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Mavi Phoenix hat mir am Popfest bestätigt, dass sie die realste Frau im Land ist

Mavi Phoenix erzählt uns am Popfest, warum sie nicht Pokémon Go spielt und was sie von Voodoo Jürgens hält.
28.7.16

Alle Fotos von Christoph Kregl

Letztes Jahr haben wir an dieser Stelle ausführlich über die Hitze gesudert und dieses Jahr könnte ich genau dasselbe machen. Heiß genug dafür war es auf jeden Fall, aber ich versuche die Suderei, entgegen meiner österreichischen Intuition, auf einem Minimum zu halten und konzentriere mich auf Mavi Phoenix, die ich gestern Abend vor und nach ihrem Auftritt am Popfest begleitet habe. Erst vor Kurzem schaute sie vom Falter Cover, heute ist sie Support von Bilderbuch in Stuttgart und die neuen Songs formen sich auch schön langsam zu einem handfesten Release. Ich spüre einen Hype kommen, vielleicht bin ich aber auch kurz vor unserem Treffen etwas aufgeregt. OK, ich bin sehr aufgeregt. Es ist 18:00 Uhr, ich treffe Marlene aka Mavi Phoenix im Backstagebereich der Brandwagen-Stage mit ihrem Manager Christoph, der auch für Bilderbuch zuständig ist.

Mavi und ich kennen uns schon von der Diskussion mit ihren HipHop-Kolleginnen, wir quatschen ein bisschen über ihre DJs, die sie noch regelmäßig wechseln muss. Sie sind alle weiblich, aber das sei Zufall, sagt mir Mavi. Es gebe einfach so viele weibliche DJs in Wien, die sie gut findet. Lieber wäre ihr aber, einen fixen DJ anzustellen und ein Anwärter dafür ist Alex the Flipper, der schon mit ihr an den neuen Songs arbeitet. Sollte diese Kombi tatsächlich zustande kommen, werde ich öffentlich mehrere Purzelbäume schlagen.

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Nachdem wir uns dann kollektiv dagegen entschlossen haben, die bereitgestellten Energydrinks durchzuprobieren, wird es Zeit für einen Termin mit Gerhard Stöger vom Falter, der ihren Auftritt ankündigen sollte. Das Treffen findet vor der Seebühne statt, auf der gerade Voodoo Jürgens spielt. Nach ihrem Gespräch mit Stöger lauschen wir noch ein bisschen dem Konzert. Mavi hat Voodoo Jürgens noch nicht gekannt, sie findet ihn trotzdem super, weil er eine gewisse Authentizität ausstrahlt. Die Reaktion überrascht mich nicht. Dieselbe Art von Glaubwürdigkeit geht auch von Mavi aus und ich merke, dass es für sie wichtig ist, sich nicht zu verstellen.

Nachdem wir wieder in den Backstagebereich verschwinden, fangen die Stagemanager langsam an hektisch herumzuschwirren. In ein paar Minuten geht Mavis Auftritt los. Wir unterhalten uns währenddessen noch über Kritiker, die sich nicht trauen, ihr die Kritik auch ins Gesicht zu sagen und Leftboy, den sie zwar immer noch für seinen Erfolg respektiert, von dessen letzten Release sie aber nicht mehr so viel hält. Mavi erwähnt zwischendurch, dass sie schon aufgeregt sei, ihre Gestik sagt aber etwas ganz anderes. Sie sitzt zurückgelehnt auf der gepolsterten Couch und sippt an ihrem Drank (also eigentlich trinkt sie Wasser). Kurz vor ihrem Auftritt schleich ich mich aus dem Backstagebereich und treffe im Publikum gefühlt tausend Menschen aus dem Musikbusiness, die sich Mavi ansehen.

Der Auftritt verläuft gut, die Menschen wollen eine Zugabe, aber der enge Zeitplan des Popfestes lässt keine zu. Ich treffe Mavi wieder Backstage und gratuliere zum gelungenen Auftritt. Sie bedankt sich, bemerkt aber selbstkritisch, dass sie noch ein paar Sachen hätte besser machen können. Konkrete Dinge will sie mir aber nicht nennen. Nach einer kurzen Verschnaufpause machen wir uns auf den Weg in die Popfestmenge und nach ein paar Metern kommen bereits die ersten Fans, um ihr zu sagen, wie gut sie ihren Auftritt fanden. Etwas schräg wird es, als wir weitergehen und zwei Männer anfangen zu schreien, als sie Mavi sehen: "Mavi! Can I kiss you?".

Die zwei Männer möchten Mavi auf die Wange küssen, weil sie sie so toll finden. Mavi war nur semi-begeistert davon. Ein Handkuss war drinnen, mehr aber nicht. Danach setzten uns vor das Wien Museum in die Wiese, um über das wichtigste Thema der letzten Wochen zu reden: Pokémon Go.

Mavi spielt kein Pokémon Go, weil sie weiß, dass sie zu sehr reinkippen würde. Bei Tetris ist ihr das bereits passiert, das kann man auf tetrisfriends.com nachprüfen. Dort hat sie immer in den Leaderboards ganz oben mitgespielt. Ich habe vollstes Verständnis für sie, ich selber brauche bald eine Poké-Therapie. Mavi war klug genug, ihre Energie nicht in virtuelle Monster zu stecken, sondern in ihre Musik. Und langsam fängt es an, sich für sie zu lohnen.

Wir brechen das Interview an dieser Stelle ab, weil ihr Manager schon mit dem Bus nach Linz fahren möchte. Von dort geht's mit Bilderbuch gemeinsam nach Stuttgart. Meine letzte Frage an sie war, ob sie Angst davor habe, ab jetzt ständig mit Bilderbuch verglichen zu werden und etwas in deren Schatten zu stehen. "Die Leute werden schon sehen, dass ich mich nicht an Bilderbuch anlehne", sagt sie darauf. *drops mic*

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