Toan’s behauptet ohne jede Bescheidenheit, dass sie die besten Sandwiches der Welt machen. Du wirst so lange skeptisch sein, bis du in ihr Banh mi beißt. Ein frisches Brötchen mit in Fischsoße getauchte Schweinebällchen, Gurke, Kohlrabi und frischem Koriander. Und wieso sollte man nicht auch gleich eine Pho-Suppe probieren, wenn einen der gesamte Spaß nur 12 RON (2,50 Euro) kostet? Auf jeden Fall ist es besser als das rumänische Subway.

Cocoșatu’s Mici
Die Rumänen sind so stolz, dass es nicht überrascht, wenn Leute Mici (gegrillte Rouladen) als Nationalgericht bezeichnen, obwohl sie eigentlich überall auf dem Balkan gefunden werden können. Der beste Ort für Mici in Bukarest ist La Cocoșatu, was wörtlich „der Buckel” heißt und ernsthaft nach dem buckligen Kerl benannt ist, der das Restaurant eröffnet hat. Du musst auf jeden Fall deine Mici dort essen. Erst dann kannst du entscheiden, ob du zu den 50 Prozent gehörst, die sie lecker finden, oder zu den anderen 50, die sie hassen.

Latin Pizza & Kebab, an der Ecke I.C. Bratianu und Lipscani Straße
Während die meisten rumänischen Pizzaläden sich damit zufriedengeben, Salami und Pilze auf einen geschmacklosen Teig zu schmeißen, kreiert Latin Pizza etwas, was sich „Geschmack” nennt und sie machen es fantastisch. Mit einer einfachen Kirschtomatensoße, die einen interessanten Hauch von Knoblauchpesto mit sich bringt, der dich mit den Ohren schlackern lässt, schaffen sie es dir das Wasser im Munde zusammenlaufen zu lassen. Alles kostet dich nur 20 RON (4,50 Euro) und der Geschmack will dich einen Italiener zu Tode treten lassen (oder einfach nur Italiens Pizza-Überlegenheit in Frage stellen).

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Foto: Mihai Popescu

WAS ESSEN DIE EINHEIMISCHEN?

Die Rumänen wechseln zwischen dem normalen Speiseplan—der sich fast ausschließlich aus Fleisch zusammensetzt—und der religiösen Fastenzeit, während der wir uns ausschliesslich von dem runden Ding aus dem Boden ernähren, dass sich Kartoffel nennt. Du wirst keine Probleme damit haben, in Bukarest ein traditionelles Restaurant zu finden, und wenn du das geschafft hast, solltest du diese Gerichte bestellen:

Mici
Wir haben sie vorhin schon erwähnt, aber sie sind auch sehr wichtig. Mici sind mit Sodium Bicarbonat gewürzte Lammrollen, die auf den Grill geschmissen und später mit Senf gegessen werden. Sie wurden vor dem zweiten Weltkrieg erfunden, als einem berühmten Restaurant die Schafsinnereien ausgingen (es ist immer dramatisch, wenn sowas passiert) und der Koch einfach Würste auf den Grill legte. Die Rumänen lieben Mici so sehr, dass sie auf die Barrikaden gingen, als die EU das Kochen mit Sodium Bicarbonat, die Basis eines jeden guten Essens oder Badezusatzes, verbieten wollte.

Mămăligă cu brânză și smântână (MBS) oder Bulz
Man stelle sich Polenta (gekochtes Maismehl) vor, die über frischen Käse gegossen und mit Butter und saurer Sahne genossen wird. Es gibt dann noch eine Version davon, die sich Bulz nennt, bei welcher die Polenta auf Kohl gegossen und mit Hackfleisch und einem Spiegelei gegessen wird. Es sollte jedoch heiß sein, ansonsten wird es hart wie Zement.

