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Warum lassen wir uns von Bushido und Kay One verarschen?

Bushido uns ein Ex-Kumpel Kay One liefern den Medien ordentlich Futter. Wir müssen aufpassen, dass wir uns daran nicht den Magen verderben.

von Toni Lukic
11 Oktober 2013, 3:55pm

Wer in der Medienwelt unterwegs ist, der weiß, worauf es ankommt, um Erfolg zu haben. Du brauchst Partner. Das gilt gleichermaßen für den Journalismus, wo du Leute finden musst, die dich mit Geschichten versorgen, wie für die Musikindustrie, in der du dir als Künstler Partner suchst, die dich hochziehen und deine Musik möglichst gewinnbringend an die Hörerschaft verteilen.

Natürlich sind auch Musiker und Journalisten Partner. Die Künstler wollen durch die Medien ihre Musik promoten, die Medienvertreter auf der anderen Seite berichten (positiv oder negativ) über die Musiker und generieren durch deren Bekanntheit Auflage, Hörerschaft, Zuschauer- oder Klickzahlen.

So funktioniert das Spiel. Und alle spielen mit—außer vielleicht Kanye West, aber der spielt sowieso in einer anderen Liga.

Allerdings kann es, wie in jeder Beziehung, passieren, dass man sich irgendwann nicht mehr so gern hat, sich trennt und im Nachhinein mit Schmutz bewirft. Letztere Stufe haben gerade Bushido und Kay One erreicht, die sich bekanntlich auch nicht mehr so mögen. Doch die beiden wären keine Rapstars, wenn sie nicht genau wüssten, wie sie diesen Disput medial für sich nutzen könnten. Und wir, die Medien, wissen das selbstverständlich auch.

Warum Kay One profitiert

Am Mittwochabend war Kay One bei Stern TV zu Gast, wo er über Bushido und die Abou-Chakers auspacken wollte. Er selbst inszenierte sich in dieser Geschichte als Opfer, der als Nachwuchsrapper mit großen Träumen nach Berlin kam, von Bushido aufgenommen wurde, dessen Karriere durch seine „Kreativität“ gefördert habe und sein verdientes Geld zur Hälfte an den Abou-Chaker-Clan abdrücken musste. Und Bushido? Der sei ein noch ärmeres Würstchen, weil er den Abou-Chakers quasi gehöre und aus dem Clan nicht mehr rauskomme. Er, Kay, aber habe es geschafft in die Freiheit zu fliehen, auch wenn er jetzt bedroht werde.

Gut, die Geschichte ist bekannt. Aber was ist mit den konkreten Vorfällen? Wie viel Geld mussten er und Bushido abdrücken? Was für Gegenleistungen mussten sie noch erbringen? Wie ist es zu der Generalvollmacht gekommen? Fragen, auf die wir keine Antwort bekommen haben.

Warum geht Kay One in ein Fernsehmagazin mit der Ankündigung „auszupacken“, um dann nur heiße Luft und um gefühlt 500 „So“-Füllworter zu viel abzulassen? Ganz einfach, um die Person Kay One zu promoten. So.

Die Öffentlichkeit kennt Bushido, allerdings noch nicht Kay One. Er will sich als der Gegenspieler zu dem bösen Bushido aufschwingen und Deutschland mit seinem Player-Style ein bisschen sexier machen. Deswegen braucht er die Öffentlichkeit und den Boulevard. Zufälligerweise wurde gerade bekannt gegeben, dass er als Juror bei Deutschland sucht den Superstar mit dabei sein wird. Und—die Zufälle reißen nicht ab—am 25. Oktober erscheint sein Album Rich Kidz. Der Weg zu Taff, RTL Exklusiv und zur zwölften Staffel Dschungelcamp ist geebnet. Denkt an unsere Worte, wenn er vor Tim Wiese und hinter Money Boy den zweiten Platz im Dschungel macht!

Warum Bushido profitiert

Bushido hat endgültig mit dem Song „Stress ohne Grund“ dafür gesorgt, dass er als Bösewicht Nr. 1 in der Öffentlichkeit wahrgenommen wird. An ihm kann sich jeder profilieren, der es als Gutmensch gerade nötig hat: Claudia Roth, Klaus Wowereit, Alice Schwarzer, Kay One… Bushido steigt mit jedem von ihnen freiwillig in die PR-Stunt-Kiste. Er hat kein Problem das Arschloch zu sein, in dieser Rolle geht er sogar auf. Auf dem Shindy-Album NWA rühmt er sich ein paar Mal dafür, auf dem Stern-Cover zu sein.

Bushido hat seit Jahren keine musikalische Relevanz mehr, trotzdem sieht die Öffentlichkeit in ihm den Gangstarapper Nr. 1 und kann seine Ressentiments gegen dieses Musikgenre an ihm abladen. Und Bushido nimmt alles entgegen, schließlich muss man ja die Nr. 1 bleiben. Egal wie.

Der aktuelle Sparringpartner ist also Kay One, den er nach dessen Disstrack „Nichts als die Wahrheit“ musikalisch „schlachten und filetieren“ wolle. Hoffentlich besorgt sich Bushido dafür einen guten Ghostwriter, sonst wird Kay One kaum ein Pflaster benötigen.

Warum der Stern und die restlichen Medien davon profitieren

Der Stern brachte schon zwei Titelgeschichten über Bushidos Verbindungen zu der Mafia. Dabei war diese Story absolut nichts Neues, der journalistische Clou dahinter war aber der Abdruck der Generalvollmacht, die der Rapper seinem Ziehvater Arafat Abou-Chaker ausstellte. Der Stern weiß um die Wirkung, die ein Bushido hat. Eine solche Kriminalgeschichte wird garantiert gelesen, weil man sie leicht verstehen kann und es nicht schwer ist, ein Urteil darüber zu fällen. Außerdem gibt es kaum Gangstergeschichten in der Berichterstattung, das Ganze hat also auch etwas Exotisches.

Wir, die restlichen Medien berichten natürlich auch darüber, weil es gelesen wird. Wir sind im Endeffekt diejenigen, die, wenn sich zwei auf dem Pausenhof kloppen, im Kreis drumherum stehen, die Vollidioten unterbewusst noch anfeuern, um es dann später allen anderen lebhaft und bunt zu erzählen.

Es hat seine journalistische Berechtigung, über so etwas zu berichten. Doch vielleicht sollten wir vorher darüber nachdenken, warum sich die beiden streiten und was wirklich ihre Intention ist. Manche spielen nämlich mit falschen Karten. Wir sollten aufhären, uns verarschen zu lassen.

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