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FlowinImmO—,Geschlossene Gesellschaft‘

Irgendwann muss auch mal gut sein.
27.5.14

FlowinImmO
Geschlossene Gesellschaft
iMMONOPOL

Prinzipiell würde es schon völlig reichen, die ersten drei Stücke des neuen ImmO-Albums durchzuhören und auf Grundlage dessen eine Liebes- oder Hassentscheidung zu fällen. „Geschlossene Gesellschaft“: mit Sprechgesang durchsetzter Punkrock. „Miteinander“: HipHop, wie man ihn auch Ende der Neunziger in Stuttgart produziert hätte. „Liebe Leute“: mit Streicherkitsch durchzogener Funk und Pop. Es ist ein so zerrissenes Album, das letztlich nur durch ImmOs rauchige Stimme, ein hier und da gerrrrrrolltes ‚R‘, die „Die da oben, wir hier unten“-Haltung und sein Ego zusammengehalten wird—Letzteres scheint immerhin vierzehn Meter groß. Tatsächlich muss man aber das vorletzte Stück—„Nebelschwaden“—hören um zu verstehen, woran es FlowinImmO so krankt: Geschmacksverirrungen unter der Flagge künstlerischen Neustarts und / oder Narrenfreiheit. Da gniedeln die Geigen und klimpert das Klavier, verliert sich ImmO im Refrain so sehr im Pathos, dass es stilistisch auch auf ein Santiano-Album passen würde. Furcht-bar! Das Schlimmste ist aber natürlich nicht—wie es in „Finsternis“ heißt—, dass es Schlimmeres gibt, sondern entweder—wie schon die Kassierer sangen—wenn das Bier alle ist; oder eben ein Stück wie „Pinke Pinke“. Darin moniert ImmO den Kapitalismus, verblödet sich dann aber nicht zu texten: „Es gibt Stolpern, es gibt Steine / es gibt Freunde, es gibt Feinde / es gibt Faire, es gibt Dreiste / Jedem das Seine, doch mir das Meiste.“ Knall-auf-Fall-texten schön und gut, aber hier kann man nur kopfschüttelnd eine Bildungsreise nach Weimar empfehlen. Irgendwann“, sagt ImmO selbst am Ende des Albums, „muss doch auch mal gut sein.“ Genau meine Rede.

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