Sarmale
Wenn man Kohl oder Teig um Hackfleisch und Reis mit Tomatensoße rollt und dann noch etwas verdammt Scharfes dran macht, dann hat man Sarmale. Sie basieren auf einem traditionellen türkischen Rezept, was man aber nie zu einem Rumänen sagen sollte, denn wir haben sie zu unserem eigenen Gericht ernannt und nehmen Essen wichtiger als unsere Politik. Und das, obwohl wir mit Sodium Bicarbonat kochen.

Ciorbă de Burtă
In Zeiten des Kommunismus wurde Arbeitern eine Rindfleisch-Kuttel-Suppe zu essen gegeben, weil es das Günstigste vom Tier war. Irgendwann wurde dies dann zu einer Delikatesse und heute wird es überall in Rumänien als eine teure Suppe serviert. Neben Hackfleisch besteht die Suppe aus Schweinefüßen, Knoblauch, Buttermilch, Essig und in seltenen Fällen ein paar zerhackten Paprika. Sagen wir mal so: Es ist ein sehr gewöhnungsbedürftiger Geschmack.

Slană
Slană kann eigentlich in jedem Haushalt in Rumänien gefunden werden. In der wörtlichen Übersetzung bedeutet es „Fett”—weil es Fett ist. Gekochtes, geräuchertes Schweinefett, um genau zu sein (wenn dir das zu heftig ist, kannst du auch Knoblauchstücke rein tun). Es ist das rumänische Gegenstück zu Schinken, nur ohne das Fleisch. Manchmal wird er sogar in noch mehr Schweinefett gebraten und natürlich gibt es auch Leute, denen der ganze Spaß einfach nur zu fettig ist.

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Foto: Lucian Varvaroi

TRINKEN

Die gesamte Stadt ist übersät mit altertümlichen Pubs, aber irgendwie scheint die jeder zu ignorieren und trinkt in der Altstadt. Vor allem wenn diese Leute Touristen sind. Das ist wahrscheinlich der Grund dafür, warum es so viele falsche Bierhallen und Irish Pubs gibt. Diese gilt es zu umgehen und man sollte sich stattdessen folgende Orte anschauen:

A1
Das A1 ist die Bar für den Artsy-Typen. Wie man sich schon denken kann, ist sie voll mit Fahrrädern, Jazzmusik und überteuerten lokalen und importierten Bieren. Der Service ist, sagen wir mal, nicht gerade schnell, aber darum geht es anscheinend auch und das bedeutet, dass die gesamte Atmosphäre im A1 sehr entspannt ist. Wenn du dich in Bukarest wie während der Rush Hour in London verhältst, dann machst du etwas falsch.
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Eden
Der Sirbei Palast war vor dem zweiten Weltkrieg die Heimat der Aristokratie und ist eines der architektonischen Highlights von Bukarest. Heute ist der Garten von der hippen Bar Eden übernommen worden, die es ihren Gästen mit Hängematten und Zelten bequem macht. Ihr solltet euch mit einem Besuch aber beeilen, denn die Idioten der Regierung planen in nächster Zeit, das Areal mit einem riesigen Einkaufszentrum zu bebauen.
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Control
Das Control ist zwar in keinem Reiseführer vertreten, aber es ist wahrscheinlich der erste Ort, an den dich ein Rumäne bringen wird, wenn du Bukarest einen Besuch abstattest. Hauptsächlich liegt das daran, dass das Control eine authentische Kopie jeder typischen westeuropäischen Bar ist und wir wollen, dass du dich wie zuhause fühlst.
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Baraka
Inmitten von Herăstrău, einem der berühmtesten Parks Bukarests, liegt die kleine Bar Baraka. Weil sie sich direkt neben dem größten Skatepark der Stadt befindet, wirst du bei deinem Besuch auch viele Skater sehen, die dort tagsüber abhängen. Am Abend verwandelt sich das Ganze dann mehr und mehr in einen Outdoor-Rave, was genau nach dem klingt, was Leute im Urlaub sehen wollen.
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Argentin
Das Argentin ist nicht gerade die schönste Bar in der Altstadt und man hat wirklich Glück, wenn man einen Barkeeper findet, der dem Englischen mächtig ist. Trotzdem musst du dort hin, wenn du den Flair einer authentischen rumänischen Bar erleben willst. Das ist genau die Art von Ort, an dem du zahnlose Volkssänger oder verrückte, in Rente gegangene Kunstlehrer finden kannst, die versuchen, dir ihre Kunstwerke zu verkaufen. Ich habe dort auch schon einige Kneipenschlägereien mitbekommen, was ziemlich sexy ist..
EINE INTERNETSEITE? ALS OB.

