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Hier sind die schlechtesten Performances aus der Live Lounge von Radio 1

Das musikalische Äquivalent zu einem Autounfall, bei dem man nicht wegschauen kann.
4.11.14

Wäre das Geschäft des Mainstream-Pops in Großbritannien so spannend und erbarmungslos aufgezogen wie die Sitten im antiken Rom, dann wäre die Live Lounge von Radio 1 wahrscheinlich das Kolosseum. In dieser künstlichen Arena des Todes werden Popstars dazu gezwungen, live ihr vermeintliches Talent und ihre Kreativität an einem Coversong zu beweisen. Ein paar Glückspilze verlassen diese Arena als Helden, wie zum Beispiel Daughter, die Daft Punks „Get Lucky“ den eindringlichen Sound von Chris Isaaks übellaunigen Sexträumen verpasst hatte; oder auch die späte Amy Winehouse, die eine derartig fantastische Version von „Valerie“ von den Zutons ablieferte, dass alle vergaßen, dass die Zutons überhaupt existierten.

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Allzu oft aber geht alles tierisch vor die Hunde und vermeintliche Popgiganten werden ohne ihre gewohnten Schutzschilder von ihrem eigenen Unvermögen, einen geraden Ton zu treffen, ein Instrument zu beherrschen oder auch nur halbwegs den Takt zu halten, demontiert, während sie verkrampft auf die Lyrics starren, die man ihnen auf ein A4-Blatt ausgedruckt hat.

In der Regel machen die Kandidaten in dieser Sendung eine von geheuchelter Zärtlichkeit und Rührseligkeit triefende Version eines fröhlichen Songs, damit alle denken, sie hätten einem bekannten Hit eine vollkommen neue Bedeutung gegeben. Ein beliebtes Motiv von Rockbands sind außerdem HipHop-Cover, weil das natürlich niemand niemals nicht erwarten würde—die Leute sollen denken, „Wow, ich hätte nie gedacht, dass die Arctic Monkeys Drake hören! Wie supercool und einzigartig! Jetzt kaufe ich ihr Album auf jeden Fall!“ Popstars mittleren Bekanntheitsgrades wiederum, die ein frustriertes Dasein fernab der Top Ten fristen, covern alles, was gerade irgendwie angesagt ist, damit sie auf der Popularitätswelle der anderen ein bisschen mitreiten können.

Ja, es ist schon eine ziemlich traurige Angelegenheit. Das musikalische Äquivalent zu einem grausamen Autounfall, bei dem man nicht wegschauen kann. Es scheint allerdings so, als würden in der Live Lounge andere Naturgesetze gelten als in der restlichen Welt. Egal, wie furchtbar ein Track von jemandem verstümmelt wird, Moderatorin Fearne Cotton wird Gänsehaut verspüren. Egal, wie viel Fremdscham man selber verspürt, Moderatorin Fearne Cotton wird ihn am Ende als „wunderschön“ bezeichnen und mit großer Wahrscheinlichkeit sogar als das Beste, was sie je gehört hat. Dann kehren diese irgendwo auch bemitleidenswerten Megastarstatisten zurück in die echte Welt—noch in die wohlige Watte von Cottons Lobpreisungen gepackt—sie schauen bei Twitter rein und müssen feststellen, dass sie weltweit die Feeds dominieren, weil sich alle über ihre absolut beschissene Version von „All About That Bass“ lustig machen.

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Letzte Woche zog der arme Fuse ODG den Zorn der Radio 1-Hörer auf sich, als er versuchte, „Waves“ von Mr Probz auf eine so grausam-bizarre Art zu covern, dass sich selbst sein Drummer im Studio beim Spielen fast vor Lachen bepisste—und dabei ist Fuse eigentlich recht gut.

Fuse ODG ist aber nicht der einzige, den diese Schmach ereilte: In den letzten Jahren sind eine Menge Stars lächelnd in dieses Studio gegangen und bitterlich weinend wieder herausgekommen. Hier sind die Worstest Hits der BBC Live Lounge …

Die Arctic Monkeys versuchen sich an Drake

Gemessen an dem, was nach ihrem Debüt kam, basiert die komplette Karriere der Arctic Monkeys auf der Adaption amerikanischer Kultur—kanadischer HipHop war dann aber vielleicht doch ein Schritt zu weit. 2013 ging die metaphorische Harley Davidson der Band in Flammen auf, nachdem sie sich an einem Cover von Drizzys „Hold On, We’re Going Home“ versucht hatte.

Wenn man sich den Track anhört, bekommt man das Gefühl, dass sich Alex Turner irgendwo im Nirgendwo zwischen seinem angeborenem britischen Akzent und einer kläglichen Imitation von Drizzys Toronto-Flow bewegt, was dann zu einer generell zögerlichen Performance und einer recht eigenwilligen Aussprache des Wortes „Home“ führt. Der Vibe im Studio—Alex tänzelt in weißem Hemd und Sonnenbrille durch die Gegend—gibt dem Ganzen die Note einer Musikdarbietung auf einem Weinfest. Das Resultat ist eine Version von Drakes dancefloortauglichem Pettingsoundtrack, die du problemlos auf der Weihnachtsfeier deines lokalen Golfclubs spielen kannst.

