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Features

Chance The Rapper und James Blake: Die Sitcom

Chance the Rapper und James Blake leben seit Neuestem zusammen, sind wir die einzigen, die sich eine Real-Life-Fernsehserie aus ihrem Wohnzimmer wünschen?

von Josie Turnbull
21 Januar 2014, 12:15pm

Es gibt diesen Moment, er dauert meistens nicht länger als 10 Sekunden, wenn du abends von der Arbeit nach Hause kommst und vorhast, endlich das Focault-Buch zu lesen, das du in der Uni nicht ganz verstanden hast oder das Tarkovsky-Boxset zu schauen, um diesen desinteressierten Filmstudenten, den du immer an der Supermarktkasse triffst, zu beeindrucken. Dann machst du den Fernseher an und all diese Absichten werden von den Wiederholungen alter Comedy-Serien verdrängt.

Das einzige Problem ist, dass diese Sitcoms ziemlich mies sind. Du kannst dich zwischen der dämlichen Frauenfeindlichkeit von How I Met Your Mother und Two And A Half Men oder dem noch schlimmeren und kläglichen Pseudo-Feminismus der Girls-Möchtegerns Some Girls und Drifters entscheiden.

Als ich also mitbekommen habe, dass Chance The Rapper und James Blake wahrscheinlich zusammen in ein Haus in LA gezogen sind, um mehr Kollaborationen wie das reizende „Life Round Here“ machen zu können, war das für mich die perfekte Gelegenheit, mir eine Sitcom auszudenken, die die Comedy-Abteilungen der Kabelsender wiederbeleben wird. Sie porträtiert die Freundschaft eines Schwarzen und eines Weißen, wie man sie nicht gesehen hat, seit New Girl gemerkt hat, dass sie einen schwarzen Protagonisten brauchen. Für den 20-jährigen Chance ist dieser Umzug gleichzeitig auch der Auszug aus seinem Elternhaus. Was auch bedeutet, dass das Haus wahrscheinlich übersät ist mit Chipstüten, vollgewichsten Socken und alten Packungen von Fertigessen und damit definitiv etwas, was man zu einer Fernsehserie machen sollte.

Hier ist ein Entwurf für alle vorausschauenden TV-Produzenten. Glücklicherweise habe ich bereits mehrere Drehbücher geschrieben.

FOLGE 1

Als Chance in der vierten Klasse war, hat seine Mutter seine „dreckige“ CD von Kanye Wests The College Dropout in den Müll geworfen und ihn keine Gummibärchen essen lassen, weil zu viel Chemie drin ist. In seiner Freude über die neugewonnene Freiheit, verbringt er jetzt die ersten Stunden im neuen Haus damit, im Kreis zu rennen und sich unanständige Songs, wie den „Thong Song“ oder dieses Blink182-Lied mit den ganzen Schimpfwörtern, anzuhören.

Das geht James wiederrum total gegen den Strich, weil er gerade dabei ist, seine Warpaint-Freundin mit einer persönlichen Lesung von Emily Dickinsons „A Burdock-Clawed My Gown“ zu verführen und Chance seine Performance durch das Mitsingen von unanständigen Textzeilen wie “she has dumps like a truck truck truck”, die er mit James’ RC 20XL loopt, zunichte macht. Diese Episode dient der Einführung der Charaktere und zeigt dem Chips fressenden Privatsender-Publikum, dass Chance und Jake zwar zwei ungleiche Seelen, aber beide auch Millionen Kilometer von zu Hause entfernt sind. Es gibt außerdem eine Einstellung, in der man beide in ihren Zimmern sieht, wie sie leise in ihre Kissen weinen. Chance umklammert dabei ein Bild von ihm und Childish Gambino in der Wildwasserbahn eines Freizeitparks und James ein ausgedrucktes Zertifikat von dem Mal, als er beim Online-Schach gegen RZA gewonnen hat.

FOLGE 2

Wie bei jeder Sitcom, die man im Internet streamen kann, nähern sich Chance und James Mitte der zweiten Episode zum ersten Mal an—nachdem Chance sich im Badezimmer eingesperrt hat und weint, da sein Blutzucker zu niedrig ist und er es nicht in die Top 5 der BBC Sound of 2014 Liste geschafft hat. James tröstet und tätschelt ihn und erinnert ihn daran, dass er auch nur Zweiter wurde—aber immerhin diese berühmte Frau vom Fernsehen im Aufzug getroffen hat.

Chance denkt, dass ein bisschen LSD ihn aufmuntert würde. Er weiß, dass James da nicht freiwillig mitmacht und sich auch nicht danach mit ihm sein „Magic Eye“-Buch anschauen und ein Bad mit ihm nehmen würde, also mischt er das Zeug stattdessen in sein spezielles Fondue mit frittiertem Käse und Mayonnaise-Dip. Eine halbe Stunde später, als die beiden gerade angefangen haben, Mercury Rev zu hören und auf einer von James EXTREM SELTENEN 1-800-Dinsosaur-Platten herumkritzeln, fällt James ein, dass an diesem Tag der Mercury Preis verliehen wird und sie nur noch 10 Minuten haben, um dort hinzufahren. Schnell aufs Tandem!

Bei der Verleihung machen die beiden eine regelrechte Szene. James reibt sich Speck auf seinen Bauch und steckt ihn in seinen Bauchnabel, um dem Schwein und seinen Vorfahren nahe zu sein. Falls du das Interview mit Newsnight nach seinem Sieg dort gesehen hast, hast du vielleicht den Eindruck gewonnen, dass er ein bisschen unverschämt ist, aber das war nur der Fall, da er das Gefühl hatte, dass der Interviewer Steve Smith sich nicht im Nabel des Chakras befand.