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Foto: Mircea Topoleanu

ÜBERNACHTEN

Wenn du das Leben in Bukarest wirklich kennenlernen willst, solltest du auf Seiten wie couchsurfing.org gehen und bei einem Einwohner übernachten. Wir sind absolut besessen davon, Fremde zu beeindrucken, gastfreundlich rüberzukommen und dir Pflaumenschnaps zu machen. Es wird dir also an nichts mangeln.

Wenn du ein Hostel bevorzugst, solltest du dich in die Altstadt im Stadtzentrum begeben. Wenn du aber einfach nur abhängen, feiern, dich besaufen oder einen wegstecken möchtest, dann raten wir dir ins Little Bucharest Hostel (12 Euro für ein Mehrbettzimmer und 17 Euro für ein Einzelzimmer) zu gehen. Eigentlich liegt es genau im Zentrum der Party im historischen Zentrum von Bukarest. Der einzige Nachteil ist, dass du absolut nicht dazu kommen wirst, zu schlafen. Die nahe liegenden Pubs sind nämlich durchgehend geöffnet.

Ein bisschen weiter weg vom Stadtzentrum, aber ziemlich nahe am Carol Park, gibt es das Doors Hostel, ein fantastisches Grabmal des Kommunismus (10,50 Euro für ein Mehrbettzimmer, 27 Euro für ein Einzelzimmer). Es gibt einen großen Außenbereich, in dem du diverse Aufführungen und Jazzkonzerte geboten bekommst, aber eigentlich ist es der Garten, der das Doors Hostel von anderen unterscheidet.

Hotels in Bukarest sind teuer, selbst für internationale Standards und meist versprechen die Sterne am Eingang mehr, als man letztendlich dafür bekommt. Viele von ihnen sind kalte, spartanische Gebäude, die der Kommunismus hinterlassen hat, andere sind verkrampft, kitschig wirkende Orte für Konferenzen. Wenn du wirklich darauf bestehen solltest in einem Hotel zu bleiben, solltest du dich ans Intercontinental halten. Es ist eine Art kommunistischer Wolkenkratzer und wahrscheinlich das größte Gebäude mitten in der Stadt, welches von Vorteil ist, denn hier hast du einen der wenigen Punkte, von dem aus die Stadt sogar richtig nett aussieht. Hotelzimmer sind wie schon eben erwähnt unglaublich kostspielig (150 Euro pro Zimmer), vor allem wenn man bedenkt, dass nicht neu dekoriert wurde, seit Stalin den Löffel abgegeben hat.

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Foto: Sergiu Mihaescu

LGBT BUKAREST

So traurig es klingt, Bukarest ist nicht gerade der Ort, an dem du unbedingt in der Öffentlichkeit mit einem Partner des gleichen Geschlechts Zärtlichkeiten austauschen solltest. Wie bereits erwähnt, sind 86.5 Prozent der Bevölkerung christlich-orthodox und viele von ihnen auch noch ziemliche Extremisten. Falls du also schwul, lesbisch, bi, trans oder ähnliches sein solltest, häng es hier zu deiner eigenen Sicherheit lieber nicht an die große Glocke.

