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Noisey Blog

Seht hier Leuten dabei zu, wie sie sich Dr. Dres „Compton: A Soundtrack“ für euch anhören

Wenn euch Musikhören zu anstrengend ist, könnt ihr jemanden zusehen, der das für euch macht.

von Sebastian Rossböck
10 August 2015, 8:45am

Foto via Flickr | Devin Stein | CC BY 2.0

Dr. Dres neues Album Compton: A Soundtrack ist nur auf Apple Music verfügbar. Da ich meine vertraulichen Informationen Apple nicht anvertrauen will—sprich: Ich hab keine Kohle für ein MacBook und Google weiß ohnehin schon alles über mich—und ich trotzdem hören wollte, was Dre so produziert hat, habe ich auf das altbewährte YouTube zurückgegriffen. Zwei von den Suchergebnissen auf der ersten Seite sind Live-Reactions zu dem Album. Lass dir das durch den Kopf gehen. Das sind Videos, die über eine Stunde dauern, in denen du einem Typen zuschauen kannst, während er sich das Album anhört. Mit Kopfhörern. Wenn du die Minuten der Stille durchgehalten hast, wird dein Durchhaltevermögen mit einem „Alright, that was pretty good" belohnt. Diese zwei Videos haben übrigens fast eine halbe Millions Views.

Ich nehme an—hoffentlich!—dass diese halbe Million Menschen Compton hören wollten. Die einzige andere Erklärung ist, dass die moderne Musikhörer-Kultur mittlerweile die Meta-Singularität erreicht hat und meine überholten Ansichten von Musikhören überholt sind. Let's Plays kann ich noch irgendwie verstehen. Nicht ganz, aber zumindest schreit da irgendjemand die ganze Zeit in die Kamera, was auch eine Form der Unterhaltung ist. Leuten beim Essen zu zusehen ist noch ein Stück schräger. Aber so weit ich das verstehe, ist das einfach eine neue Art von Porno, die sich mir entzieht.

Aber was zur Hölle sind Live-Reactions auf Alben? Es ist kein Kommentar, Analyse oder auch nur irgendeine Form von Unterhaltung. Du hörst ja nicht einmal die Musik. Wenn Review Fiend Z nicht tausende Review-Videos hätte, wäre ich mir sicher, dass es ein Kunstprojekt ist. Was zur Hölle ist los? Die eine South-Park-Folge hat mich auf sowas nicht vorbereitet.

Ich weiß nicht was das ist, und ich verstehe es nicht. Das weirdeste an dem Ganzen ist, dass neben den tausenden „Thumbs down" gute zweihundert Leute diese Videos geliket haben. Jemand hat sich die Live-Reaction von einem maskierten Typen angesehen—also gar keine—und hat befunden, dass das eine Stunde voller wertvoller Unterhaltung war. Wieso strengen sich Musiker und Filmemacher überhaupt noch an?

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