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Endlich gibt es Yoga ohne Vogelgezwitscher und Esoterik-Menschen

Noise kann allein durch seine Intensität paralysierend wirken. Es ist also nur sinnvoll, dass du jetzt Noise Yoga-Kurse besuchen kannst.

von Michelle Lhooq
30 Juli 2015, 9:00am

Es gibt viele Dinge, die ich an Yoga-Kursen unerträglich finde: verschwitzte Hintern in Lululemon-Hosen, selbstgefällige Hippie-Yuppies und die ständige Erinnerung daran, dass dein Körper ein—im Gegensatz zu den Kombucha-nippenden und Dinkelcracker-mampfenden Exemplaren um dich herum—sich im unaufhörlichen Verfall befindendes Gebilde aus toxischem Abfall ist. Das Allerschlimmste ist aber vielleicht die Musik, die immer über die Anlage dudelt, während man mit halbgeöffneten Mund dort sitzt und versucht, seinen Schwanz in seiner Ellenbogenbeuge zu betten—dieser pseudo-fernöstliche Soundtrack mit den Gongs, den buddhistischen Gesängen und dem Vogelgezwitscher. (Vogelgezwitscher! Ständig dieses Vogelgezwitscher!)

Genau deswegen fand ich die Idee von Noise Yoga auch so ansprechend. Lärmendes Rauschen und brummende Industriegeräusche sind—für mich, und anscheinend auch viele andere—viel besser geeignet, um sich selbst in Stadien tiefer Meditation zu befördern, als „Oms“ aus der Konserve. Und so langsam verbreitet sich diese Meinung—jedenfalls in Seattle, Washington, wo die lokale Noise-Szene Yoga-Sessions mit Live-Auftritten von Künstlern wie Pink Void, Hanford, Jason E. Anderson, und bald auch, Gabriel Saloman von Yellow Swans veranstaltet.

„Es begann alles als Schnapsidee mit ein paar Freunden, aber sobald wir richtig damit anfingen, waren recht schnell ziemlich viele Leute daran interessiert und wir bekamen richtig gutes Feedback“, sagt Mitbegründer Gabe Schubinder, ein DJ bei Hollow Earth Radio und Doktorand an der University of Washington. Schubiner organisierte seine erste Noise Yoga Session zusammen mit seinen Radiokollegen Carly Dunn und Corporal Tofulung im Oktober 2014. Freunde aus der Noise-Szene bauten dann eine Anlage in einem wunderschönen alten Backsteingebäude auf und ein Freund, der „anarchistisches Yoga“ betreibt, leitete den Kurs. 30 Menschen tauchten auf. Seitdem ist das Ganze ständig gewachsen und sie sind ein Kunstmuseum umgezogen, wo die Kurse von der Yoga-Lehrerin Emily Denton (die auch in der Band Stickers spielt) geleitet werden.

Schubiner, der auch die Künstler bucht, ist der Meinung, dass sich beide Bereiche besser ergänzen, als man denkt. „Die Konzentration beim Yoga erschafft eine wirklich gute Stimmung, in der man den Sound besser wertschätzen kann—man kann sich viel besser darauf einlassen.“ Und andersherum funktioniert es auch: „Intensive Musik erschafft auch eine gewisse Form von Achtsamkeit. Sie kann sehr aggressiv andere Gedanken aus deinem Kopf verdrängen.“

Noise Yoga ändert auch die Art und Weise, wie unsere Körper auf solche Musik reagieren. Anstatt sich den Wellen erdrückenden Krachs wie eine kleine Hündin, der man den Hals krault, zu unterwerfen (wie man das auf einem Konzert machen würde), gewinnt dein Körper etwas neuen Handlungsspielraum hinzu und die Performance verliert ihre Einseitigkeit. „Viele Menschen haben gesagt, dass Noise so eine BDSM-mäßige Dominanz-Unterwerfungs-Beziehung mit dem Publikum erschafft, und für mich hat das auch damit zu tun, dass Noise allein durch seine Intensität paralysierend wirken kann“, so Schubiner. „Ich finde, dass in diesem Kontext eine strukturierte Bewegung durchzuführen, einen kleinen Rollenwechsel einleitet.“


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Natürlich funktioniert das auch andersherum. So, wie Yoga die Noise-Szene herausfordert, ihre Beziehung zu der Musik zu überdenken, machen diese Veranstaltungen solche Musik auch Leuten gegenüber zugänglich, die von alleine nie auf die Idee kommen würden, ein Prurient-Album in die Hand zu nehmen. Und vielleicht, ganz vielleicht, ist es dann auch irgendwann mit diesen Lululemon-Hosen vorbei.

Mehr über Noise Yoga und die nächsten Termine (solltest du in Seattle sein) findest du auf ihrer Facebook-Seite.

Folgt Michelle Lhooq bei Twitter—@MichelleLhooq

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