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„Wir fingen an, uns gegenseitig wahnsinnig zu machen.“

Wir haben Bloc Party getroffen und mit ihnen über ihr Album ,Four‘ gesprochen.
29.11.12

Bloc Party (v. l. n. r,): Matt Tong, Gordon Moakes, Kele Okereke und Russell Lissack (Foto: Katrin Ingwersen)

Wir sind ja nun schon fast am Ende des Jahres angekommen und da resümiert man gerne einmal die musikalischen Highlights des Jahres. Eine der größten Überraschungen war sicherlich Four, das fast schon nicht mehr für möglich gehaltene vierte Album von Bloc Party. Nachdem es nach ihrem letzten Album Intimacy sichtliche Spannungen in der Band gab und Trennungsgerüchte nicht verstummen wollten, machten die Briten erst einmal eine kreative Schaffenspause. Sänger Kele widmete sich seinem eher durchschnittlichen, elektronischen Soloalbum und auch die anderen tobten sich in anderen Projekten aus. Dass sie mit Four nun eine klassische Rockplatte mit harten Gitarrenriffs präsentieren würden, damit hätte wohl keiner gerechnet. Doch bei Bloc Party weiß man nie, was als nächstes kommt. Wir haben uns deswegen mit Gitarrist Russell getroffen, um über den Prozess der Annäherung, harten Gitarrensound und Trennungsgerüchte zu sprechen.

Noisey: Nach eurem letzten Album habt ihr eine Pause auf unbestimmte Zeit eingelegt. Wie lief danach der Prozess des Näherkommens ab? Hat sich jemand aus der Band gemeldet und hat vorgeschlagen wieder Musik zu machen?
Russell: Wir waren an Weihnachten vor zwei Jahren in London bei mir Zuhause und haben darüber geredet, ob wir wieder eine Platte machen wollten. Ich weiß nicht, wer es als erster vorgeschlagen hat, es ist einfach aufgekommen, weil wir für eines der wenigen Male wieder alle zusammen waren — wir leben ja alle in verschiedenen Ländern.

Kele hat gesagt, dass er Four nicht hätte machen können, wenn er sich nicht vorher als Solokünstler probiert hätte. Musstet ihr euch erst mal alleine austoben?
Ja, so war es. Wir waren fünf Jahre auf Tour und dementsprechend alle sehr ausgelaugt. Und wir fingen an, uns gegenseitig wahnsinnig zu machen. Jeder brauchte mal Zeit für sich selbst. Wir sind sehr unterschiedliche Charaktere und es war gut, dass jeder mal das machen konnte, was er wollte.

Was habt ihr aus euren Soloprojekten für einen Einfluss in die Band gebracht?
Ich habe zum Beispiel in anderen Bands gespielt, wodurch ich wieder meine Freude am Gitarrespielen entdeckt habe. Ich war zwar nicht gelangweilt davon, aber ich habe nichts Neues mehr am Gitarrespielen entdeckt. In den anderen Bands haben mir Leute gezeigt, dass es immer noch Dinge zu lernen gibt. Wir sind mit mehr Selbstbewusstsein an die Sache herangegangen und konnten besser miteinander kommunizieren. Ich schätze, wir sind einfach älter geworden.

Euer Album Four hört sich im Vergleich zu alten Platten ziemlich rauh und radikal an. Wie seid ihr zu dieser Entscheidung gekommen, ein so gitarrenlastiges Album zu machen?
Das war eine der ersten Sachen, über die wir sprachen, als wir uns wiedertrafen: Wenn wir wieder eine Platte machen wollen, wie soll sie dann klingen? Unser letztes Album Intimacy hatte ja viele elektronische Elemente. Die meiste Zeit haben wir die Platte nicht zusammen gemacht. Es war eher so, dass ein oder zwei Leute am Computer saßen und am Sound arbeiteten. Oftmals hat es sich nicht so angefühlt, als ob eine Band da eine Platte macht. Dieses Mal war es uns sehr wichtig, dass alle mit dabei sind und wir zu viert in einem Raum Musik machen. Daraus entstand ein ganz natürlicher Sound, der sich um die Gitarre herum entwickelt hat.

Hattet ihr euch, was elektronische Musik angeht, schon genug ausgelebt?
Ich schätze schon. Ich war immer ein großer Fan von elektronischer Musik und habe auch viel in der Zeit ohne Bloc Party damit rumexperimentiert. Zwar kann ich mit dem Computer umgehen, aber mein Hauptaugenmerk liegt nun mal auf der Gitarre. Ich glaube, wir hatten einfach mehr Leidenschaft für etwas, dass man auch live besser spielen kann. Mit dieser Platte konnten wir die Energie besser festhalten, die wir zu diesem Zeitpunkt gespürt haben.

Anfangs war Bloc Party die Band, die sich nie auf ein Genre zwängen ließ. Nun scheint ihr euch auf Gitarrenmusik festlegt zu haben. War das Absicht?
Es war nie eine bewusste Entscheidung. Ich glaube auch nicht, dass man die Platte in eine bestimmte Kategorie sezten kann. Jeder Song ist eine Überraschung.

Seit dem Album sind nun ein paar Monate vergangen. Wie haben die Fans es aufgenommen?
Unsere Fans wissen, glaube ich, dass wir immer etwas Neues probieren wollen. Wir werden keine Platte rausbringen mit zehn gleichen Songs, es wird immer etwas anderes von uns geben. Und die, die von Anfang an dabei sind, haben sich daran gewöhnt.

Hattet ihr bei der Platte nicht viel Druck nach vier Jahren Abstinenz?
Wir hatten von der Labelseite eigentlich nie Druck und auch unsere Fans sind, glaube ich, sehr treu. Der einzige Druck, den wir hatten, war der, den wir uns selber aufgelegt hatten.

Ich frage mich oft, ob Künstler, wenn sie eine Platte machen, darüber nachdenken, wie die Leute sie aufnehmen werden.
Beim Musikschreiben machen wir das nicht. Wir denken auch nicht darüber nach, ob etwas catchy genug ist, wenn wir einen Song machen. Erst wenn die Platte abgegeben ist, überlegen wir, wie die Leute sie finden werden, und welche Singles wir zum Beispiel aussuchen werden.

Sind also die Trennungsgerüchte nach der neuen Platte komplett vom Tisch?
Ich kann natürlich nichts versprechen, aber im Moment läuft alles sehr gut und wir sind sehr glücklich, zusammen Musik zu machen.

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