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Ariana Grande macht schlechte Musik, verteilt dafür aber super Einläufe

Ariana Grande hat einem Internet Troll mal wieder gezeigt, wo die Tür ist. Dass sie sich gegen Sexismus wehrt, ist an sich schon gut. Wie sie es macht, ist sogar noch besser.
13.4.16

Ich bin wirklich kein Fan von Ariana Grandes Musik. Ich gehe sogar soweit zu behaupten, dass Ariana Grande höchstpersönlich für The Weeknds musikalischen Absturz in den mainstreamtauglichen Einheitsbrei der Popmusik verantwortlich ist (alles begann mit ihrem gemeinsamen Feature „Love Me Harder“ und endete bei einem Video, in dem The Weeknd in schlecht animierten Flammen steht und ausgelassen tanzt. R.I.P. The Weeknd). Aber Ariana Grande, die idiotischen Männern Einläufe für sexistische Kommentare erteilt—davon bin ich durchaus Fan.

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Ariana Grande hat in der Vergangenheit schon öfter demonstriert, dass sie sich—wie man im Volksmund sagt—„keinen Scheiß“ erzählen lässt. Schon gar nicht von Männern, die immer noch eine Vorstellung von Geschlechterrollen zu haben scheinen, wie eine Dr. Oetker-Werbung aus den 50er Jahren. Erinnern wir uns zum Beispiel an das Radiointerview, in dem Grande zwei sexistische Radiomoderatoren verbal zerpflückte und daraufhin in sämtlichen Medien gefeiert wurde. Das Tolle daran wenn Ariana Grande Dummschwätzer faltet, ist nicht die Tatsache, dass sie es tut, sondern vor allem, wie sie es tut. Ein Faktor, an dem Feministinnen oft scheitern und der ein Grund dafür ist, warum sie oft nicht ernst genommen oder verspottet werden.

Jemandem eine Lektion zu erteilen ist nämlich gar nicht so einfach, sofern man ein konstruktives Endergebnis im Kopf hat. Dieses Endergebnis sei, dass das Gegenüber eben etwas aus dem Gesagten lernt, wie das Wort „Lektion“ (aus dem Lateinischen „Lectio“, Vorlesung, Belehrung), bereits beinhaltet. Das Gegenüber also plump zu beschimpfen oder eingeschnappt die Arme zu verschränken und einen auf Opfer zu machen, ist meistens nicht zielführend, da es oft dazu führt, dass das Gegenüber noch mehr in eine Defensivhaltung rückt oder dich nicht ernst nimmt. Wie gesagt: meistens.

Während Ariana bei ihrem gefeierten Radiointerview sachlich und schlagfertig, gemäß unserer im vorigen Absatz empfohlenen „Lektionsanleitung“ gegen die Kommentare konterte, ging sie bei ihrem jüngsten Sexismus-Kreuzzug so vor, wie wir es eigentlich für destruktiv erachtet haben. Eigentlich. Das war passiert: Auf ihrer offiziellen Facebookseite hielt es ein Troll für nötig, Ariana Grande darüber in Kenntnis zu setzen, dass er sie aufgrund ihrer Kleidung im „Dangerous Woman“ Video für eine Hure hält. Daraufhin setzte Grande ihn wiederum darüber in Kenntnis, dass er seinen Kopf aus seinem Arsch ziehen solle.

Mashable

Dies ist natürlich nicht gerade die feine englische Art. Es gibt jedoch einen Unterschied, der ihre Beleidigung rechtfertigt, ja sogar sinnvoll macht. Ariana Grande beleidigt den Kommentierer nicht wahlos, sondern nutzt die von ihm zuvor gebrauchte Formulierung „bei allem Respekt“ + darauffolgender Beleidigung, um zu verdeutlichen, wie scheinheilig diese Floskel eigentlich ist. Was darauf nämlich folgt, hat mit Respekt nichts zu tun. Ähnlich wie Menschen, die „Ich bin kein Rassist, aber …“ sagen, meistens doch etwas Rassistisches von sich geben, sind Leute, die die Respektsfloskel bemühen auch nichts weiter, als feige Trolls, die sich in eine vermeintliche Ecke flüchten, in denen sie nicht für das Gesagte zur Verantwortung gezogen werden können. Der Rahmen, in dem Ariana also beleidigt, hat einen pädagogischen Ansatz.

Am Ende beider Lehrstunden in Sachen Sexismus standen die Männer am Ende als Dumme da. Nicht, weil Ariana sie fieser blossgestellt hätte, sondern, indem sie deren Dummheit sich selbst demaskieren ließ. Das ist klug, unterhaltsam und hat Klasse—ja, sogar wenn Beleidigungen fallen. Man könnte sagen, Ariana ist eine Origami-Feministin: Wenn sie jemanden faltet, dann macht sie das so geschickt, dass am Ende immer noch ein hübscher, bunter Kranich dabei rauskommt.

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