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Wie du dich als Band bei einem Konzert benehmen solltest

Egal, ob du ihn einer Metalband oder einem Violoncello-Trio bist – ein bisschen Benehmen wäre nett.

von Caro Sommer
18 Juni 2015, 8:30am

Foto via Flickr | Amanda Hatfield CC BY 2.0

Wir bei Noisey hatten ja schon den einen oder anderen Artikel, in dem wir vom Publikum akzeptables Benehmen eingefordert haben. Sei es im Bereich Smartphones, Geschmuse oder ganz allgemeines Benehmen. Heute sind die Bands selber dran. Egal, ob ihr als Band richtig durchstartet oder ewig auf den kleinen, dreckigen Bühnen in kleinen, dreckigen Lokalen spielt – ein gewisses Benehmen wäre eurem Publikum gegenüber nur fair. Natürlich, die Schmerzgrenze eines Metal-Fans ist wahrscheinlich etwas höher als die eines Violoncello-Trios, das sich noch ein Zniachtal (hässlich österreichisch für kleine, zierliche Person) dazugeholt hat, das eine Stimme hat, die seichter ist als der Neusiedler See. Welcher Kategorie ihr auch immer eher zugegezogen fühlt, diese Dinge solltet ihr als Band eher lassen.

Lasst euer Publikum nicht zu lange auf euch warten

Foto via Flickr | Michael Coghlan | CC BY-SA 2.0

Ja, eure Fans werden kaum aus gebrechlichen Menschen, die sich in der letzten Lebens-Sequenz befinden, bestehen und man sollte auch erwarten, dass sie es aushalten zu warten. Wenn euer Tourbus – sprich euer alter, roter Ford Fiesta – liegen bleibt, dann könnt ihr nichts dafür und jeder wird es verstehen. Wenn ihr aber noch ein bisschen chillen wollt oder die schlechte Luft eurer Vorband noch ein bisschen weiter ins Publikum ziehen lassen wollt, dann seid ihr Arschlöcher. Warten ist sowieso im Preis inbegriffen, das heißt aber nicht, dass ihr es herausfordern müsst.

Behandle deine Fans nicht wie Kleinkinder, die bei Kasperle sind

Foto via Flickr | Keoni Cabral | CC BY 2.0

Hey, das Publikum zu fragen, ob sie denn da sind, ist einmal die erste deppate Frage. Ihr könnt ja sehen, dass da Menschen in Fleisch und Blut stehen. Und wenn eh schon alle das zweite Mal euphorisch "YEAH!!!" rufen, dann sagt nicht, dass ihr sie nicht hört, nur um dann die Frage, ob sie da sind, noch einmal zu stellen. Das ist doch dumm und hat so einen Cluburlaub-Charakter.

Lügt uns nicht an

"VIENNA, YOU ARE THE BEST AUDIENCE WE EVER HAD!" ist in 99% der Fälle eine Lüge. Das ist logisch und ganz einfach zu erklären: Wien kann schon mal wegen der Veranlagung der Menschen niemals das beste Publikum sein. Für niemanden, niemals. Außer du findest emotionslose Fleischhüllen, die es immerhin schaffen, ihre Hände in einer Geschwindigkeit und mit einer Festigkeit aneinanderzuführen, dass sie ein Geräusch machen, großartiger als jedes andere Publkum.

Seid nicht so besoffen, dass ihr eine scheiß Show liefert

Wenn du "wasted on stage" bei Google eingibst, dann bekommst du 7.860.000 Ergebnisse. Wenn du dann auf Videos gehst sind es immer noch 815.000. Was sagt uns das? Es gibt genug Vollidioten, denen es schon vor dir und deiner Band eingefallen ist, durch fragwürdige Enhemmungen auf sich aufmerksam zu machen. Niemand zahlt Eintritt, nur um ein paar musizierenden Hanseln, die an in die Windeln scheißende Babys erinnern beim Alice´schen Nicht-Musik machen zuzuhören. Und wenn wir schon dabei sind: Bitte nehmt den Soundcheck ernst.

Habt eure Aggresivität unter Kontrolle

Foto via Flickr | Francois Bester | CC BY-ND 2.0

Ihr seid nicht Jimi Hendrix. Ihr müsst nicht so tun, als hättet ihr nicht ein Jahr auf eure Rickenbacker gespart und nun so wütend seid, dass ihr sie kaputt machen müsst. Lasst euch doch mal was Neues einfallen, als Mikro-Ständer umzuschmeißen oder eure Instrumente zu treten. Werft auch nichts ins Publikum – Bierflaschen zum Beispiel. Im Publikum könnten trockene Alkoholiker stehen. Haut auch eurem Gitarristen keine in die Fresse, nur weil er zum Spaß "Seven Nation Army" anstimmt (ein böser Blick und lebenslanger Liebesentzug reichen völlig aus). Es gibt einen schmalen Grat zwischen autoritärem grantig sein und unvermeidbar lächerlich sein.

Zugabe

Bitte, Bands da draußen. Es wird Zeit für eine Zugaben-Revolution. Wir wissen, dass ihr sie spielen werdet, wir wissen, dass ihr nur kurz euer Wasser oder Bier trinken wollt, um dann die zwei Hits zu spielen, wegen denen die meisten Leute überhaupt ein Ticket gekauft haben. Also, hier ist mein Vorschlag: Wie wäre es, wenn ihr einfach sagt, dass ihr eine kurze Pause macht und dass ihr in fünf Minuten wieder da seid? Dann bleibt es uns erspart, dass uns ein paar Wahnsinnige die immer gleichen Worte ins Ohr brüllen, nur um etwas zu erreichen, von dem alle wissen, dass es sowieso passiert.

Allgemeines

—Lass die Sonnenbrille stecken. Das ist so Liam Gallagher, was nur bedeuten kann, dass es nicht so ace ist.

—Es reicht, dass im Publikum alle lieber ihr Smartphone als ihre Hirnzellen anwerfen. Also, macht euch nicht die Mühe, ein Foto vom Publikum zu machen, nur um das Foto dann eh wieder zu löschen.

—Bei manchen Bands wäre ein bisschen Emotion echt nett.

—Seid ein bisschen kreativer mit der Ankündigung der nächsten Nummer. Nach zwei Konzerten werden die immer gleichen Ansagen langweilig und irgendwie erbärmlich. Wir sind ja nicht beim Kabarett.

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