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Foto: David Holt

ORTE, DIE AUCH NÜCHTERN SPASS MACHEN

Carol 53

Bukarests erstes und einziges besetztes Haus ist das Carol 53. Es wurde von einer Gruppe junger Architekten gegründet, die es geschafft haben, Kontrolle über das älteste Haus auf dem Carol Boulevard zu bekommen und das alles zehn Minuten vom Universitätsplatz entfernt. Sie haben es in ein Kunstzentrum verwandelt, in dem sie Partys schmeißen, Ausstellungen organisieren und Theaterstücke aufführen. Die meiste Zeit ist es für Besucher geöffnet, also solltest du dir es nicht entgehen lassen. Der eingestürzte Boden mitten in einer der Räume lässt keinen Zweifel daran, dass das gesamte Gebäude jederzeit einstürzen könnte, aber falls du die Eier dazu und einen Schlafsack dabei hast, lassen sie dich vielleicht sogar dort übernachten.

Wohnungen von Kommunisten
Wir Rumänen reden nicht gerne über die Zeit unter der kommunistischen Herrschaft. Vielleicht, weil uns in unserem täglichen Leben schon genügend Dinge daran erinnern. Deswegen gibt es auch kein kommunistisches Museum. Dafür gibt es aber inoffizielle Touren für Touristen, bei denen du dir als arroganter, kapitalistischer Westler einen Eindruck verschaffen kannst, wie das Leben damals für die Leute hier ausgesehen hat. Du kannst dir Wohnzimmer des Proletariats ansehen, die sich seit 20 Jahren nicht verändert haben, und Instagram-Fotos original sozialistischer Einrichtungen knipsen. Näher kannst du einer echten Zeitreise nicht kommen.

Der kommunistische Obelisk im Carol Park
Im Carol Park gibt es einen gigantischen sowjetischen Obelisken, der aus dem bolschewistischsten roten Marmor gemacht wurde, den du jemals gesehen hast. Es ist der Ort in Bukarest, an dem du dich am meisten fühlen wirst, als wärst du in Russland. Sieh ihn dir an, solange du noch die Gelegenheit dazu hast, da die Kirche plant, ihn abreißen zu lassen, weil sie ihn als Beleidigung ihres Glaubens ansieht und er sie an die schmerzliche Vergangenheit des Landes erinnert. Aber manchmal braucht es schmerzliche Erinnerungen. Wie die Narbe, die dich daran erinnert, warum du lieber nicht betrunken auf irgendwelchen Dächern herum klettern solltest. Oder die Geschlechtskrankheit, die du dir eingefangen hast, dich daran erinnert, warum du deiner Ex nicht hättest trauen sollen.

Die Terasse des MNAC
Nach einem Besuch des Parlamentspalastes solltest du dich damit belohnen, ein Bier auf seinem Dach zu genießen. Das Nationalmuseum für moderne Kunst (MNAC) liegt in einem Flügel des Gebäudes und hat eine riesige Dachterrasse, von der du einen fantastischen Blick über die Stadt hast und ein bisschen ein Gefühl dafür bekommst, wie es sich anfühlt, ein allmächtiger Diktator zu sein.

Die Häuser zwischen der Dorobanţi- und Aviatorilor-Straße
Liebhaber eigenwilliger Architekturformen kommen in den Gassen zwischen Bukarests beiden Hauptverkehrsstraßen auf ihre Kosten, denn hier finden sich Gebäude jeden Stils, von maurisch bis sozialistisch. Hier findest du auch die Botschaften der EU und Gebäude, die vom früheren Regime als sichere Häuser genutzt wurden und auch heute noch den rumänischen Geheimdienst beherbergen.

Der Hof des Museums für Militärgeschichte
Das Museum für Militärgeschichte ist eins der wenigen passablen Museen, die wir in Bukarest haben, und sein Hinterhof ist ein besonderes Highlight, denn er ist voll mit Panzern und anderen komischen Militärfahrzeugen. Außerdem kannst du komplett unbewacht bei ihnen rumhängen. Wer will bitte kein Selfie mit einem Panzer?.

Das Matache-, Ferentari- oder Uranus-Viertel
Die armen Gegenden von Bukarest haben einen ganz besonderen Charme. Allerdings solltest du dich hier nur tagsüber und mit jemandem, der sich in der Gegend auskennt, aufhalten. Für deinen Wagemut wirst du mit beeindruckenden Alltagsszenen belohnt werden. Zum Beispiel dem Anblick eines Hundes, der auf die Überreste eines zerfallenen Hauses kackt.

