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Die AfD will verhindern, dass linke Bands weiter auf dem Dockville Festival auftreten

Die AfD findet es scheiße, dass das Dockville „linksextremen“ Bands wie Feine Sahne Fischfilet eine Plattform bietet.

von Sascha Ehlert
09 September 2015, 11:55am

„Sommer für Kunst und Musik für Extremisten?“, so der erste Satz einer kürzlich gestellten Kleinen Anfrage an die Hamburger Kulturbehörde. Antragssteller sind vier Abgeordnete der AfD, die sich offenbar daran stören, dass Feine Sahne Fischfilet, Slime und Die Goldenen Zitronen in den letzten Jahren auf dem Dockville Festival aufgetreten sind. „Hier wurde eine rote Linie überschritten“, schreiben die Abgeordneten Ehlebracht, Baumann, Flocken und Wolf weiter.

Welche rote Linie gemeint ist? Es geht um die linkspolitische Ausrichtung der drei Bands. Die AfD bezeichnet alle drei in seiner kleinen Anfrage als „linksextrem“. Eine kleine Anfrage meint im parlamentarischen Kontext eine kurz gehaltene Fragestellung, die ein Parlamentarier an die Exekutive richtet—und der AfD geht es um die Partnerschaft der Kulturbehörde mit dem Dockville.

Für Enno Isermann, den Pressesprecher von Kulturbehörde und Elbphilarmonie, wird da aus einer Mücke ein Elefant gemacht: „Viel brauche ich dazu gar nicht sagen“, sagt er am Telefon. „Wir leben nun mal in einem Land, das nichts von Staatskunst hält—egal aus welchem politischen Spektrum sie stammt. Wir unterstützen das Festival mit 100.000 EUR im Jahr und das war's.“ Mit dem Programm des Dockville hat man nichts zu tun, man gehe schlicht davon aus, dass sich alle, die auf dem Festival auftreten, an geltende Gesetze halten. Damit ist die Sache für die Kulturbehörde erledigt.

Will heißen: Ob eine Band politisch im linken oder rechten Spektrum zu verorten ist, ist der Kulturbehörde und dem Hamburger Senat erstmal egal. Das Dockville hingegen positioniert sich bereits auf seiner Website offensiv gegen Rassismus und Intoleranz, wie auch die AfD weiß. In der kleinen Anfrage heißt es: „Auf dem Gelände des MS Dockville Festival werden rassistische, sexistische, homophobe und andere Belästigungen sofort geahndet und enden mit einem Verweis vom Festivalgelände. Verbotene Symbole in jeglicher Form, Propagandamaterial sowie rechtsextremistische Musik sind strengstens untersagt.“ Klingt nachvollziehbar, aber die AfD hat damit scheinbar ein Problem: „Gelten diese Bestimmungen beziehungsweise Richtlinien sinngemäß auch für den Linksextremismus?“, fragen die Abgeordneten im Bewusstsein dessen, dass zumindest das Festival da tatsächlich einen Unterschied macht. Allerdings: Anders, als von der AfD offenbar vermutet, ist dies das gute Recht des Dockville.

Zum Glück, muss man sagen, sind große Teile der deutschen Kulturfördermittel eben nicht daran gebunden, dass die Geförderten mit ihrer Arbeit keine politische Agenda verfolgen und keine Kritik an staatlichen Institutionen äußern. Dass den Goldies, Slime und Feine Sahne allesamt eine politische Nähe zum antifaschistischen Milieu nachgesagt werden kann, bedeutet noch lange nicht, dass sie als Künstler nicht die gleiche Behandlung durch staatliche Institutionen verdient wie eine inhaltlich harmlose Popsängerin.

Die Initiative der Hamburger AfD wird also höchstwahrscheinlich für keinen der Beteiligten Folgen haben und Monchi darf auch auf dem nächsten Dockville davon singen, wie Bullenhelme durch die Luft segeln (auch wenn er das vermutlich nicht mal vorhat). Um die Booking-Freiheit unserer Festivals müssen wir uns wohl zum Glück keine Sorgen machen, vor allem nicht dann, wenn sie den Großteil ihrer finanziellen Mittel außerstaatlich aquirieren (100.000 EUR dürften für ein Festival wie das Dockville nur ein Tropfen auf dem heißen Stein sein).

Allerdings müssten wir im Umkehrschluss genauso akzeptieren, wenn ein durch Kulturfonds gefördertes Festival Frei.Wild auftreten lassen würde.

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