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Interviews

Ich musste das Interview mit Rick Ross beenden, da er nicht mit schwierigen Fragen umgehen kann

Ist Rick Ross ein Schwindler? Ist Rap-Journalismus im Arsch? Wie auch immer, Rick Ross will wirklich, wirklich, wirklich nicht über „U.O.E.N.O“ reden.
18.2.14

Ross und der Autor zu (etwas) glücklicheren Zeiten (Alle Fotos von Jess Lehrman))

Ein Teil von mir möchte das Gefühl haben, dass ich mit der Überschrift etwas erreiche, aber der große Rest weiß, dass das nicht der Fall ist. Tatsache ist, dass ich vor ein paar Tagen in einem Interview mit Rick Ross im 40/40 Club in Manhattan die Firma Reebok angesprochen habe, was offensichtlich Erinnerungen an die vermeintliche Vergewaltigungs-Textzeile hervorgebracht hat, die ihm seinen Werbevertrag mit der Firma gekostet hat. Die Dinge wurden, vielleicht aus offensichtlichen Gründen, merkwürdig. Ross’ Handlanger wurden unruhig, Ross versuchte mich unterschwellig zu beleidigen und das Interview war nach der Hälfte der Zeit beendet. Die Sache ist, dass Ross unentwegt darüber spricht, ein Boss zu sein. Für ihn ist das nicht nur ein Name, sondern eine komplette Weltanschauung. Echte Bosse können jedoch auch mit schwierigen Fragen umgehen und machen souverän weiter mit dem Gespräch.

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Andererseits, was würdest du von jemanden erwarten, der sich von den Medien wegen einer Textzeile verfolgen lässt—„Put molly all in her champagne, she ain’t even know it/I took her home and I enjoyed that, she ain’t even know it”—aus der er sich einfach hätte rausreden können? Anders als die Date-Rape-Droge Rohypnol (oder Alkohol, die verbreitetste Date-Rape-Droge), ist MDMA kein Sedativum und selbst wenn man es jemandem unterjubelt, wird die Person davon nicht ohnmächtig. Es ist ein Aufputschmittel und macht jemanden, wenn überhaupt, munterer. Offensichtlich weiß Ross nicht immer, worüber er in seinen eigenen Texten redet, außerdem haben wir diese Zeile nicht einmal direkt angesprochen.

[Ed: Fairerweise muss man sagen, dass Ross diese Kontroverse in einem Interview mit HuffPost Live angesprochen hat und sagte: „Ich bereue wirklich nichts. Ich bin froh, dass ich einige Dinge gesehen und gelernt habe. Als mir klar wurde, dass so viele Frauen davon betroffen sind, war es mir wichtig, mich zu entschuldigen. Wo ich herkomme, wird so was nicht toleriert… Ich hätte nie gedacht, dass jemand da so viel reininterpretiert, aber ich respektiere das und ich respektiere die Meinung von jedem, der sich an mich gewendet hat, besonders von Frauen… Nichts macht mehr Eindruck als Frauen, Baby.]

Wir sind dem Ganzen jedoch nah gekommen. Ich hatte mich bis zu einer Frage über diese berüchtigte Textzeile vorgearbeitet, aber er und sein Team waren schlau genug, das zu merken und das war der Grund, warum mein Interview beendet wurde. Ich habe Ross über die Chemie zwischen ihm und Jay-Z befragt. Wir haben darüber gesprochen, wie „FuckWithMeYouKnowIGotIt” zu einem Hit wurde. Dann sprach ich an, dass er in dem Song „Reeboks on, I just do it, nigga”, rappt, während die Auseinandersetzung mit der Firma schon im Gang war. An diesem Punkt wurde die Sache angespannt. So sah unsere Unterhaltung aus:

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Noisey: Ich habe das Gefühl, dass du mit der Textzeile „Reeboks on, I just do it nigga“ bewusst Leuten ans Bein pissen wolltest. Da du die ganze Kontroverse kennst, worauf hast du mit dieser Zeile wirklich abgezielt? Das ist wirklich auffällig für mich. Du hast die Leute nach dem ganzen Wirbel auf einer der angesagtesten Club-Platte des Sommers irgendwie absichtlich verhöhnt.
Rick Ross: Siehst du, du bist die Art von Nigga, der das Verhöhnen nennt. Ich mag das Wort nicht. Verwende das Wort nicht mehr.

