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Reviews

Musikreviews der Woche mit Ufomammut und Ringo Deathstarr

Alles Fotzen außer Mutti. Und weitere Lebensweisheiten in unseren Reviews.
6.10.12

UFOMAMMUT
ORO: Opus Alter
Neurot Recordings

Worte wie Opus und Alter machen mir Angst, das vorangestellte Gold ändert wenig. Doch wie italienische Genre-Regisseure jederzeit bereit waren, die letzten Trümmer ihrer kargen Story für ein gutes Blutbild zu opfern, so verhält es sich auch mit diesen italienischen Alchemisten. Fünf Stücke ohne Pomp; ausufernd, spacig und schwer; ohne erkennbaren konzeptionellen Überbau. Eigentlich „nur” der zweite Teil der gesplitteten Oro-Veröffentlichung, für sich genommen ein Magnum Opus. Damit haben Ufomammut im 13. Lebensjahr endlich zu sich gefunden - und das gibt gleich einen Punkt Abzug für den esoterischen Unterton.

NAI HAI

RINGO DEATHSTARR
Mauve
Club AC 30

Eine Steilvorlage für die oft in schlechteren Fanzines, Mailorderlingo und auf Kumpel machenden Musikmagazinen anzutreffende Rezensionsform nach Cocktailprinzip. Also du weißt schon: „Man nehme ein Drittel x, vermenge es mit drei Fingerbreit y und garniere das Ganze mit einem spritzigen Schuss z.“ Solche Ausfälle hast du bei deinem Fachblatt für Stil und gewählten Ausdruck natürlich nicht zu befürchten. Andererseits weigere ich mich aber auch, mich mit dieser Rezension für den Pulitzer-Preis zu bewerben, wenn der Bandsound ohne seine wesentlichen Zutaten (My Bloody Valentine, TJAMC, Dinosaur Jr.) in etwa so viel Charakter hat wie ein Glas Leitungswasser.

BRIAN FLANAGAN

THE SOFT PACK
Strapped
Mexican Summer / Cooperative Music

Ich werde in irgendeine Pet-Shop-Boys-Hölle kommen für diesen Vergleich, aber: dieses Album klingt, als wäre Neil Tennant in eine New-Wave-Band (nicht: Post Punk!) gebeamt worden. In eine von denen, die man nicht wegen, sondern trotz des Saxophons mag. Die in den 80er Jahren ein Album voll schmissiger B-Seiten hätte rausbringen können, und alle hätten es großartig gefunden. Genaugenommen ist Strapped exakt ein solches Album geworden: eines, das kalifornisch klingt und erwachsen, aber eher „vintage“ als „retro“. Zielgruppe: Menschen, die gemeinsam etwas trinken gehen können, ohne sich dabei zu Tode feiern zu müssen. Also ganz genau wie wir alle, mittlerweile.

NERM BERCH

REBEKKA KARIJORD
We Become Ourselves
Sony Music

Im VICE-HQ der Hormon gerittenen Porndogs und Dirty Ole Men gilt die alte Tätowiererweisheit: Alles Fotzen außer Mutti. Entsprechend sind alle Antikörper in erhöhter Alarmbereitschaft, wenn uns eine Theater-, Film- und Ballet-Musik komponierende, im strikten Matriarchat aufgewachsene Norwegerin ein Lied vom „Gegensatz zwischen Maskulinität und Femininität” oder von der „Vergänglichkeit des menschlichen Körpers” und „der Ehrfurcht gebietenden Kraft der Natur” singen will. Schon der Gedanke daran erschüttert uns mit der Kraft einer Suffragetten-Armee. Aber so schlimm war es dann gar nicht, was genauer betrachtet noch schlimmer ist.

LARRY LAFFER