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Warum lassen Firmen Songs für Werbungen nachproduzieren, nur in schlecht?

Die neue Peugeot-Werbung klingt verdächtig nach Bilderbuchs „Maschin“. Aber wie groß ist schon der Unterschied zwischen einem Familienwagen und einem Lamborghini Diablo?
7.10.14

UPDATE: Kommt euch das hier irgendwie bekannt vor? Uns nicht.

Ja, Musik ist teuer. Also eigentlich gar nicht mal so sehr für den Endverbraucher. Aber Firmen, die Musik von Bands—besonders, wenn sie bekannt sind—in ihren Werbungen benutzen wollen, müssen ziemlich tief in die Tasche greifen.

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, dieses Dilemma zu umgehen. Man kann zum Beispiel einer unbekannten Band die Nutzungsrechte für einen Song abkaufen. Oder eine Musikdatenbank benutzen, in der Soundsnippets, Instrumentals oder ganze Songs nur für diesen Zweck zu einem moderaten Preis zur Verfügung stehen. Man kann auch einen darauf spezialisierten Produzenten engagieren, genau die Musik zu produzieren, die man sich für seine Werbung wünscht.

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Kleiner Tipp an Firmen, die diese Variante wählen: Wenn man das tut, sollte man aber aufpassen, dass das Ergebnis nicht allzu offensichtlich wie der Song klingt, den man eigentlich gerne gehabt hätte. Sohn, der Wiener aus London, bezichtigte Audi letztens sich seine Single „Lessons“ für eine Werbung „ausgeborgt“ zu haben.

.@Audi feels like you may have "borrowed" from one of my tunes… Can I "borrow" one of your cars? http://t.co/N3hkCzxVun #lessons

— SOHN (@SOHN) 22. September 2014

Aber überzeugt euch am besten selbst. Hier sind der Song und die Werbung im Vergleich:

Klare Sache eigentlich. Uns fällt auf, diese Rip-Off Methode scheint in der Werbebranche mehr und mehr in Mode zu kommen. Erst letzte Woche bezichtigte das Label Young Turks, den Modekonzern Hugo Boss eines ganz ähnlichen Ideendiebstahls. Der Song in der neuen Hugo Boss-Werbung sei eine sehr schlecht getarnte Kopie vom The xx-Song "Intro".

. @HUGOBOSS as a firm built around original design, isn't it odd that you'd pay for such a poorly disguised fake? https://t.co/2sdUYfU6OF

— Young Turks (@youngturksrec) 3. Oktober 2014

(UPDATE: Offenbar hat Hugo Boss mittlerweile alle Videos der Kampagne gelöscht oder auf privat geschaltet)

Viel offensichtlicher als Hugo Boss und Audi hier Ideenklau betrieben haben, geht es eigentlich nicht. Trotzdem sind wir eher irritiert als schockiert. Immerhin sprechen wir auch nicht von einem ganz neuen Phänomen. Es gibt auch Fälle, in denen Songs in ihrer orignalen Form

für Werbungen verwendet wurden

, ohne den Musikern auch nur einen Cent zu bezahlen. Aber trotzdem werden wir aus dieser „Wir-bauen-uns-unseren-Lieblingssong-einfach-selbst-nach"-Methode nicht ganz schlau. Denn wenn du schon ein Multimillionen-Konzern bist, und für deine neue Werbung eh ganz offensichtlich einen Mords-Aufwand betreibst, Top-Grafikdesigner und Models engagierst, jedes Register ziehst, um smart und innovativ zu wirken—warum lässt du deinen Ghost Producer dann nicht gleich ein neues, eigenständiges Stück Musik produzieren? Talent und Musikalität hätt die Produzenten, die für diese Kopien verantwortlich sind, ja vermutlich. Wahrscheinlich warten sie sogar nur darauf, dass ein Kunde ihnen ihre eigenen Produktionen abnimmt.

Und wenn du dir als Firma wirklich so felsenfest einbildest, dass es genau wie dieser eine Song klingen muss, den du so unbedingt für deine Werbung hättest—warum nimmst du nicht noch etwas mehr Geld in die Hand, und checkst dir die Rechte an genau DIESEM SONG. Keine seelenlose Kopie, sondern genau das, was du haben willst. Glaub uns eines, du würdest um einiges authentischer wirken, lieber Multimillionen-Konzern. Besseren Support, als Geld für sie auszugeben, kann man Musikern als Konzern im Übrigen eigentlich kaum zollen. Für dich als Unternehmen aber noch viel wichtiger: Die Werbekonsumenten, die ja auch nicht auf den Kopf gefallen sind, werden es dir danken. Und das lässt wiederum deine Kasse klingeln. Gar nicht so blöd, oder?

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