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Sex

Zwäng dich rein

Im brasilianischen Regenwald wird Latex zum Fetischtraum.
17 Oktober 2012, 6:07am

Fotos von Matheus Chiaratti

Jenni probiert Fetissos meistverkaufte Handschuhe im Lagerraum des Werks an.

Irgendwann Mitte der 1960er, in der Nähe der Schweizer Kleinstadt Vordemwald, spielte der klei­ne Willi Graber ganz allein auf dem großelterlichen Bauernhof. Dabei spazierte er in die Küche, wo ihm in einem Altkleiderkorb etwas ins Auge fiel: ein Paar gelber Latexküchenhandschuhe. Er streifte sie über und fühlte sich ein wenig benommen. Gleich, nachdem er ihre Macht gespürt hatte, lief er nach draußen und griff in einen Haufen Kuhmist. Das war ein seltsames Gefühl—Kuhmist zwischen den Fingern durchzuquetschen und sicher zu sein, davon nicht berührt zu werden. Mit diesen Handschuhen, so wurde Willi klar, könnte er bei allerlei Verbotenem ungeschoren davonkommen. Er berührte giftige Pflanzen und beißende Ameisen, tauchte seinen Arm in den Bach und fischte blutsaugende Egel heraus. Im Rausch seiner neu entdeckten Macht steckte er sogar einen latexumhüllten Finger in den After eines unglückseligen Rindviehs. Das war absolut sensationell. Als er ein paar Jahre später mit dem Masturbieren begann, trug er dabei selbstverständlich Handschuhe. Wie jedem guten Schweizer Jungen war auch ihm eingetrichtert worden, dass Masturbation schlecht sei. Aber mit den Handschuhen war das etwas anderes; es war OK. Er fühlte sich geschützt. Die Handschuhe wurden zu seinem magischen Talisman, der ihn vor der Strafe Gottes bewahren würde. Nach und nach stellte er zu seinem Erstaunen fest, dass Handschuhe und Kleidungsstücke aus anderen Materialien wie etwa Leder oder Vinyl nicht denselben Reiz ausübten. Latex war sein Ding, und es war klar, dass Willi ein Fetischist war. Damals konnte er noch nicht ahnen, dass er sein schändliches Geheimnis Jahrzehnte später nutzbringend würde einsetzen können, um in einem paradiesischen Winkel des brasilianischen Regenwaldes eine lukrative Fantasy- und Fetisch-Wear-Firma zu gründen. Willi war auf keinen Fall der Erste, der von der Macht des Latex ergriffen wurde, dieses milchig weißen Saftes, der aus den angeritzten Stämmen der Kautschukbäume fließt. Während der industriellen Revolution war Kautschuk eine so wichtige Ressource wie heute das Öl. Wie Öl war er der Auslöser unglaublicher Exploration, Ausbeutung und Gewalt im Dienste der Kolonialmächte. Kautschuksammlern, die ihre Quoten in König Leopolds Kongo-Freistaat nicht erfüllten, wurden die Hände abgeschlagen. Um die reichhaltigen Kautschukvorkommen in Amazonien zu nutzen, trieben süd­amerikanische Finanziers die Ureinwohner als Seringueiros in die Vertragsknechtschaft. Die in Armut lebenden Arbeiter wurden gezwungen, turmhohe Amazonasbäume hinaufzu­klettern, um den Saft zu sammeln. In Das Kapital bemerkte Karl Marx, das Kapitalisten im Grunde Fetischisten seien und mystische Kräfte verehren, die die Arbeiter den von ihnen produzierten Gütern verleihen (was sich für mich nach Prada anhört). Vor dem Latex mussten Fetischisten sich mit dem begnügen, was da war—Pelz, Seide und eng geschnürte Korsetts. Und zwar bis 1823. Damals braute der schottische Chemiker Charles Mackintosh den gummierten Stoff zusammen, der künftigen BDSM-Fantasien den Weg bereitete. Obwohl seine Mackintosh-Mäntel übel rochen, klebten und an heißen Tagen manchmal auch schmolzen, waren sie doch äußerst beliebt. Valerie Steele, Autorin von Fetisch: Mode, Sex & Macht, bezeichnete Englands Mackintosh Society als eine der ersten Fetischisten-Organisationen der Moderne. Bei ihren Recherchen war sie auf London Life gestoßen, ein Fetischmagazin von 1920, das „den Thrill des Maccing“ beschrieb. Heute kann man einen feschen Mackintosh-Regenmantel für 800 Dollar bei J. Crew kaufen. Als Willi noch ein geiler Teenager war, schaute er einmal zufällig in eine Mülltonne und fand ein Pornoheft voll mit Fotos von Frauen in Latex. Damals wurde ihm klar, dass er nicht allein war; es gab noch andere Menschen auf der Welt, die wie er von dem Material besessen waren. Willi fing an, mehr Informationen über seine seltsame Vorliebe zu suchen. Er las Bücher wie Ritual und Fetisch in fortgeschrittenen Industriegesellschaften, um mehr über Fetischismus zu erfahren. Dessen etymologischer Ursprung ist das Wort „feitiço“—Portugiesisch für von Afrikanern verehrte Gegenstände, die, wie diese glaubten, von Geistern verzaubert oder bewohnt waren. Bei Fetischisten steigern Kleidungsstücke das Lieblingsmaterial vom reinen Rohstoff zum Objekt hypersexualisierter Verehrung. Fetische und sexuelle Identität bleiben persönliche Mysterien; einzelne Muster lassen sich zwar leicht erkennen, doch gibt es keine geradlinige, historisch nachvollziehbare Entwicklung. Nach dem Zweiten Weltkrieg verliebten sich Fetischisten in Schutzausrüstung wie Gasmasken. Manche Fetischisten tragen Latex, um sich sicher zu fühlen oder gefährlich oder beides. Andere lieben einfach nur das einengende Gefühl dieser glänzenden zweiten Haut. Anfang der 1970er führten Punkdesigner wie Vivienne Westwood den Fetischismus in die Modewelt ein. Die Warhol-Muse Dianne Brill trat in weiß gefranstem Latex auf und wurde vom People_-Magazin zur „First Citizen of Manhattan Nightlife“ gekürt. Zehn Jahre später wurde die Schriftstellerin Candace Bushnell für _Vogue in Latexroben gekleidet, was ihr drei Dates, einen Heiratsantrag und ein Treffen mit einem TV-Produzenten einbrachte. (Zwei Jahre später lief ihre HBO-Serie Sex and the City an.) Lady Gaga trug bei ihrem Treffen mit Königin Elizabeth Latex. Anne Hathaway meinte, sie werde nie mehr dieselbe sein, nachdem sie als Catwoman ihr Latex -Kostüm in The Dark Knight Rises trug. Sie vertraute Allure an: „Das Kostüm, die Gedanken an mein Kostüm … Es beherrschte mich ein ganzes Jahr lang.“

