Premieres

P.Tah & Con: Fête Blanches crashen und den Praterdome abreißen

P.Tah & Con geben nie Ruhe.
1.7.16

Alle Fotos von Alexander Gotter

Wir sind P.Tah & Con sehr dankbar. Denn hierzulande macht niemand die Musik, die sie machen. Vor allem 2016 sind sie nicht zu stoppen und droppen zusammen und auch mit anderen Projekten einen Tune nach dem anderen. Nicht umsonst heißt ihre neue EP Rastlos, denn seit über zehn Jahren rappen sie wortgewandt und mit ausgestorbenem Vokabular zum Clubsound des United Kingdom. Rastlos. Weil wir ihre Musik für besonders wichtig halten, haben wir auch mit P.Tah, Con und ihrem Stammproduzenten C'manche ein Interview geführt. Und ja, wir verlangen nach noch mehr wortgewaltigen Grime, Dubstep und UK Bass. Die EP gibt es unten zum Vorhören.

Noisey: Wieso heißt die EP Rastlos? Seid ihr die unermüdlichen Botschafter eures Sounds hierzulande?
Con: Die grundsätzliche Idee ist dabei entstanden, dass ich in eine WG im dritten Bezirk gezogen bin, wo ich direkt mit den Fenstern zur S-Bahn-Linie mein Zimmer hatte. Es gab ein Zeitfenster zwischen 0:30 Uhr und 4:00 Uhr in dem, wenn man Glück hatte, kein Güterzug vorbeigekrächzt ist. Dadurch ist eine gewisse Rastlosigkeit entstanden. Dann habe ich die wache Zeit in der Nacht genutzt, um Texte zu schreiben oder rauszugehen. Rastlos steht für mich aber auch dafür, dass man mit einer gewissen Rastlosigkeit im positiven Kontext dran bleibt mit der Musik. Mein Leben wäre nicht vollständig, wenn ich das nicht machen würde. Ich finde es auch gut, in einem gewissen Tempo zu sein. Wien neigt dazu, ein bisschen lethargisch zu sein. Wenn man an der S-Bahn wohnt, merkt man aber vielleicht stärker, dass auch Wien eine nie schlafende Stadt ist.
P.Tah: Bei mir ist es das ständige Sound machen, arbeiten, fortgehen. Es ist ein stetiges Veröffentlichen bei mir. Jedes Jahr ein oder zwei Releases beziehungsweise exklusive Tracks müssen schon sein.

Gibt es einen lyrischen Faden?
P.Tah: Einen roten Faden gibt es insgesamt eigentlich nicht. Es ist keine Konzept-EP. Die Instrumentals haben aus meiner Sicht sicherlich einen Schwerpunkt, auf denen wir nach Gefühl die Raps schreiben. Es ist vor allem Live-Musik. Es kickt dann, wenn du hautnah davor stehst, den Rap und den Bass hörst.
Con: Es gibt aber schon Zusammenhänge. Diese haben sich aber sehr natürlich ergeben. Das Urbane und die Nacht spielen eine große Rolle. Das Cover passt schon zu dem, was die EP zu bieten hat. Auch wenn es im ersten Moment rhythmisch interessanter ist, fließt viel Feinarbeit in die Lyrics. Ich bin der Überzeugung, dass ich ohne den Support meiner Mutter und ohne Rap niemals studiert hätte. Ich bin in eine Hauptschule gegangen, bei mir war das damals nie die Perspektive, weil ich so Probleme mit der Schule gehabt habe. Ich habe mich für Rap interessiert und in den verschiedensten Themenbereichen recherchiert, um Worte und Reime zu finden. Ich habe in Rap-Texten Begriffe gefunden, wo ich nachschauen musste, was diese eigentlich bedeuten. Das ist ein Teil meiner Sozialisierung.

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Zur Zeit gibt es relativ viel Medienecho für eure Produktionen. Selbst von Falk Schacht gab es Shoutouts für euch.
P.Tah: Ich denke, es läuft gerade ganz gut mit der medialen Wahrnehmung, wenn man es in Relation zu anderen Releases von uns setzt. Wenn man gewillt ist, bestimmte Dinge zu tun, in Promo zu investieren, Leute anzuschreiben, dann kommt schon auch was zurück.
Con: Wenn man 1.000 Stunden reinsteckt und dann ein kleiner Tropfen rauskommt, kann man zufrieden sein und diese kleinen Früchte ernten. Es hat mit viel Arbeit zu tun, neben dem eigentlichen Produzieren von Musik. Dass das immer aufgeht und immer was zu ernten ist, würde ich nicht sagen.

