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Reviews

Musikreviews der Woche mit Lower Dens und SCSI-9

Hier sind unsere Reviews zu Lower Dens, Inborn!, SCSI-9 und White Rabbits.
19.5.12

LOWER DENS
Nootropics
Domino

Es soll schon vorgekommen sein, dass der Sound von Lower Dens mit dem Indieschmelz der xx in Verbindung gebracht wurde. Das ist in etwa so als würdest du Dostojewski mit der Dr. Sommer-Seite in der Bravo vergleichen. Was Jana Hunter mit dieser Band veranstaltet, sei es das existentialistische Raunen in ihrer Stimme, seien es die tief hallenden Abgründe, in die sie sich mit ihrem Anhang stürzt oder das auf diesem Album noch krautiger ausgefallene Songwriting-Mantra, das ist glücklicherweise zu hoch, um künftig vermittels Hypeschleifen und Commercial-Fließbändern flachgenudelt zu werden. Obwohl es natürlich gar nicht so hoch ist. Gerade deswegen ist es aber extrem gut. Das sollte aber auch unter uns bleiben, kapiert?!

LEFTY THE SALESMAN

INBORN!
Persona
Snowhite/Universal

Ah, Ross Robinson hat mal wieder eine Band auf Myspace entdeckt. Ehrlich gesagt wusste ich gar nicht, dass diese Webseite überhaupt noch existiert. Aber für eine Band, deren depressiven Synthie-Rock man vor zehn Jahren ohne viel Aufsehen zwischen Placebo und Muse unter ferner liefen eingeordnet hätte, die mit anderen Worten heute dem Zeitgeist hinterherhinkt wie ein fußkranker Penner mit Tengelmann-Tüte und Ärzte-Fanshirt, ist das vermutlich der richtige Ort. Eigentlich würde es mich nicht mal wundern, wenn sie demnächst ihren Album-Release bei Second Life feiern oder einen Kredit aufnehmen, um den Typen zu bestechen, der das Programm bei VIVA zusammenstellt.

GAVRILO PRINCIP

SCSI-9
Metamorphosis
Klik/WordandSound

Spätestens seit dem Sputnikschock zweifelt im Westen kaum noch jemand an der technischen Virtuosität des Russen an sich. Umso trauriger, dass man so wenig von der dortigen elektronischen Musikszene mitbekommt, denn die produziert vornehmlich in abseitig gelegenen Luftschutzbunkern und kommuniziert nur über soziale Netzwerke, in die wir uns nicht einloggen können, weil uns dafür die kyrillschen Zeichen auf der Tastatur fehlen. Eine Ausnahme bleiben SCSI-9, die dankenswerterweise in regelmäßigen Abständen deepe Tech-House-Satelliten in die europäische Umlaufbahn feuern. Ein wahrer Akt der Völkerverständigung. Nastrovje!

SONNE STATT REAGAN

WHITE RABBITS
Milk Famous
Mute / GoodToGo

Ich war vor einiger Zeit wegen eines Mädchens, in das ich mich damals schockverknallt hatte, bei einem Konzert der White Rabbits. Das Mädchen stand auch auf Phoenix und die Junior Boys, ich hätte also ahnen können, dass das nichts wird mit uns (und es wurde auch nichts), aber an diesem Abend fand ich die White Rabbits natürlich ziemlich toll (ich glaubte sogar selbst dran). Das Mädchen erklärte mir dann, dass gerade das zweite Album von denen erschienen ist und das ja schließlich auch so viel besser als das erste wäre, und irgendeine Verbindung zu Spoon, die an diesem Abend Support waren, gab’s da auch noch. Jetzt ist also das dritte Album raus und mir fällt wieder auf, was für einen lapidar unnötigen Kram die White Rabbits doch spielen, wie sehr diese Musik vor sich hindudelt ohne Ideen und sogar ohne Groove, wie fahrstuhlig das alles wirkt (und wie verknallt ich damals gewesen sein muß).

BLACK PANTHER