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Interviews

„Ich will gar nicht der Beste sein, ich bin lieber eine Bedrohung“—Denzel Curry im Interview

Ein Gespräch mit Denzel Curry, einem der „hardest rappers out right now“.
1.3.16

Denzel Curry aka Aquarius’Killa aka Raven Miyagi aka Denny Cascade ist ein Ausnahmetalent, welches trotz der unübersichtlichen Internet-Underground-Rapszene noch seinesgleichen sucht. Das XXL Mag nennt ihn einen der „hardest rappers out right now“–und wer ihn noch nicht kennt, hat die letzten fünf Jahre auf jeden Fall Einiges verpasst. Das Ex-Raider Klan Mitglied ist zwar erst frische 21 Jahre jung, hat aber spätestens 2013 mit seinem Überhit „Threatz“ begonnen, eine kulthafte Fangemeinschaft um sich zu sammeln, die durch mittlerweile fünf Releases kontinuierlich wächst. Seine neue Single „Knotty Head” vom bald erscheinenden zweiten Albums Imperial wurde binnen nur einer Woche 315.000 Mal gehört, ohne Video und ohne Werbung. Davon, dass die Zukunft des Jungen ziemlich vielversprechend aussieht, kann man bei diesem Hype schon ausgehen. Der Carol City Native rappt mit einer Kraft eines Super Saiyajin auf Acid und weiß trotzdem, sich nicht dem leangetränkten Atlanta Rap, düsterem Lo-fi Trap oder halb-conscious, halb-shroomed-out HipHop zu verschreiben. Stattdessen schafft Curry mit jedem Release eine neue Welt, in die es sich einzutauchen lohnt. Seine Konzerte sind energiegeladene Ausnahmeevents und das erklärt auch, weshalb Amsterdam, London, Berlin und Hamburg bei seiner soeben abgeschlossenen Tour direkt ausverkauft waren.

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Noisey: Gibt es für dich einen qualitativen Unterschied zwischen Touren in den Staaten und hier in Europa?
Denzel Curry: Ich habe so oder so Spaß am Touren, ob jetzt hier oder in den Staaten. Aber es ist einfach ein anderes Gefühl, zu wissen und zu merken, dass Menschen außerhalb der USA meine Musik feiern. Das bedeutet schon etwas, wenn ich sehe, wo ich herkomme. Deshalb will ich auch, dass die Leute, die zu meinen Konzerten kommen, etwas Unvergessliches erleben. Die sollen es später der nächsten Generation erzählen: „Damals, zu meiner Zeit, bin ich zu einer Denzel Curry-Show gegangen und es war die geilste Erfahrung!“

Ich merk schon, du achtest sehr auf die Gestaltung deiner Live-Shows. Das habe ich auch in einem Videoblog von deiner Tour mit Deniro Farrar gesehen…
Shout-out an Deniro, Shout-out an DJ Trap, Shout-out an Blue, Shout-out an Miko, Shout-out an das #cultrap.

Da habt ihr darüber gesprochen, dass ihr mit euren Live-Shows auf „God-Level“ kommen wollt, aber zumindest damals noch nicht so weit wart. Wie siehst du das jetzt? Was bedeutet God-Level für dich?
Ehrlich gesagt, ich fühle mich so oder so auf dem God-Level, weil ich eine Seele habe und deine Seele ein Stück Gott ist, weißt du. Er gibt dir eine Seele und die musst du nutzen, ausschöpfen. Was die Shows angeht, ist das Wichtigste, dass die Energie immer da ist. Und mit jedem Jahr wachse ich, achte drauf, dass die Lyrics on point sind, die Aussprache on point ist, sodass du hörst, was ich sage. Die Leute sollen sich mit meiner Kunst identifizieren können, denn Kunst, Kreativität und Schöpfung ist alles, was wir haben. Letztlich, wenn wir sterben, ist die Kunst, die du gemacht hast das Einzige was bleibt. Die Turntness der Shows besteht also aus der Energie und der Message. Und das rüberzubringen ist meine Mission.

