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Wer ist die John Otti Band?

Eine kurze Geschichte der FPÖ-Hausband.
14 September 2015, 12:50pm

Am Wochenende feierte die FPÖ ein großes „Volksfest" im Alpendorf im Wiener Prater. Den Augenringen von Heinz-Christian Strache bei der heutigen Pressekonferenz nach zu urteilen, ist es ein bisschen später geworden. Natürlich kann ein Volk sein Fest nicht ohne Musik feiern. Deshalb hatten die Organisatoren der freiheitlichen Party einige Live-Hochkaräter wie die Paldauer gebucht. Mit von der Partie war aber auch eine Kapelle, die man seit Jahren mit Strache verbindet: Die John Otti Band.

John Otti ist keine Erfindung, es gibt ihn wirklich. Er heißt nur eigentlich Johannes. Johannes Otti ist Keyboarder, Kärntner und selbsternannter Musikdienstleister. Gemeinsam mit seinen Brüdern Werner (Gesang), Jörg (Drums) und Jürgen (Bass) Otti beschallt er seit mittlerweile 20 Jahren verschiedene Festl in Österreich, den angrenzenden Ländern und auch den USA, vor allem mit Covern von Songs, die man auch nach zwei Bier noch gut mitsingen kann. Beziehungsweise oft sogar besser. Das ist bekanntlich ziemlich lukrativ und überhaupt nicht problematisch. Viele Musiker verdienen ihr Geld damit. Und die stillschweigende Übereinkunft, es sei besser für 200 Euro mit seiner selbst geschriebenen, schlechten Musik aufzutreten als für 4000 Euro ein bisschen Robbie Williams zu spielen, gehört ohnehin hinterfragt.

Das Kontroverse an der John Otti Band sind also nicht ihre Auftritte in der Backhendlstation Längsee-Hochosterwitz. Und auch nicht ihr Hit „La Ola Ole“ („Das Leben ist crazy, La Ola Ole“). Sondern die Tatsache, dass sie Strache seit einigen Jahren zu seiner Hausband erkoren hat.

Die John Otti Band dient seit längerem als zuverlässiger Einheizer und Stimmungsmacher vor Auftritten des FPÖ-Chefs, wo sie Songs wie „Fürstenfeld“ oder „Wake Me Up“ spielt. Nun gibt es einige Bands, die schon mal für Parteien gespielt haben, ohne dass man ihnen zwingend ein Endorsement unterstellen muss. Es weht ein scharfer Wind im Kapitalismus, und in der Musikszene ein noch schärferer. Werner Otti ließ sich früher auch gerne mit eher unauffälligen Sätzen wie „Ich stehe dazu, dass wir für die FPÖ gespielt haben. Wir sind eben Dienstleister“ zitieren.

Das war aber insgesamt ein bisschen zu unauffällig, um wahr zu sein. Heute spielt die John Otti Band allein in den zehn Tagen vor der Wien-Wahl vier Mal auf FPÖ-Veranstaltungen in Wien. Im Jahr 2011, als Werner Otti an Die große Chance teilnahm, rief Strache per SMS-Aussendung dazu auf, ihn durch ein Voting zu unterstützen. Und ein Video aus dem Jahr 2008 zeigt Bandleader Johannes bei einem Wahlkampfauftritt, wie er den DJ Ötzi-Song „Ein Stern (der deinen Namen trägt)“ mit folgenden Worten einleitet: „In Österreich… Es ist schon so, dass die FPÖ österreichische Künstler engagiert, auch für den Wahlkampf. Und da freuen wir uns, und da ist auch die John Otti Band stolz drauf. Und jetzt, meine sehr verehrten Damen und Herren: Am Sonntag würden wir uns freuen, wenn der Stern aufgehen würde für die FPÖ. Und wir machen jetzt die Hände rauf. Alle die Hände rauf. Jetzt kommt bald unser HC!!!“

2013 fielen dann die letzten Hemmschwellen, als die Band die Wahlkampfhymne zur Nächstenliebe-Kampagne (gemeint waren bekanntlich „unsere Österreicher“) namens „Liebe ist der Weg“ komponierte. Der Schmalztiegel von einem Song (Textprobe: „Sein Herz schlägt Rot-Weiß-Rot, oh tut das gut/in dieser schweren Zeit macht er uns Mut (...) Er ist ein Teil von uns, er kann uns verstehen/gemeinsam werden wir in eine bessere Zukunft gehen“) brachte der Band und der FPÖ als Auftraggeber eine Klage der Universal Music Publishing GmbH ein, weil er doch ein bisschen zu sehr nach Snow Patrols „Run“ klang. Das Ganze endete mit einem Vergleich. Auch heuer wurde es nicht weniger pathetisch. Werner Otti leitet „Immer wieder Österreich—Bleib mei Heimat du mei Wien“ mit den Worten „Sing I dieses Lied, hab I Tränen in meim Gesicht/es san Tränen voller Stolz und ich schäm mich ihrer nicht“ ein. Das gibt Pluspunkte für den Genitiv, allerdings Abzüge für die unterlegten Bilder von Bergen und Frauen, die im Dirndl über Weizenfelder streifen. Da dürfte jemand länger nicht mehr in Wien gewesen sein.

Die John Otti Band mag ein Musikdienstleister sein. Aber sie ist in Wahlkampfzeiten vor allem Musikdienstleister für die FPÖ. Das ist nicht verboten. Aber man kann es trotzdem scheiße finden. Werner Otti gibt auf der Homepage der Band als Lebensmotto übrigens „Gedenke Mensch, dass du sterben mußt, auf das du klug werdest!“ an. Das ist realistisch, aber so pessimistisch möchte ich eigentlich nicht sein.

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