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Foto: Lucian Varvaroi

WIE DU NICHT ZUSAMMENGESCHLAGEN UND AUSGERAUBT WIRST

Wir wissen, dass viele Rumänien mit Kriminalität in Verbindung bringen, aber eigentlich ist man ziemlich sicher hier und es gibt weniger Gewaltverbrechen als in Städten wie Budapest, Kiev oder Sofia.

Trotz allem solltest du auf dein Geld aufpassen. Das fängt schon bei deiner Ankunft an, wenn Taxifahrer, die dafür bekannt sind einen Knopf zu haben, mit dem das Taxameter rasend schnell läuft, dich vom Flughafen aufgabeln und versuchen, dich abzuziehen. Behalte sie im Auge und mach dir ungefähr bewusst, wie viel dein rumänisches Geld wirklich wert ist. Auch Kellner und Ladenbesitzer werden versuchen dich zu linken, wenn sie merken, dass du keinen Plan von der Währung hast.

Es gibt Taschendiebe die in der Stadt ihr Unwesen treiben, aber es ist eher unwahrscheinlich das du abgezogen wirst, es sei denn du begibst dich in einen der Vororte, in denen eine Vielzahl von Kleinstadtgangs abhängen. Einer der einfallsreicheren Maschen ist, dich in akzentfreiem Englisch anzusprechen und dir zu erzählen, dass sie selber ausgeraubt worden sind. Sie fragen dich, ob du ihnen mit ein bisschen Kohle aushelfen kannst. Um vertrauen zu erwecken zeigen sie dir manchmal sogar ihren Ausweis oder geben dir ihren Autoschlüssel als Pfand. Natürlich sind all diese Gegenstände nichts Wert, denn sie sind gefälscht und in Wirklichkeit sind die Täter, Rumänen, die fließend Englisch gelernt haben, Teil der ganzen Masche.

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Foto: Mircea Topoleanu

WIE DU DICH NICHT WIE EIN BESCHISSENER TOURIST VERHÄLTST

Es ist eine Schande, dass die meisten Touristen, die nach Bukarest kommen, die gleiche langweilige Liste von Sehenswürdigkeiten abarbeiten. Erst besaufen sie sich in der Altstadt, dann geht es weiter auf eine Tour durch den Parlamentspalast (der aktuelle Sitz des Parlaments und frühere Sitz von Nicolae Ceaușescu) und am Ende folgt noch ein enttäuschender Besuch im Bauern- oder Dorfmuseum.

Der größte Fehler, den Bukarest-Besucher machen, ist allerdings, zu viel Zeit in der Stadt zu verbringen. Transsilvanien ist voller spektakulärer Schlösser und Burgen mit deutschem, ungarischen und rumänischen Ursprung. Also kuckt euch lieber das an, als wie jeder andere dieselben drei Touristenkneipen anzusteuern. Außerdem gibt es da jede Menge Dracula-Kram.

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Foto: Amdraci

LEUTE UND ORTE, DIE DU MEIDEN SOLLTEST

„Cocalar”

„Cocalar” heißt im Rumänischen so viel wie „Volltrottel”. Wir benutzen diesen Ausdruck für Leute, die hautenge T-Shirts anhaben und in ihren SUVs mit unglaublich lauter Musik rumfahren. Es kann gut sein, dass sie versuchen dich fertigzumachen, sobald sie mitbekommen, dass du ein Ausländer bist. Also versuche sie einfach zu meiden, wenn du keinen Bock auf eine Schlägerei hast.

Verkäufer von geklauten Handys
Im Zentrum des Unirii Platzes findest du Typen, die versuchen, alle möglichen zwielichtigen Dinge zu verkaufen. Darunter billige Zigaretten, geklaute Handys und Kaviar. Das einzig Gute an ihnen ist, dass sie die erste Anlaufstelle sind, wenn dein eigenes Handy weg ist.