Apropos Message: Gestern war der Geburtstag von Huey P. Newton (Mitgründer der Black Panther Party) und ich habe gesehen, dass du bei Twitter geschrieben hast, dass er eine der größten Inspirationen für dein Leben und deine Musik gewesen sei. Was bedeuten die Panthers für dich und deine Musik?
Die Panthers bedeuten mir viel, man. Weißt du, die haben sich zu einer Zeit zusammengefunden und sind für Dinge eingetreten, die sich sonst niemand getraut hat. Während Rassisten und das ganze System uns Schwarze wie Hunde und Bürger zweiter Klasse behandelt haben, gab es endlich jemanden der meinte, „Look, fuck this shit!“. Wir müssen zurückschlagen! Das hat uns einfach viel Stolz gegeben. Meine Identität heute als Schwarzer Mann in Amerika, der Fakt, dass ich stolz bin—das ist stark von den Black Panthers beeinflusst. Weißt du, die Leute verstehen nicht, dass Black Pride nicht rassistisch ist, dass es überhaupt nicht anti-weiß ist. Die Leute denken auch, die Black Panthers seien rassistisch gewesen, aber deren Mission war es ja nicht Weiße zu töten, sondern für die eigenen Rechte einzustehen, sich zu organisieren, sich zu bilden, und alle wissen zu lassen, dass eine richtige und gute Bildung dich im Leben weiterbringt. Die Leute wollen nicht, dass wir gebildet sind, dass wir was zu sagen haben, dass wir überhaupt irgendwas haben. Wir sollen nichts haben und nutzlos sein und das kotzt mich an.

Wie siehst du in diesem Zusammenhang deine Mission?
ULT ist meine Form eines Movements, wie die Black Panthers. Und es ist eigentlich nicht einmal ein Movement, denn auch die Panthers waren kein Movement, sondern eine Mentalität! Diese Mentalität hat Dekaden lang gehalten, sodass ich mit 21 Jahren noch davon inspiriert bin. Eine Mentalität bleibt, ein Movement—wie der Name schon sagt—bewegt sich und geht demnach auch wieder. Macht viel Sinn, oder?

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Schon, aber Bewegung ist ja per se nichts Schlechtes. Du willst ja auch keine festgefahrene Mentalität haben, die immer gleich bleibt.
Ja stimmt, aber die Mentalität entwickelt sich ja auch. Movements jedoch sind beschränkt, sie sind für eine Zeit relevant und dann fragst du dich, wo ist das Movement jetzt? Eine Mentalität wird immer da sein. Ich will den Samen einpflanzen und ihn wachsen lassen.

Und was macht den ULT-Samen aus?
Im Endeffekt steht es für alles, was du sein willst, egal was das sein sollte. Ob Anwalt, Arzt, Tierarzt, Assasin, Präsident oder was auch immer, solang du alles gibst. Go hard. Das macht dich ULT, das macht dich ultimativ. Ich gebe alles bei dem, was ich tue. Ich weiß aber, dass ich noch mehr geben kann, es gibt da noch Raum für Verbesserungen, was alles angeht: Meine Alben, meine Shows, meine Kunst, meine Projektionen und für andere Sachen. Aber ULT definiert sich so, dass man sich diesem Prozess der Weiterentwicklung hingibt und stets alles daran setzt, besser zu werden, bis man die finale Form erreicht hat. Denn „Ultimate“ [Anm.: wie auch seine letzte Single] bedeutet letzte, finale Form. Ich bin zwar noch nicht ultimativ, aber das ist auf jeden Fall das Ziel.

Kann man denn jemals eine finale Form erreichen, wenn man sich immer weiterentwickelt?
Ja, und wenn ich sie erreicht habe muss ich aufhören. Denn viele Leute, die ihre finale Form erreicht haben, konnten nicht aufhören. Und das ist der Punkt, wo Leute sich von ihnen zurückziehen und sich nicht mehr mit ihnen assoziieren oder anschließen. „You gotta know when to quit“, wann deine Zeit vorbei ist. Wie Nas schon sagte, das Rapgame ist wie das Crackgame. Du musst wissen, wann es Zeit ist, aufzuhören. Outkast wussten, wann sie aufzuhören hatten, und deshalb ist ihre Musik zeitlos und ewig. Tupac ist mit 25 gestorben, aber seine Musik ist zeitlos und so lebt er weiter.

Vor ein paar Tagen kam deine neue Single „Knotty Head“ raus, während du aber gerade auf Tour bist. Wie balancierst du Tourleben, Privatleben und das Produzieren der Musik?
Tourleben und das Leben zu Hause sind getrennt. Weißt du, das hier ist mein Job. Ich muss mich drum kümmern, dass alles läuft, damit ich essen kann. Du musst organisiert sein. Früher habe ich das nicht so gut verstanden, ich hatte keine Geduld und wollte, dass immer alles direkt jetzt passiert. Aber Planung, Organisation und Geduld sind der Schlüssel zum Erfolg, und wenn du das richtig machst, ist es auch kraftvoller. Ich will gar nicht der Beste sein, ich bin lieber eine Bedrohung.

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Was meinst du damit?
Ich bin lieber eine Bedrohung, damit alle härter arbeiten müssen. Und andersrum. Leute, die für mich eine Bedrohung darstellen motivieren mich wiederum, besser zu sein. Jeder kann eine Bedrohung darstellen, jeder ist potenziell fähig mich zu übertreffen.

Gönn dir die Beats von Denzil am Donnerstag, 07. Dezember 2017 im Exil Zürich. Tickets bekommst du hier.

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