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Was ich durch die Simpsons über Musik gelernt habe

Ich kann schamlos zugeben, dass ich das erste Mal dank Homer Simpsons von den Smashing Pumpkins gehört hatte.
Emma Garland
London, GB
1.9.14

Als ich in die Mittelstufe kam, standen Coal Chamber an der Spitze der Charts, also war es schwierig unter dem Berg aus Leder und aggressivem Geflüster, aus dem Nu-Metal gemacht war, echte Musik zu finden. Ich habe ein gratis Kerrang!-Videoband nach dem anderen in den Müll geworfen und mich für Inspiration an ältere Jugendliche gewendet, dabei allerdings ganz vergessen, dass mir tatsächlich eine ganz andere, ungeahnte Quelle einige meiner Lieblingsbands näher gebracht hat—Die Simpsons.

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Nachdem ich die pickeligen Jahre der Pubertät hinter mir gelassen hatte, konnte ich schamlos zugeben, dass ich das erste Mal dank Homer Simpson von den Smashing Pumpkins gehört habe. Das ist jedoch nur Oberfläche des Wissensschatzes, der mir durch Matt Groenings Kombination aus musikalischem Interesse und dem Drang, wirklich alles zu parodieren, vermittelt wurde. Hier sind eine paar der wichtigsten Lektionen, die mir in einer Zeit vor dem Internet durch die dunkle Phase der Pubertät geholfen und zu einer Nirvana-Besessenheit geführt haben, die soweit ging, dass meine Mutter mich fast zur Therapie geschickt hätte.

Sadgasm haben meinen Blick auf Nirvana verändert

In den späten 90ern gab es eine Zeit, in der Nirvana zu veralbern mich mehr gekränkt hätte, als wenn mir jemand ins Gesicht geschissen hätte. Bei den Simpsons allerdings hat die Verballhornung dazu geführt, dass ich neu bewertet habe, wie ich die Musik, die mir gefällt, sehe und dass ich über die Bedeutung von Kurts Selbstmord nachgedacht habe, anstatt eine Reihe an Hassbriefen zu verfassen.

In einer Folge mit dem Titel „That 90s Show“ reanimiert Homer seine College-Band als Grunge-Truppe namens Sadgasm (was das Genre perfekt in einem Wort zusammenfasst), die sich auflöst, nachdem Homer sich mit einem mutmaßlichen Drogenproblem in seinem Haus verbarrikadiert hat. Die Hommage geht so weit, dass der Nachrichtensprecher, der die Auflösung von Sadgasm verkündet, Kurt Loader ist, der 1994 die Eilmeldung über Kurts Tod bei MTV verlesen hat. Die Nadeln, die in Homers Wohnung gefunden werden, stellen sich zwar als Insulin heraus, das er für den Diabetes braucht, den er von zu vielen Frappuccinos bekommen hat. Diese Folge hat die Nullbockgeneration aber besser zusammengefasst als irgendwelche stundenlangen Dokumentationen. Und die Sadgasm-Texte, die die Texte von Nirvana veralbert haben, hätten tatsächlich wirklich, wirklich gut zu Nirvana-Songs gepasst. Ich versuche gar nicht erst, euch vorzumachen, dass es nicht eine Zeit in meinem Leben gab, in der „Pain is brown/ Hate is white/ Love is black/ Stab the night/ Kingdom of numb/ Closet of dirt/ Feelings are dumb/ Kisses hurt“ von mir nicht mit totaler Ernsthaftigkeit aufgesogen, in ein Bücherregal geritzt und als MSN-Nickname verwendet worden wären.