Straßenhunde
In Bukarest leben tausende streunende Hunde. Manche von ihnen beißen, besonders nachts und am liebsten Kinder. Lauf nachts nicht in Parks rum, weil sie sich dort in Rudeln zusammenrotten und ihr Gebiet verteidigen. Die größte Angst jedes Rumänien-Touristen ist es, vor einem Luxus-Restaurant von einem Hund angegriffen zu werden.

Verkehr
In Rumänien kümmern sich sowohl Fußgänger als auch Autofahrer lediglich um die Verkehrsregeln, wenn zufällig gerade ein Polizist in der Nähe ist. Die Ampeln sind ebenfalls nicht korrekt eingestellt, weil das zu viel kosten würde. Aber das macht nichts, weil wir so entspannt sind und auch so sehr gut klarkommen.

Die Stadt im Winter
Komm bloß nicht im Winter her. Die Straßen sind unpassierbar und die Bürgersteige voller riesiger Schneehaufen. Eigentlich ist es wie ein atomarer Winter, nur ohne Bunker und mit mehr Weihnachtsbeleuchtung.

Öffentliche Verkehrsmittel
Es scheint als hätte jemand das öffentliche Nahverkehrsnetz ausschließlich aus dem Grund entworfen, Touristen zu verwirren. Manche der Linien, die auf der Karte eingezeichnet sind, existieren in Wirklichkeit gar nicht. Dazu wirst du niemanden treffen, der Englisch spricht und dir weiterhelfen oder ein Ticket verkaufen könnte. Also wirst du schwarz fahren. Und ausgeraubt werden. Anschließend wird dich jemand zwingen, noch mehr Sodium Bicarbonat zu essen.

Die meisten Museen
Die meisten Museen der Stadt sind ein Witz, aber die Touristen kommen trotzdem, weil sie meist in alten Palästen untergebracht sind und von außen ziemlich cool aussehen. Die Ausstellungen selbst sind allerdings großer Unsinn und ändern sich nie. Außerdem bekommst du hier falsche Informationen, die du allerdings sowieso nicht verstehen wirst, weil sie ausschließlich auf Rumänisch sind.

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(Photo by Lucian Varvaroi)

TRINKGELD UND SÄTZE, DIE DU KENNEN SOLLTEST

Trinkgeld

Es ist normal, in Bukarest zehn Prozent Trinkgeld zu geben. Es ist aber trotzdem hilfreich, einen rumänischen Freund dabei zu haben, denn sobald du mit dem Kellner, Barkeeper oder Taxifahrer in Englisch sprichst, versuchen sie dich zu verarschen. Bei Ausländern kann es auch manchmal vorkommen, dass der Kellner vergisst, dir dein Wechselgeld zu geben. Sollte es dazu kommen, ruf den Manager und lass diesen Typen feuern--diese Leute lassen uns Rumänen aussehen wie Arschlöcher.

Nützliche Sätze
Hallo – Salut
Tschüss – Pa
Bitte – Te rog
Danke – Mersi
Lutsch meinen Schwanz – Sugi pula
Ich will die toten Verwandten deiner Mutter ficken [unsere rumänische Redaktion hat uns versichert, dass das eine sehr gängige Beschimpfung ist] – Futu-ţi morţii mă-tii
Ich werde dich zu Brei schlagen – Te bat de te caci pe tine

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EINE YOUTUBE-PLAYLIST MIT FRAGWÜRDIGER EINHEIMISCHER MUSIK

Merke: Dies ist nicht unbedingt coole, gute oder interessante rumänische Musik. Sind wir mal ehrlich, Bukarest ist nicht Berlin. Wie auch immer ist es die Art von Musik die du höchstwahrscheinlich an einem gottverlassenen Ort hören wirst, den wir dir nicht vorgeschlagen haben.

DER VICE-STADTPLAN

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Alle 16 Städte Guides in einer Übersicht