FOLGE 3

Chance lädt seine neuen Freunde Bieber und Twista ein, um mit ihnen auf der Wii Bowling zu spielen. Sie versuchen high zu werden, indem sie Muskatnuss schniefen und Bananenschalen rauchen, die sie in die Mikrowelle legen, wobei diese kaputt geht. Oh, oh! James sagt, dass er nicht sauer auf Chance sei, nur enttäuscht von ihm und stapft zurück in sein Zimmer. Er führt ein trauriges Skype-Gespräch mit seiner Freundin und sie improvisieren einen Song darüber, dass er sein „Sei-gut-zu-dir-Risotto“ jetzt nicht mehr aufwärmen kann, was in einem Remix von „A Thousand Miles“ von Vanessa Carlton mündet, da sie sich gegenseitig sehr vermissen. Offensichtlich fühlt sich Chance sehr schlecht wegen der ganzen Mikrowellen-Sache und lädt James dazu ein, beim Wii spielen und Muskatnuss schnüffeln mitzumachen. James muntert das für kurze Zeit auf, bevor er jedoch anfängt, sich daran zu stören, dass die Jungs andauernd „chillax“ sagen. Er erklärt ihnen, dass das ein sehr unüberlegtes Wort sei und fängt an, über eine Verschwörungstheorie zu dozieren, die besagt, dass das Spiel zwischen Spongebob und Plankton—bei dem Plankton das Rezept für den Krabbenburger klaut—in Wahrheit eine Allegorie auf die Musikpiraterie ist. Er schlägt vor, dass sie sich stattdessen Brian Enos „Bloom“-App ansehen. Wussten die Jungs schon, dass er mit Brian Eno zusammengearbeitet hat?

Sie beschließen, eine Einweihungsparty zu machen und da Chance in den USA offiziell noch nicht trinken darf, soll er sich um die Knabbersachen kümmern. Da er aber ein erwachsener Mann ist, sein eigenes Haus hat und schon öfter bei Bar Mitzvahs von Freunden betrunken war, versucht er mit James’ Ausweis im Schnapsladen einzukaufen. Aus irgendeinem Grund funktioniert das nicht und James muss ihn bei der Polizeiwache abholen. Am Ende der Folge sind sie wieder beste Freunde.

FOLGE 4

Vorausgesetzt, die Serie wird nach der dritten Episode nicht bereits abgesetzt, würde die vierte Folge beinhalten, dass James Blake ein intimes Konzert in einer Kapelle für die Mitglieder seines subreddit gibt. Der Sender hätte jedoch nicht das Budget, um die Serie tatsächlich in LA zu drehen, also ist LA in diesem Fall Loughton. Aufgrund der Akustik testet James beim Soundcheck jede einzelne Kirchenbank mit einer Stimmgabel, während Chance die ganze Zeit in der Mitra rumläuft und vorgibt, Papst Franziskus zu sein. James findet heraus, dass die Kapelle 92 Sekunden Ruhe zwischen jeder Strophe braucht, aber Chance ruiniert dies, indem er bei „Retrograde“ in einer besonders wichtigen Pause laut rülpst.

Als sie nach Hause kommen, sitzt James am Ende von Chances’ Rennwagenbett und sie reden über Chicago, die Heimatstadt von Chance. James vergleicht Chicago mit Enfield, der grünen Stadt in der er großgeworden ist, da dort mal jemand seinen Micro-Scooter geklaut hat. Er unterbricht Chances stürmisches Geplapper über die Chicagoer Juke-Szene, da es im Ellenborough Tischtennisclub von Enfield mal einen Ping-Pong-Schlag gab, der DJ Rashads Sound geprägt hat.

FOLGE 5

Nachdem ihnen klargeworden ist, dass sie zu viel Zeit zu Hause verbringen, beschließen sie das erste Mal zusammen auf eine Party zu gehen. Chance macht sich an Sky Ferreira ran und zunächst läuft alles gut; sie ist beeindruckt davon, dass er Praktikant bei Obama war und die beiden haben schon ein Date bei McDonalds ausgemacht. Chance schwärmt von Musik und darüber, dass man ihn den nächsten Kanye West nennt und alles läuft wunderbar. Er hat seinen Arm um sie gelegt, sie füttern sich mit Erdnussflips und haben eine richtig gute Zeit. Aber als James klar wird, wie weit die Beziehung der beiden schon vorangeschritten ist, wird er eifersüchtig und sabotiert die Zweisamkeit. Er setzt sich dazu und erzählt Sky davon, wie er bei Kanye zu Hause war und „Hühnchen mit Pommes gegessen hat“ und wusste sie eigentlich schon, dass er mit Brian Eno aufgenommen hat? Sie wusste es, aber trotzdem erzählt er mindestens vier weitere Male davon und davon, dass die Erfahrung mit Kanye sich wie die „Einberufung als Geschworener“ angefühlt hat. Sky wird klar, dass jeder der den Beweisen für Steuerhinterziehung zuzuhören damit vergleicht auf Kanyes Versace Sofa zu sitzen eine totale Spaßbremse sein muss und verlässt die Party. Dies verärgert Chance, der auch geht, was James zwar einerseits entgegenkommt, denn das bedeutet, dass er endlich mit Bon Iver übers Holzfällen sprechen kann und darüber, friedlich „Emotions“ von Destiny’s Child zu hören, ihn zugleich aber auch ärgert. Er wollte sich doch nur an Chance rächen, da er „Lauren LaFern“ auf seine Zimmerpflanze geschrieben hat und jetzt ist Chance verschwunden und nicht über Telefon, Email oder Snapchat zu erreichen. Der ideale Cliffhanger für eine Staffelpause.

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