Wie würdest du es nennen? Für mich ist es kein negatives Wort. Weißt du, es ist wie—
Konzentrier dich, Homie. Lass mich deine Frage beantworten. „Reeboks on, I just do it nigga“, heißt Reebok repräsentieren. Magst du Reebok?

Ich trage das nicht mehr viel. Ich war ein Nike Nigga. Ich trage Vans und so Zeug.
Oh ja, du bist ein Vans Nigga.

Ja, Docs finde ich auch gut. Ich kenne Leute, die Timbs tragen—so wie du—ich trage Docs. So ist das halt.
Das ist dein Vibe. Ich wünsch dir alles Gute. Bleib so wie du bist. Mach weiter dein Ding. Bleib wie du bist, Mann. Ich habe Reebok repräsentiert. Ich mag Reebok. Wir tragen alle Reebok hier. Wir tragen die Soldiers. Komplett weiß. Wir schlüpfen in die Rees und tragen weiß.

Ein Nigga in der Mittelstufe oder so hatte Rees, als die Pumps rauskamen, ich weiß, worum es geht.
Ja, Klassiker. [Handlanger zu Def Jam-Mitarbeiter, als ich offensichtlich kurz davor bin über die Kontroverse zu sprechen und darüber, dass er seinen Werbevertrag verloren hat: Hast du den nächsten?] Alles Gute. Tolles Interview. Ich wünsch dir viel Erfolg.

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Ja, dir auch. Hast du nicht noch Zeit für ein paar mehr Fragen?
Wir haben noch ein paar andere Niggas, die warten.

Es wäre total OK gewesen, wenn Ross das Interview beendet hätte, weil er nicht auf einer Wellenlänge mit mir ist. Das verstehe ich. Journalisten sind verdammt nervig. Eine der coolsten Sachen, die ich gesehen habe, ist, wie Lil Wayne einen Journalisten in seiner The Carter Dokumentation beschimpft. Aber Ross ist ganz offensichtlich einfach nur einer schwierigen Frage aus dem Weg gegangen. Wenn er und sein Team das Gespräch hätten weiter laufen lassen, dann hätten sie gesehen, dass ich nicht darauf aus war, ihn in die Ecke zu drängen. Ross hat eine Menge guter Musik gemacht. Schon aus diesem Grund bin ich mit dem Vorsatz in das Interview gegangen, ihm richtige Fragen zu stellen. Natürlich würde ich ihn zu der Kontroverse über die Vergewaltigungstextzeile befragen. Vielleicht war es das Format des Interviews—eine Art Massenabfertigung, um sein neuen Albums Mastermind zu promoten, bei der ein Journalist nach dem anderen rein kommt—aber ich hatte das Gefühl, dass Ross sofort eine Abwehrhaltung eingenommen hat, als ich Reebok ansprach und dabei zu empfindlich gegenüber dem vermeintlichen Druck war, um zu realisieren, dass meine Fragen auf Respekt basieren. Stattdessen wurde ich mit dämlichen Machtspielchen konfrontiert.

Zu Beginn des Interviews habe ich die Tatsache angesprochen, dass er einmal gesagt hat: „Wir verschieben nichts nach hinten“, die Veröffentlichung seines Albums jedoch bereits mehrere Male nach hinten verschoben wurde. Das ist eine ehrliche Frage. Ross hat darauf mit irgendwelchem halbgaren Nonsens darüber geantwortet, dass er das Veröffentlichungsdatum geändert hat, da er ein Boss ist. Ich hätte nicht überrascht sein sollen, dass der Typ, der trotz offensichtlicher Beweise bestritten hat, früher Justizvollzugsbeamter gewesen zu sein, zu gestört ist, um zuzugeben, dass die Veröffentlichung seines Albums verschoben wurde, weil keine Begeisterung dafür herrscht und seine Singles in der Rap-Community kaum wahrgenommen wurden. Trotzdem kommt das Album jetzt raus und ich verstehe, dass er dem gegenüber trotz allem eine positive Haltung bewahren will. Aber wenn das Album gut ist, dann sei doch selbstbewusst und duck dich nicht weg, nur weil ich die Wahrheit anspreche.

