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Fotos

‚God Listens to Slayer‘—Ein Jahrzehnt Slayer-Fans

Sanna Charles hat seit über zehn Jahren unzählige Slayer-Shows besucht, um die Fans der Thrash Metal-Legende zu fotografieren.

von Jak Hutchcraft
13 April 2015, 7:00am

Normalerweise hat man nicht nur ein flüchtiges Interesse an Slayer. Für die Fans ist Slayer besser als die Musik, die du so hörst—das war schon immer so und wird auch immer so bleiben. Der Grund dafür ist ganz einfach: „Fick dich!“ Extreme Musik ruft eben auch extreme Reaktionen hervor.

Seit den 80er Jahren kann die Band auf eine treue Anhängerschaft zählen: Schulbänke werden auch heute noch mit dem Bandlogo verziert und dicke Männer ohne T-Shirts schreien auch weiterhin vor jedem Konzert aus vollem Halse „SLAAAAAAYER!" in die Luft. Natürlich haben die Musiker seit den Anfangstagen auch viele neue Fans hinzugewonnen, was wohl daran liegt, dass sie trotz 35 Jahren Bandgeschichte immer noch regelmäßig neue Alben veröffentlichen und unzählige Konzerte spielen.

Sanna Charles fotografiert jetzt schon seit über zehn Jahren Slayer-Fans. Alles begann im Jahr 2003 bei einem Festival und es ist noch lange kein Ende in Sicht. Jetzt hat sie alle diese Fotos zusammengesammelt und für ihr Buch God Listens to Slayer arrangiert, das demnächst von Ditto Press veröffentlicht wird. Diesen Umstand hielt ich für einen guten Anlass, um mich mit Sanna zu treffen und ein bisschen über ihre außergewöhnliche Leidenschaft zu reden.

VICE: Hi Sanna. Fangen wir doch mal bei Null an: Wie kamst du überhaupt zur Fotografie?
Sanna Charles:
Eine Londoner Punk-Band namens The Parkinsons war der Auslöser. Ich bin zu einem ihrer Konzerte gegangen und der Sänger kugelte die ganze Zeit nackt auf dem Boden herum und rastete total aus. Zwar hat dort auch ein Mädchen Fotos gemacht, aber sie hat sich gar nicht wirklich angestrengt und ich dachte mir nur: „Das kriege ich besser hin!" Also habe ich damit angefangen, die Band zu fotografieren. Schließlich fand die Musikzeitschrift Melody Maker einige meiner Bilder ganz gut und so geriet alles ins Rollen.

Wie kam es dann zu deinem Slayer-Projekt?
Ich habe schließlich für den New Musical Express gearbeitet und wurde 2002 zum Download Festival geschickt, wo ich Slayer fotografieren sollte. Die Show wurde um drei Stunden nach hinten verschoben, es herrschte eine drückende Hitze und die Band spielte dazu noch in einem kleineren Zelt anstatt auf der Außenbühne. Besagtes Zelt war zum Bersten voll und das Publikum wartete wirklich die ganzen drei Stunden lang. Diese ganze Vorfreude und der Auftritt ... das war einfach nur der Wahnsinn. Die anderen Fotografen verschwanden nach drei Liedern wieder aus dem Pressegraben, aber ich bin einfach dort geblieben, weil mich das Publikum so fasziniert hat.

Dieses Rauslassen der Wut und der Aggressionen von Seiten der Fans fühlte sich so befreiend an. Alle waren in diesem Zelt zusammengedrängt—fast so wie kleine Kätzchen in einer Zoohandlung, die ins Freie wollen. Danach habe ich geistesgegenwärtig noch drei Porträtfotos von gehenden Fans geschossen. Von den entwickelten Fotos haben mir diese drei Bilder dann auf Anhieb super gefallen.

Und da hast du dich auch dazu entschieden, Slayer um die Welt zu folgen?
Ja. Ich dachte mir: „Hey, ich habe doch eine Kreditkarte. Die sollte ich jetzt vielleicht mal benutzen und noch weitere Konzerte der Tour besuchen." Dann habe ich noch einen Freund mit einem Auto von der Sache überzeugt und wir sind zusammen durchs Vereinigte Königreich gefahren und haben bei Freunden übernachtet. Anschließend sagten wir uns: „Scheiß doch drauf, wir fahren jetzt auch noch nach Norwegen und Finnland!" Bezahlt habe ich alles mit der Kreditkarte. Das würde ich heute wohl nicht mehr machen, aber manchmal muss man im Leben einfach ein solches finanzielles Risiko eingehen.

Das Ganze hat mir richtig viel Spaß gemacht. Ich habe Slayer damals neunmal gesehen und in diesem Zug auch ein paar echt witzige Menschen kennengelernt. Ich habe dann einfach immer weiter fotografiert—hauptsächlich bei europäischen Festivals, denn dort kam ich zu mehr Fan-Bildern. Meiner Meinung nach sind Metal-Fans aus Europa auch ein bisschen anders als ihre amerikanischen Pendants. Keine Ahnung, woran das liegt.

Wie sind die europäischen Fans so drauf?
Ich habe mal einen estländischen Fan kennengelernt, der im Rollstuhl saß und beim Konzert trotzdem in der ersten Reihe anzutreffen war. Er hatte seinen Job wegen Slayer verloren. Sein Chef wollte ihm für das Konzert keinen Urlaub geben und dann hat er einfach alles hingeschmissen. Ich habe ihn gefragt, ob es denn schwer wäre, eine neue Arbeit zu finden, und er meinte: „Ja, sogar ziemlich unmöglich." Er war aber trotzdem einfach nur glücklich, Slayer live sehen zu können.

Haben sich die Fans im Laufe der letzten 15 Jahren irgendwie verändert?
Ja, ich glaube schon. Meiner Meinung nach ist vor allem bei den Metal-Festivals inzwischen ein anderes Publikum anwesend. Das Ganze ist jetzt viel zugänglicher—also nicht nur Slayer, sondern diese Art der Musik im Allgemeinen. Wenn überhaupt, dann ist die Szene noch größer geworden.

Vielen Dank, Sanna.

God Listens to Slayer kann auf der Website von Ditto Press vorbestellt werden.

Es folgen noch weitere Fotos aus dem Buch:

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