Latex tropft auf einer Plantage in Pernambuco, Brasilien, in ein Sammeleimerchen. Kurz zuvor hat ein Kautschuksammler mit der Spitze seines Messers die Rinde aufgeritzt; das rote Zeug ist eine Chemikalie, die den Baum heilen lässt.

Willi setzte seine Selbstfindungsreise die ganzen 1970er hindurch fort. Auf der Suche nach sich selbst bereiste er Indien und San Francisco. Schließlich führte ihn seine Reise nach Brasilien. Er fand dort den Ort, von dem er bisher nur geträumt hatte: einen Hügel über dem kleinen Küstendorf Japaratinga, im Schatten von Kokospalmen und direkt am Strand. In den Kokosnüssen und dem Rohrzucker der verarmten Region sah er kaum wirtschaftliches Potenzial, aber es gab dort noch eine andere Ressource—Kautschuk. Punkmode war total in, und Willis Fetisch schien gar nicht mehr so abartig zu sein. Er schaute sich im brasilianischen Dschungel um und sah auf den Bäumen Geld wachsen. Das war die Geburtsstunde von Fetisso Latex. Heute stellt das Unternehmen 50 verschiedene Artikel handgefertigter Latex-Fetisch-Wear her und exportiert seine Produkte in Sexshops nach Europa, Nordamerika, Japan und Australien. Fetisso stellt für seine treue Kundschaft Bekleidung her, die irgendwo zwischen billigem Latex zum Einmalgebrauch und von Aficionados begehrten Couture-Kreationen angesiedelt ist. Obgleich Fetischisten nicht unbedingt umweltbewusst sind, sollte man erwähnen, dass die Kautschukbäume in Brasilien der Bodenflora und -fauna wertvollen Schatten spenden sowie schädliche Treibhausgase aus der Atmosphäre filtern.

