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Wenn „Du bist ein Fuchs“ aus dem Mund eines Rappers zur Beamtenbeleidigung wird

Die 187 Strassenbande wurde wegen Beamten-Beleidigung angezeigt. Ein Ausflug in die Linguistik.
4.3.15

Post by 187 Strassenbande.

Die Hamburger Rap-Combo 187 Strassenbande haben auf Facebook ein Foto einer Strafanzeige gepostet. Dem Tatvorwurf nach habe ein Mitglied der Bande einen Bundespolizeibeamten „in seinem Ehrgefühl verletzt“. Der Beamte wurde nämlich beleidigt. Und zwar aufs Übelste. Wir wissen leider nicht, was genau in das Bandenmitglied gefahren ist, dass er sich zu dem derben Ausspruch: „Du bist ein Fuchs“ hinreißen ließ, aber er muss echt sauer gewesen sein.

Wer sich emotional verletzt fühlt, wenn er „Fuchs“ genannt wird, hat wohl damals im behüteten Bettchen nicht genau aufgepasst, als unsere Eltern diese sonderbaren Fabeln mit all den Schafen, Wölfen und Füchsen erzählt haben. Wenn diese vermeintlich harmlose Bezeichnung wirklich als Beleidigung ausgelegt werden kann, wollen wir doch mal überprüfen, wofür genau denn „Fuchs“ so alles steht. Ein Ausflug in die Linguistik:

Foto via Flickr | Neil McIntosh | CC BY 2.0

- Laut einer Quelle des unendlichen Wissens aka Wikipedia ist ein Fuchs in der biologischen Bedeutung „ein Vertreter der Familie der Hunde“. Obwohl das Bild eines aggressiven, aus dem Maul-schäumenden Hundes stereotypisch für Tollwut steht, ist doch der Fuchs in europäischen Ländern Hauptüberträger dieser Virusinfektion. Kann natürlich sein, dass der Beleidigte übermäßig viel Schaum vorm Mund hatte. Dann wäre der Ausspruch schon ein wenig direkt.

- Als Fuchs wurde früher ein neues Mitglied einer Studentenverbindung bezeichnet. Heute würde man dazu wohl salopp „Ersti“ sagen. Aber auch Rekruten werden heute noch als „Füchse“ bezeichnet. In beiden Interpretationen zeichnen sich „Füchse“ also durch Unerfahrenheit aus. Vielleicht fühlte sich der betreffende Beamte also zu Unrecht als Frischling reduziert? Gut möglich, dass er schon seit ein paar Jahren im Dienst ist.

- Betrachtest du den Fuchs, der als Charakter in besagten Tierfabeln auftritt, entsteht ein völlig anderer Eindruck. Denn in diesen werden dem Fuchs oft Eigenschaften wie Schläue und Listigkeit zugesprochen. Allerdings nutze er diese oft zu seinem eigenen Vorteil. Hier ist ein Fuchs also mitnichten ein blauäugiger Naivling, sondern ein gerissener Typ, der sich aus jeder ungünstigen Lage mogelt. Das willst du einem Polizisten eigentlich nicht ins Gesicht sagen. Jedenfalls nicht laut.

- Im alltäglichen Sprachgebrauch wird im Gegensatz zu diesen tendenziell negativen Bedeutung ein etwas positiveres Bild vom Fuchs gezeichnet. Ein cleverer Mensch ist nicht ohne Grund „schlau wie ein Fuchs“ und sich intensiv in ein kompliziertes Thema hineinzuarbeiten wird deshalb treffend als „reinfuchsen“ bezeichnet.

- Selbst im Rap wird das Tier gerne herangezogen. So rappen die Orsons in dem wenig schmeichelhaften „Der Fuchs plant nichts Gutes“: „Betrachtet diesen Fuchs genau. Keiner ahnt, was dieser Fuchs plant. 'n Fuchsbau hat sich der Fuchs gebaut. Und jetzt guckt er raus, wartet auf seine Chance. 2-3 Morde, er killt heute eine ganze Horde.“ Auf der anderen Seite wird er von sehr viel mehr Rappern oft als Symbol für Intelligenz genutzt, so wie beispielsweise von Lass Unltd. in „Dumm“: „Schlauer Fuchs, IQ über 110“. Ob das der 187er gemeint hat, wissen wir nun natürlich nicht.

Was haben wir gelernt? Bundespolizisten werden wohl nicht gerne mit Tiernamen bezeichnet, aber im Endeffekt hat der Polizist eigentlich Glück gehabt. Zur Untermalung hier eine vollständige Liste der Beleidigungen, die von Rappern sonst so verwendet werden:

- Hurensohn

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