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Ebenso wie die Tatsache, dass das Internet Ross’ Vergangenheit als Gefängniswärter aufgedeckt hat, ist auch seine „U.O.E.N.O“-Zeile Teil von Ross' fehlerhaftem, aber faszinierendem Erbe, also könnte er genauso gut darauf vorbereitet sein, darüber zu sprechen. Als ich Reebok ansprach, wurde er passiv aggressiv, stand auf und zeigte auf mich, präsentierte mir seine Schuhe und versuchte mich in die Irre zu führen. Letzten Sommer fuhr ich in einem BMW durch LA und habe auf dem Rücksitz mit meinen Jungs Champagner getrunken und die umstrittene Textzeile mitgerappt. In diesem Kontext ist das eine Wunschvorstellung, aber als Journalist, erwarte ich, eine richtige Unterhaltung darüber führen zu können. Ross hat jedoch früher schon gezeigt, dass er sich in dieser Art von Situation unwohl fühlt. Vor sechs Jahren hat er DJ Vlad angegriffen, da dieser ihn auf seine Vergangenheit als Justizvollzugsbeamter angesprochen hat und musste ihm daraufhin in einem Vergleich 300.000 Dollar zahlen.

Es ist nicht so, als hätten wir vorher nicht ausgiebig über Mastermind gesprochen und als wäre ich direkt bei der Kontroverse eingestiegen, wie ein schmieriger TMZ-Reporter das versucht hat. Meine ersten Fragen waren zum neuen Album. Wir haben über sein Gehör für Beats gesprochen. Wir haben über seinen Grundgedanken bei diesem Album gesprochen. Aber nichts davon war interessant. Niemand interessiert sich für das Album. Ein Interview mit Drake im Rolling Stone erzeugt zurzeit mehr Aufsehen als eine ganze Rick Ross-Platte und zwar weil Drake zu offen und zu ehrlich ist. Ross ist verschlossen und abgeschirmt, also werden Fehler seiner vermeintlichen Persönlichkeit—Momente der Unvollkommenheit, die echte Menschlichkeit zeigen—zu den interessanteren Sachen. Das muss kein Nachteil oder negativ sein. Die Leute würden gerne seine echten Gedanken zu dieser Situation hören. Die Leute würde gern etwas Ehrliches über seine Zeit als Justizvollzugsbeamter hören. Damit kann man nur gewinnen. Aber Ross macht sich zu viel Sorgen über sein Konzept, der Boss zu sein. Die Fassade ist veraltet—Ehrlichkeit ist eindrucksvoll und die Unfähigkeit eines Rapstars, echt zu sein ist der Grund warum Rap-Journalismus eine beschissene Angelegenheit ist. Journalisten sind nicht deine verdammten Freunde und nicht deine verdammten Pressesprecher.

Seine Entschuldigung dafür, das Interview zu beenden, war, dass andere Autoren warten, aber als die Journalisten, die vor mir an der Reihe waren, Selfies mit ihm aufgenommen haben und ihm Fragen zum Valentinstag gestellt haben, herrschte keine Eile. Ich war für 15 Minuten dort drin und wir steuern auf die Frage bezüglich der Date-Rape-Songzeile zu und auf einmal ist es Zeit zu gehen. Die besten Interviews bieten eine Möglichkeit auf authentische Weise mit den Zuhörern in Kontakt zu kommen. Es gibt niemanden, der nicht mehr über den Text von „U.E.O.N.O.“ hören will. Wenn ein Rapper, der darüber spricht, Leute umzubringen, nicht damit umgehen kann, wenn jemand ihn zur einzig interessanten Sache, die er in den letzten Jahren fabriziert hat, befragt, dann ist das vielleicht ein Zeichen dafür, dass Rap-Journalismus im Arsch ist. Die Beziehung zwischen Rappern und der Presse wird immer feindlicher. Drake sagte kürzlich, dass die „Presse böse ist“, am gleichen Abend ging Kanye West auf die Bühne und sagte den Pressevertretern sie sollen „die Schnauze halten“.

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Das Traurige daran ist, dass ich nicht einmal vorhatte, Ross anzugreifen und davon zu profitieren. Ich wünschte, wir hätten mehr sprechen können. Ich habe dem Mann die ganze Zeit in die Augen gesehen, während ich mit ihm sprach. Ich verhielt mich aufrichtig und habe im Gegenzug das Gleiche erwartet. Anscheinend ist das zu viel verlangt.

Ernest Baker denkt ernsthaft darüber nach, nie wieder eine berühmte Person zu interviewen. Er ist bei Twitter: @ernestbaker

Jessica Lehrman ist Fotografin und lebt in New York. Sie ist bei Twitter: @jessierocks

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