Die Gegenkultur ist eine verdammte Lüge

„Homerpalooza“ hatte als Kind eine ziemliche Wirkung auf mich—und das nicht nur weil damit verglichen jedes Festival-Line-Up eine Enttäuschung ist (vielleicht würden die Bilanzen vom ATP besser aussehen, wenn sie die Smashing Pumpkins, Sonic Youth, Cypress Hill und Homer als Hologramm hätten). Vielleicht lag es daran, dass ich im Niemandsland von Wales aufgewachsen bin, aber als Zwölfjährige, die die Folge zum ersten Mal gesehen hat, hatte ich keine Ahnung wer zur Hölle diese Bands waren. Mittlerweile weiß ich, dass Billy Corgan ein freundlich gestimmter, normaler und netter Typ ist, der einfach gerne Männern mittleren Alters aus einer Identitätskrise hilft—seitlicher Blick in die Kamera—aber ich weiß auch, dass Musikfestivals ziemlicher Mist sind. Sicher, ich werde genauso wie jede andere mein T-Shirt an der Hüfte zusammenknoten und versuchen, mit diesen Pinkelhilfen fertig zu werden, aber ich weiß, dass das Gefühl von Freiheit, das dich auf Festivals überkommt, daher rührt, dass du fünf Tage lang in einem Zelt haust und in der Gegend rumrennen und „HAT IRGENDWER IRGENDWELCHE DROGEN“ schreien kannst, ohne festgenommen zu werden. Den Moment der Erkenntnis, den du hattest, als du bei deinem siebten Reading unter einem riesigen Banner von Relentless in einem Sonic Youth T-Shirt für 25 Euro saßt und einen Falafel für 8 Euro gegessen hast, hatte ich mit 13, als ich fern gesehen habe.

Berühmte Leute in Cartoon-Form können dir mehr beibringen als deine Eltern

Ob es nun Michael Jackson ist, der einen Patienten in einer Psychiatrie synchronisiert, der glaubt er sei Michael Jackson; Johnny Cash, der als Geistführer in Form eines Kojoten erscheint und Homer während seiner Chili-induzierten Halluzination besucht, um ihm zu raten seinen Seelenpartner zu finden; oder der fiktionale Zahnfleischbluter-Murphy, der Lisas Depressionen vertont, indem er auf dem Saxophon Blues spielt—jede Storyline bei den Simpsons beinhaltet die Art von Lektion, die nur durch das Fernsehen gelehrt werden kann. Wenn der gelbe Johnny Cash dir sagt, dass alles, was du brauchst, ein Seelenpartner ist und alles OK werden wird, dann denkst du dir auf einmal: „Naja, mein einziger, merkwürdiger Freund und ich sind total in Ordnung und ich höre einfach auf, meinen BH auszustopfen, denn wer braucht schon Jungs wenn es Musik gibt.“

Elitismus ist für Trottel

Wir leben in einer Welt, in der 50 Cent mit Stühlen beworfen wird, weil er auf dem Reading- & dem Leeds-Festival spielt und die Idee, dass Metallica Headliner beim Glastonbury sind, kritisch beäugt wird. Matt Groening ist da besser als du, er versteht, dass musikalischer Elitismus für Idioten ist und als er die Möglichkeit hatte, ein Album zu machen, dachte er sich, warum sollten die beiden Hauptsingles nicht „Do The Bartman“, das von Michael Jackson mitgeschrieben wurde, und „Deep, Deep Trouble“, bei dem die halbe Besetzung von Der Prinz von Bel Air dabei ist, sein. Das Ergebnis war das Album The Simpsons Sing The Blues, das in den 90ern Goldstatus erreicht hat und inhaltlich vielleicht das abwechslungsreichste Album des Jahrzehnts ist. Matt Groening hat dieses Mantra auch auf die echte Welt ausgeweitet. Er hat 2010 das All Tomorrow’s Parties kuratiert (bevor es pleite ging) und Spiritualized neben Iggy and the Stooges auftreten lassen. Warum auch nicht? Er hat eine Welt erschaffen, in der es für B.B. King und DJ Jazzy Jeff OK ist, zusammen in den Credits aufzutauchen, für die Ramones auf der Geburtstagsfeier deines Großvaters aufzutreten und für Mick Jagger ein Camp-Berater zu sein. Musik ist eine verbindende Kraft—sie sollte die Leute nicht trennen.

Jeder Idiot kann eine Band gründen

Hör auf, dich darüber zu beschweren, dass es in der heutigen Musikwelt nur noch twerkende Ärsche gibt und PC-Musik deine Vorstellung von Anstand ruiniert—wenn Homer Simpson ein Barbershop Quartet gründen kann, dann ist alles möglich.

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