René an seinem Schreibtisch

Was Fetisch angeht hat Fetisso in Sachen Latex sowohl Kennern als auch Einsteigern etwas zu bieten. Für die Einwohner Japaratingas jedoch bedeutet das Unternehmen Fetisso eine Chance, eine Alternative zu den Zuckerrohrfeldern und -raffinerien. Die Stadt ist ein recht bescheidenes Örtchen, wo Kirchen, ein paar Kneipen und Gemischtwarenläden schon zu den auffälligen Einrichtungen zählen. Ich hatte vermutet, dass lokale Prediger vielleicht mit dem ausländischen Abnormitätenpalast auf dem Hügel hadern würden, doch die Einwohner schienen mit Fetisso überwiegend zufrieden zu sein. Eine lokale Zeitung hat in diesem Jahr einen Artikel veröffentlicht, der das Unternehmen als das einzige seiner Art in Brasilien rühmte. Der Großteil von Fetissos Kunden befindet sich in Europa, aber der Absatz in den USA steigt langsam an. Pornostar Paris Kennedy entdeckte Fetisso vor zwei Jahren, als sie auf einer Fetisch-Convention ein Paar Leggings anprobierte. Jetzt gehören sie zu ihren Lieblingslatexstücken. Sie kann sie ohne Gleitmittel überstreifen—offenbar unüblich bei Kleidungsstücken, die wie eine zweite Haut anliegen—und sie passen wie angegossen. „Wenn man Latex trägt, wird alles fest und straff“, vertraute Paris mir an. „Du wirst zum Super-Du. Deshalb ist er bei Dominas wohl so beliebt. Du fühlst dich wirklich mächtig.“ Diese Erfahrung hatte ich nicht gemacht, als ich zum ersten Mal Latexbekleidung anprobierte. Obwohl ich überrascht war, wie leicht sie sich anziehen ließ, fühlte ich mich wie eine Riesenwurst in einer viel zu kleinen Pelle. Ich wollte dem speziellen Reiz des Latex auf den Grund gehen und folgte ihm bis zu seinem Ursprung. Japaratinga befindet sich in einem abgelegenen Winkel in Brasiliens nordöstlichem Bundesstaat Alagoas; ganz schön schwer zu erreichen. Es brauchte drei Flugzeuge, vier Stunden Autofahrt, eine Fähre und ein kurzes Intermezzo mit der Militärpolizei, um dorthin zu gelangen. Mein Weg führte mich vorbei an Eselskarren, Bergen getrockneter Kokosnussschalen, vielen kleinen, stuckverzierten Dörfern, Mangos verkaufenden Kindern sowie alten Frauen, die mir mit den Worten „Vai embora sempre“ („Fahr weiter, immer weiter“) den Weg wiesen, hinein in wogende Täler leuchtend grüner Zuckerrohrfelder. Nach ein paar Stunden ebnete sich die Straße in Richtung Ozean, und ich fuhr in eine scharfe Kurve. Das Auto rumpelte in einen Wald hinauf, in dem es auf einmal dunkel wurde, als sich über mir ein Bambustunnel auftürmte. Ich hielt an einem großen Holztor, öffnete es mit vorsichtigem Schwung und näherte mich einem Gebäude. „Oi?“, rief ich leise und folgte dem Weg unter einer überdachten Veranda, die sich am Rand des Dschungels entlangschlängelte. „Alo?