Glasvegas versuchen sich an Amy Winehouse

Kannst du dich noch an Glasvegas erinnern? Eigentlich sind sie nicht mehr als eine Fußnote auf einer selten besuchten Wikipedia-Seite. Eine ‚Kultband’, erträumt von derjenigen Person, die Mitte der 2000er für den NME verantwortlich war—und den paar Menschen bei Radio 1, die überredet werden konnten, mitzumachen. Glasvegas haben einige furchtbare Dinge zu verantworten, einer ihrer schlimmsten Beiträge zur Menschheitsgeschichte war allerdings ihre Coverversion von „Back to Black“. Sie verwandelten einen dynamischen Popsong in eine zähe, graue Pampe aus Tönen, die ein bisschen so klang, als hätten sich The xx an einer Parodie in Zeitlupe versucht.

Magnet Man versuchen sich an Willow Smith

Man kann sich bildlich vorstellen, wie dieses Stück nach wochenlangem Hin und Her mit Magnetic Mans Team entstanden ist.

„Hört mal zu, ich bin mir nicht sicher, ob wir ein Popcover live im Studio abliefern können. Wir sind drei Elektroproducer.“

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„Nein, jetzt hört IHR mal zu. Ich bin mir nicht sicher, ob sich irgendein Radiohörer für euch interessiert, wenn ihr nicht ein Popcover live im Studio abliefert.“

„Okay …“

Am Ende willigen sie also ein und am Ende verwandeln sie Willow Smiths „Whip My Hair“ in einen Haufen Scheiße. Die Vocals klingen, als hätte man sie durch eine Dose Baked Beans gejagt; die Wubs klingen nach bitterer Reue. Das Ergebnis ist das wahrscheinlich schlechteste Cover überhaupt. Herzlichen Glückwunsch allerseits!

Florence versucht sich an Beyoncé

Damals, als Florence bei der Live Lounge auftrat, war sie gerade ordentlich in der Londoner Partyszene unterwegs. Sie erzählte zum Beispiel dem Guardian, dass sie einmal, „so betrunken war, dass sie morgens auf dem Dach eines Pubs aufwachte—in ein mit Farbklecksern bespritzten Captain America Kostüm gekleidet“. Man kann sich vorstellen, dass sie einen grauenvollen Kater hatte, als sie an diesem Tag in das Studio der BBC stolperte—die denkbar schlechteste Voraussetzung für eine Beyoncé-Cover. Sie klingt absolut zerstört, zwischendurch geht ihr die Puste aus und sie hat alle Mühe, die Tonlage zu halten. Um allerdings fair zu bleiben: Lungs ist und bleibt ein Hammer-Album und jetzt mal ehrlich, die meisten Menschen schaffen es noch nicht mal, eine vernünftige E-Mail zu verfassen, wenn sie verkatert sind—geschweige denn zu versuchen, das ganze Land mit ihren Sangeskünsten zu beglücken.

The Automatic versuchen sich an Kanye West

Die Kurzfassung: Weiße Rockband versucht sich an HipHop—mit Flöte.

Lemar versucht sich an The Darkness

Das hier ist ein perfektes Beispiel für den Hüttenkoller-Effekt der Live Lounge. Lemars Team—eingesperrt in einem fensterlosen Studio wie Segler auf einer im Packeis festsitzenden Arktisexpedition—verlor sein Gespür für die Außenwelt, für das, was sie eigentlich tun sollten, und für das, was moralisch irgendwie vertretbar ist. Lemar, ausgestattet mit all dem fehlgeleiteten Selbstbewusstsein eines Finalisten der Fame Academy, hauchte und jaulte seinen Weg durch „I Believe in a Thing Called Love“ von The Darkness—aus unerklärlichen Gründen gemischt mit Marvin Gayes „What’s Going On“, weil, ja scheiß doch drauf, warum zur Hölle eigentlich nicht? Du kannst dein ganzes Erspartes darauf wetten, dass damals alle in dem Raum der festen Überzeugung waren‚ ‚einem ganz besonderen Augenblick in der Musikgeschichte’ beizuwohnen.

Kasabian versuchen sich an Iggy Azalea

Kasabian … aber noch schlimmer als sonst, denn hier versucht George Best sich an Rapgesang.

Take That versuchen sich an den Kaiser Chiefs

Nein, das hier sind nicht einfach nur Take That und das ist auch nicht einfach nur ein Song der Kaiser Chiefs. Nein, nein. Hier haben wir Take That, die ein Lied der Kaiser Chiefs spielen—was quasi das musikalische Äquivalent zu einer Bustour zu Großbritanniens schönsten Verkehrskreiseln darstellt. Um den Herzensbrechern der 90er gegenüber fair zu bleiben, wird hier darauf hingewiesen, dass dieses ‚Werk’ 2006 entstand—also nach einer zehnjährigen Bandpause—und man kann wirklich nicht erwarten, dass Großbritanniens Posterboys nicht doch ein bisschen in die Jahre gekommen sind. Wenn du sie hier singen hörst, merkst du deutlich, dass sie das letzte Jahrzehnt damit verbracht haben, Fosters zu saufen, „Never Forget“ in Dauerschleife zu hören und darüber zu grübeln, was sie dieser Welt wohl als Personen bedeuten, wenn sie nicht gerade Take That sind.

So klingt auch ihre Darbietung unseres siebtliebsten Kaiser Chiefs-Songs, „Everyday I Love You Less and Less“—eine Interpretation derartig melodisch fehlgeleitet und geschmacklos ausgeführt, dass man sich schon vorstellen kann, wie die widerlichen Rechtspopulisten von der UKIP dafür reflexhaft in die Bresche springen.

The Ordinary Boys versuchen sich an Tatu

Die Jungs erinnern hier noch mal alle daran, wofür sie bekannt sind: einen Scheiß!

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