Wie ist es einer der wenigen Vertreter des UK-Clubsounds in Österreich zu sein?
P.Tah: Uns geht es da um die Verbindung. Ich glaube, es ist schwer einen HipHop-Hörer, der deutschen Rap gewöhnt ist, auf diese Schiene zu führen. Andererseits ist es auch schwer einem eingefleischten Dubstep- oder UK Bass-Head zu erzählen, dass wir über dubige oder grimey Instrumentals deutschen Rap machen. Als wir 2011 Spring herausgebracht haben, hat es etwas derartiges davor nicht gegeben. Es war bis vor kurzem auch nicht so klar, dass Grime so viel Gehör findet.
Con: Ich glaube, die Leute könnten ein bisschn mehr zusammenarbeiten. Ich bin immer für Synergien. Eine passende Analogie ist vielleicht: Ich war in Plattenläden in London, wo unter der Kategorie Bass verschiedenes wie Grime und Dubstep zusammengefasst waren. Wenn also die Szene in Wien die verschiedenen Facetten von Bass gleichzeitig feiern würde, dann gäbe es vielleicht eine vielfältigere Masse, die sich gegenseitig supporten könnte.

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Macht ihr Wien endlich zur Grime-Stadt?
P.Tah: Ich würde uns schon als Impulsgeber sehen. Ich rappe schon seit 2007 auf Dub- und Grime-Instrumentals, als ich noch mit Hörspielcrew unterwegs war. Ich sehe es auch als innovativ an, was wir damals gemacht haben. Vor zehn Jahren war HipHop schon eher festgefahren und meist Sample-basiert. Das hat sich mittlerweile sehr ausgeweitet in allen möglichen musikalischen Enden. Von Wave bis Cloud, ich feiere es, dass so viele unterschiedliche Stile von HipHop heutzutage präsent sind.

Früher war die Dubstep-Szene sehr lebendig hier. Wie ist das jetzt aus eurer Sicht?
C'manche: Ich habe damals angefangen, Partys im Zoo zu promoten und 2. Floors in der Arena oder im WUK zu hosten. Da war es relativ überschaubar und klein. Dann ist der große Dubstep-Hype gekommen. Es hat sich stark kommerzialisiert und die Szene hat sich gespalten. Da gab es einen Peak, wo es jeder gemacht hat. Seit zwei Jahren ist das vorbei. Jetzt gründet sich alles wieder neu. Der von Amerika rüber schwappende Brostep-Hype ist implodiert. Dubstep ist wieder gesund und es gibt eine kleine, vitale Szene in den Städten. In Wien ist es zur Zeit nur Bass Trace, die diesen Sound regelmäßig machen. Das Süppchen ist aber am köcheln.
P.Tah: Für mich waren die Bounce- und Dubstep.at-Partys in Wien wunderschön, weil es einfach genau den Zeitgeist damals getroffen hat. 2007 oder 2008 war es einfach herrlich Skream, DJ Chef oder Benga zu sehen.

Über Österreich beschwert man sich generell oft, was Musik betrifft. Was hält Musiker eurer Meinung nach hier?
P.Tah: Meine Freunde sind hier und die Leute, mit denen ich Sound mache. Es liegt immer an einem selbst, wie sehr man sich kompromisslos hingibt und wie fokussiert man eine Sache macht. Ich habe bewusst entschieden, nicht alles auf die Musik zu setzen. Aber Wien ist eine geile Stadt, das muss ich auch immer wieder herausstreichen. Auch wenn manchmal der deepe Bass, der deepe Dub oder Grime nicht immer funktionieren, gibt es doch so viel anderes Zeug, das gut funktioniert und gut gemacht wird.
C'manche: Wien ist groß genug, dass man in einem kleinen Rahmen auch etwas bewegen kann. Zum Local Hero kann man es schon schaffen.
Con: Die Frage, ob du Musik hier nur des Geldes wegen machst, stellt sich nicht. Man muss hier nach über zehn Jahren jedenfalls nicht mehr beweisen, dass man mit dem Herzen dabei ist.

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