“, Fritz, Fetissos Vertriebsleiter, erhob sich von einem Campingtisch voller Papiere. Barfuß und breitschultrig, in langen grauen Shorts und einem T-Shirt mit der Aufschrift „Vibrations“ sah er aus wie ein netter, alter Surfer. Er führte mich einen gepflegten Dschungelpfad hinauf, an Baumhäusern, Göttinnen- sowie Drachenstatuen vorbei zu einem flachen Bungalow am Rande eines Hügels. Ein Mann mit bloßem Oberkörper und krausem Bart trat aus einem der eindrucksvollen Vordereingänge des Bungalows: Willi. Er schien ein wenig überrascht, mich zu sehen—vielleicht bekommt man bei Fetisso nur selten Besuch. Er und Fritz murmelten etwas, wohl auf Deutsch, und dann brachte Willi mich in meine Unterkunft: eine Suite mit hellem Boden, die aussah wie Whitesnakes Liebesnest. Von außen glich es einer kleinen, steinernen Festung oder einem Kerker und roch leicht nach Chemikalien. Drinnen begrüßte mich ein stämmiger Mann mit bloßem Oberkörper, Vokuhila und über seinen Jeansshorts hängendem Bauch. René brachte mich nach oben in sein Büro. Auf dem Regal über seinem Schreibtisch stand ein steinerner Penis, ein Briefbeschwerer. René sprach schnell, grinste dabei wie ein verrückter Wissenschaftler und erklärte, er habe viele Jahre mit dem Studium der Anatomie zugebracht, damit Fetissos Fetischprodukte wie eine zweite Haut anliegen. Nachts träume er von geliebten Menschen, die seine Kleidung tragen. Nach dem Aufwachen zeichne er seine Entwürfe und fertige Formen an, die in Latex getaucht werden. Trotz seiner offenkundigen Begeisterung war René eigentlich kein richtiger Latexfan, bevor er bei Fetisso landete. Aber er liebe den Lifestyle, den er sich dadurch leisten könne. „Das hält uns jung“, meinte er. „Wir sind schon eine verrückte Truppe. Ich fühle mich wie 15. Das ist hier der Deal: frei zu sein. Ich tue, was ich will. Eines Tages sterbe ich ja sowieso. Also arbeite ich heute mit Latex.“ In Renés Atelier hingen lebensgroße, flache graue Torsi mit modellierten Penissen an einem Ständer in der Ecke. Ein gruselig anmutender, anatomisch korrekter Arm baumelte von der Decke. René stellt die Formen meistens aus Holz und Ton her, aber bei „intimen Körperteilen wie Penis, Füße, Hände, Brüste oder Po“, benutzt er handmodelliertes Fiberglas für das Latextauchverfahren. Kondome werden auf dieselbe Art hergestellt, aber Renés Formen verleihen Fetissos Kleidungsstücken einen eher kunsthandwerklichen, weniger industriellen Touch—selbst wenn es sich um Kautschuk-Tanktops mit Löchern für die Brustwarzen handelt, Radlerhosen mit Penisausbuchtung und Masken im Scharfrichter-Stil. Ich erblickte einen über seinen Arbeitstisch gebeugten korpulenten Brasilianer, Tecio „Junior“ Machado da Silva, der Gips über den Schenkel einer XL-Jumpsuiteform strich. Fetisso ist als Pseudo-Genossenschaft organisiert, und ich erfuhr, dass Junior ein Partner ist, der an Geschäftstreffen teilnimmt und am Ende des Jahres einen Anteil des Gewinns erhält. Er arbeitet seit 14 Jahren hier, und seine Frau Monica ist ebenfalls hier angestellt. Später traf ich Jose „Nissinho“ Edmilson, den Geschäftsführer des Unternehmens, der mir den weiteren Produktionsprozess zeigte. Wir begannen im Tauchraum. Ein kleiner Raum, in dem Formen, die an die Vorderbeine eines Pferdes erinnerten, kopfüber über einem Behälter voll milchig flüssigem Latex hingen (diese Handschuhe mit Hufen statt Händen entsprechen den Bedürfnissen jener, die sich gerne reiten lassen). Ich strich mit dem Finger über die Unterseite eines Hufs.

