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Mohammed Kasmir: Ich gehöre nicht zu den Salafisten, ich spreche nur für mich. Was die Medien schreiben, dass die Salafisten gegen die Verfassung sind, das stimmt nicht. Die Muslime hier leben friedlich in Deutschland und sie respektieren die Religionsfreiheit und wollen mit Christen zusammen leben. Kürzlich gab es Drohungen gegen Journalisten im Internet, die Organisation wird vom Verfassungsschutz beobachtet, weil manche Salafisten die Scharia über das Grundgesetz stellen wollen.
Wir wollen friedlich hier leben und nicht das Grundgesetz abschaffen. Das ist alles nicht wahr, was in den Medien geschrieben steht. Haben Männer und Frauen nach Auffassung der Salafisten die gleichen Rechte?
Im Islam haben sie die gleichen Rechte. Und Homosexuelle?
Allah hat uns im Koran das Beispiel gegeben: Das Volk des Lot hat Homosexualität betrieben, und deshalb wurde das Volk mit den härtesten Strafen von Allah belegt. (Ähnlich in der Bibel Sodom und Gomorrah) Im Grundgesetz ist Homosexualität erlaubt.
Dann sollen es die Leute machen, das stört mich nicht. Solange sie mich nicht dazu zwingen, Homosexualität zu betreiben. Das macht wohl eher keiner. Was sagen Sie dazu, dass Salafisten extreme Gewalttaten ausüben?
Das stimmt nicht. Es ist gerade erst passiert. Ende März in Toulouse hat ein Salafist drei Kinder und einen Lehrer einer jüdischen Schule, zwei Soldaten und einen weiteren Armeeangehörigen umgebracht.
Es gibt Ausnahmen. Und das mit Toulouse ist total falsch, diese Morde hat Sarkozy selbst inszeniert, um wiedergewählt zu werden. Da steckt der Geheimdienst mit drin. (Ich lache) Das ist ja total absurd. Keine Ahnung, wo Sie das gehört haben, aber das ist eine Verschwörungstheorie sondergleichen.
(Er lacht.) Was sagen Sie über die „Lies!“-Aktion hier?
Es ist eine wunderbare Aktion. Das erste Mal, dass so was passiert in Deutschland, dass der Koran umsonst verteilt wird, dass die Leute ein besseres Verständnis vom Islam bekommen. Meinen Sie, dass Leute den Koran verstehen können, wenn sie ihn einfach nur lesen?
Es ist nicht einfach, den Koran auf einmal zu verstehen. Man muss die Grundidee von den Koran-Versen verstehen. Dazu muss man die Geschichte des Islams von Anfang an lernen. Wenn ich den Koran jetzt mit nach Hause nehme und nichts davon verstehe, was mache ich denn dann mit dem Buch?
Sie können das Buch ruhig behalten. Der Koran allein reicht nicht, um den Inhalt zu verstehen. Deshalb können sie andere Literatur dazu nehmen und sich belesen. Dafür gibt es eine Menge auch, in Moscheen, zum Beispiel die Al Rahman-Moschee in der Tromsöer Straße in Berlin Wedding. Da können die Leute hinkommen und sind willkommen und können Bücher über den Islam kaufen. Was passiert, wenn die Leute, denen hier der Koran in die Hand gedrückt wird, diesen zu Hause wegschmeißen?
Das ist ihre Sache. Vor Kurzem gab es ja einen ziemlichen Prostest gegen amerikanische Soldaten, die Korane weggeschmissen haben.
Mhh … na ja … Dieser Koran hier ist auf Deutsch, also sagen wir, es ist nicht der originale Koran. Wenn es ein Koran auf Arabisch ist, also ein richtiger Koran und der wird beschädigt, so wie es die Amerikaner getan haben, dann verstehe ich die Reaktion der Leute. Wenn hier die Leute den Koran in den Mülleimer werfen, dann passiert nichts?
Es ist zwischen den Leuten und Gott. Sie müssen ihre Taten dann vor dem jüngsten Gericht verantworten. Ich bin nicht verantwortlich für das, was sie machen. Warum fühlen sich dann trotzdem manche Leute dafür verantwortlich, wenn Andere, beispielsweise Amerikaner, den Koran wegschmeißen?
Die Amerikaner spielen mit den Ressentiments der Leute. Ich finde auch, dass das ein sehr respektloser Umgang mit der heiligen Schrift der Muslime war und verurteile die Tat der amerikanischen Soldaten. Aber man muss befürchten, dass viele der Leute, die den Koran heute mitnehmen, ihn eventuell wegschmeißen und dann gibt es Menschen, die daraufhin neuen Hass verbreiten.
Wir verbreiten hier keinen Hass, wir verschenken nur den Koran. (Er lacht)Fotos: Fabian Brunsing