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Merzbow jagte meiner Freundin Angst ein und Wold hat meine Welt gerockt

Es fühlt sich an wie ein Flugzeugabsturz, laut, kalt, brutal. Aber es macht Spaß.
12.6.12

Photo by Louis Caldarola via Brooklyn Vegan

Man würde nicht erwarten, dass Fortress Crookedjaw, Frontmann der Noise/Black Metal Band Wold aus Saskatchewan, so verdammt hübsch ist. Je länger ich ihn anschaue, desto mehr sehe ich, dass er aussieht wie eine eingefallenen Version von Edward Norton–wenn Edward Norton langes, sinnliches schwarzes Haar hätte. Zufälligerweise drehte sich meine Freundin in der Sekunde, als ich das gerade dachte, um und sagte „Der Typ sieht aus wie Bruce Willis.“ Es ist also ziemlich eindeutig: Fortress Crookedjaw könnte mehr machen als nur Dämonen heraufzubeschwören, indem er seine Stimme in den Wäldern Kanadas malträtiert. Aber ich persönlich bin froh, dass er das nicht tut.

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L.O.T.M.P., der 2005er Release von Wold, ist die einzige Black Metal Platte, die ich je richtig gehört habe; sie ist unglaublich musikalisch, kreativ und brutal wie Sau. Deswegen war ich mehr als nur ein bisschen aufgeregt, als ich las, dass sie zusammen mit Merzbow ein Steinwurf von meinem Badezimmerfenster entfernt im St.Vitus in Greenpoint spielen werden.

Ich entschied mich also dazu meine Freundin mitzunehmen, was eine behinderte Idee war. Sie war überraschenderweise…äh ja…sofort abgeturnt. Fortress Crookedjaw begann die Show, indem er mit seinen blauen Augen in die Ferne starrte, so als würde er sein Tai Chi ziemlich ernst nehmen, seine Hände für eine ungewöhnlich lange Zeit in Position vor seinem Bauch. Bevor er überhaupt eine Chance hatte seinen Mund zu öffnen um zu singen, bekam ich schon eine SMS, in der stand „Ich stehe hinten.“

Die gesamte Show hatte etwas von David Blaine, was irgendwie seltsam cool war. Mein Freund Andy und ich versuchten den Typen zu sehen, als er sich vor ein paar Jahren selber im Pool erdrosselte, aber wir kamen nicht rein. Das war nicht ganz so beeindruckend, aber es kam nah dran. Fortress schien als würde er genau so viel Zeit damit verbringen seine Bewegungen auszurichten wie er mit dem Singen verbrachte. Manchmal Tai Chi, manchmal formte er seine Hände auch zu einem herunter zeigenden Pfeil, so als würde er seine imaginäre böse Furze aus dem Bauch vertreiben wollen, während er ein Center Shock Kindergesicht machte. Ein anderes Mal machte er eine Eieruhr kaputt (das war echt schwer zu durchblicken) und überprüfte sie in regelmäßigen Abständen mit einem ernsthaft besorgten Blick, während Opex damit weitermachte das Schlagzeug brutalst anzugehen. Also im Großen und Ganzen rockt Wold. Sie klangen wie die minimalistischen Cabaret Voltaire mit Black Metal Vocals, was–in meinen Ohren–gar nicht mal so übel ist.

Nach einer kurzen Unterbrechung übernahm Merzbow die Bühne und steckte sofort seine selbstgemachte Gitarrenbox ein, wodurch der gesamten Club mit einer Rückkopplung explodierte. Meine Freundin rückte gleich noch ein Stück weiter nach hinten und ich ein Stück weiter nach vorne.

Misami Akita a.k.a. Merzbow hat schon mit einigen Leuten zusammengespielt, aber erst letztens spielte er zusammen mit einem Schlagzeuger. Mein Freund Greg Fox war zu Besuch, total stoned und dicht, und sagte, dass Merzbow gerade mit Oxbow in Florida spielte, was (unnötig das zu erwähnen) unglaublich war. Deswegen hoffte ich, dass diese Kollaboration ähnlich interessant wird. Greg ist einer meiner wenigen Freunde, der wie ich nicht denkt, dass Oxbow unglaublich nervig ist, was auch ein Grund dafür ist, warum ich Greg mag.

Das erste was mir auffiel war, dass der Schlagzeuger ein Onxy T-Shirt trug, was wahrscheinlich, wie ich bemerkte als ich da stand, den Auftritt beobachtete und über das Leben grübelte, die beste kleidertechnische Entscheidung war die man nur machen konnte, wenn man mit Merzbow spielte. Hut ab!

Obwohl mein Enthusiasmus während der Show hoch und runter ging, waren die Momente, wo er gerade oben war in etwa so: die Augen schließen und das Wort GOTT immer und immer wieder in Flammen geschrieben auf einer riesigen schwarzen Tafel sehen, abwechselnd mit dem Gedanken in der windigen klappernden Schale eines explodierten Flugzeugs durch den Himmel auf eine gnadenlose Erde zu fallen–und es zu mögen.

@amendunes