Frisch getauchte Schaftstiefel mit abtropfendem Latex

Der Latex fühlte sich an wie eine Mischung aus dickflüssiger Farbe und Gummiklebstoff. Nissinho erzählte mir, das Tauchen sei eine der beliebtesten Arbeiten im Werk, mal abgesehen vom Ammoniakgeruch. Doch gemäß der egalitären Ausrichtung des Werks arbeiten alle nach einem Rotationsprinzip, und niemand arbeitet jeden Tag im Tauchraum. Von dort gingen wir in den Verstärkungsraum. Ein Mann verspritzte mit einer Sprühpistole flüssigen Latex, um die Ränder und den Schritt der vorgetauchten Shorts mit den Penisausbuchtungen zu verstärken. Als sie trocken waren, wendete ein anderer Arbeiter die Shorts in einer Tonne weißen Pulvers, damit sie sich leichter von der Form lösen ließen. Danach werden sie in einem Ofen gehärtet und mit Chemikalien gespült, sodass sie ohne Gleitmittel tragbar sind. Die Frauen bei Fetisso schienen alle oben in der Endfertigung zu arbeiten, ein luftiger Raum, in dem die Geburtstage der Angestellten auf einem Plakat notiert waren. Sie schwatzten und lachten, während sie schwarze Latex-Slips nachschnitten und der Unterwäsche mit Silikonspray Glanz verliehen. Monica Maria, Juniors Frau, faltete die pornografischen Verpackungen für Fetissos Produkte. Die Schachtel, die sie gerade in der Hand hielt, zeigte eine nackte Frau, die ihre Brüste mit einem schwarz behandschuhten Arm bedeckte. Ich fragte Monica, ob sie schon einmal eines der Produkte, die sie mitherstellte, getragen habe. Sie erzählte mir, sie besitze die Shorts und den Tanga und trage sie hin und wieder. Ich fragte sie, ob die Stücke ihr ein Gefühl von Macht und Kontrolle verleihen. „Eigentlich nicht“, entgegnete sie. Nissinho berichtete, er habe mal ein Shirt für den Karneval anprobiert, aber es sei zu heiß und schwitzig gewesen. Ich fragte ihn, was ihn an seiner Arbeit am meisten gefalle. „Dass ich bezahlt werde“, sagte er. Ich fürchte, nicht alle in Willis und Fritz’ Unternehmen teilen die Begeisterung für Latex. Am folgenden Tag besuchte ich eine brasilianische Kautschukplantage. Ein Seringueiro, der den Kautschuk noch auf dieselbe Weise sammelte wie vor Jahrhunderten, lieh mir sein Messer und zeigte mir, wie man einen Baum anritzt. Während ich zusah, wie der milchige Saft am offenen, hellen Stamm des Baums herunterlief, hatte ich das Gefühl, dass etwas dran sein musste, dass Latex irgendwie von Natur aus mit sexueller Macht verbunden war und Fetisso das vielleicht erkannt hatte. Willi hatte seinen heimlichen Fetisch zur Verwirklichung seiner Träume genutzt. Er hat sich mit 54 zur Ruhe gesetzt, umgeben von Freunden und den Objekten seines sexuellen Verlangens; den brasilianischen Strand und die luftigen Baumhäuser nicht zu vergessen. Unnötig zu erwähnen, dass ich immer noch nach etwas suche, das diesem Latextraum entspricht—etwas, das mich genauso erfüllt und begeistert.

Renés Präzisionswerkzeuge und Fetissos Katalog (Schaut, wie die Socken glänzen!)

Zurück in New York City schaute ich ein paar Wochen später nicht ganz zufällig bei Gothic Renaissance vorbei, einem Fantasy-Laden in der Nähe des Union Square. Die hell erleuchtete Boutique war vollgestopft mit neonfarbenen Korsetts, Dornen gespicktem Leder und einem Sammelsurium von Plateaustiefeln. „Ich interessiere mich für Latex“, erklärte ich der üppigen Verkäuferin. Sie runzelte die Stirn. „Was genau suchst du?“ Das hörte sich an wie eine Fangfrage, doch sie erklärte, dass viele, die nach Latex fragen, eigentlich Vinyl meinen—das weniger teure, mit Stoff gefütterte und besser laufende Lateximitat. Ich sagte ihr, ich suche echtes Latex. „Du solltest wissen, worauf du dich da einlässt“, vertraute sie mir an. „Es ist dicker, glänzender und sexueller als Vinyl.“ „Es dauert vielleicht etwas, bis es sich deinem Körper anpasst“, meinte sie. „Aber wenn du es erst einmal raus hast, dann hat es sich wirklich gelohnt.“ An den Haken unter der Kasse hingen Fetissos kleine schwarze Schachteln: Handschuhe für Männer und Frauen, ein asymmetrisches Kleid, Leggings und ein Top. Ich fragte, welches Produkt am beliebtesten sei. „Die Handschuhe“, sagte sie. „Die Leute lieben die Handschuhe.“

Nicht benutzte Formen

Fritz zwischen den Dschungelranken

Verstärken der Belastungszonen der Shorts mit der Latex-Sprühpistole

Willi in seinem Patio (die Tafel dient dem Deutsch- und Matheunterricht der Arbeiterkinder)