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Ist der "Van der Bellen Presidential Rave" zeitgemäß?

Macht Links gegen Rechts noch Sinn?
22.5.16

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"Und wenn wir dann auf Mauern stoßen, dann lasst uns doch wenigstens mit voller Kraft dagegen rennen.", meint Ilja Sichrovsky in seiner Rede beim "Van der Bellen Presidential Rave" gegen den Rechtsruck in Österreich. Für die dortigen Besucher ist das wohl eine selbstverständliche Aussage und macht 100% Sinn. Für einen FPÖ-Wähler klingt das wahrscheinlich eher wie eine Drohung, auch wenn ihre eigenen politischen Vertreter sich oft noch viel radikaler ausdrücken. Aber rechts gesinnte Menschen haben bei diesem Open Air sowieso keinen Platz. Schon in der Veranstaltungs-Beschreibung wird indirekt klar gemacht, dass sie nicht willkommen sind.

Linke, links-liberale, sozialistische oder wie auch immer man Leute nennen mag, die nicht für die Werte der FPÖ stehen, befinden sich in einer gesellschaftlichen Blase. Für sie ist es selbstverständlich Ausländer oder Flüchtlinge willkommen zu heißen, die EU als stabilisierende Institution in Europa zu begreifen, oder feministische Werte zu vertreten. Und irgendwie glauben auch viele von ihnen, dass die Vernunft irgendwann wieder einkehren wird, auch wenn sie von Wahl zu Wahl von blauen Zugewinnen immer wieder aufs Neue negativ überrascht werden. Van der Bellen ist ihre neue Hoffnung.

Armin Gruber, Initiator des Van der Bellen Presidential Rave

Seit der lang vergangenen schwarz-blauen Regierung fühlt es sich an, als wären links gesinnte Menschen permanent im Alarmzustand und in Angst vor blauen Wahlsiegen. Wenn aber schon ehemalige Grün-Wähler und Flüchtlingshelfer angeben Hofer zu wählen, dann ist das nicht nur für sie ziemlich verwirrend. Blau-Wähler scheint etwas mehr zu reiten, als nur die die bloße Zugehörigkeit zu politischen Lagern. Ob es Protest-Wählen, Enttäuschung, Überzeugung oder Angst ist, die Abgrenzung und Für-Blöd-Erklärung von FPÖ-Wählern wird sie nicht unbedingt davon abbringen ihr Kreuzerl woanders zu machen, sondern die Gräben noch tiefer machen. Die Deklaration Van der Bellens eine FPÖ-geführte Regierung nicht angeloben zu wollen, macht die ganze Sache nicht besser. Ergebnisse demokratischer Wahlen sollte man nunmal nicht einfach so ignorieren und Ängste und Probleme von Bürgern möglicherweise etwas ernster nehmen.

Ob der Van der Bellen Presidential Rave unter diesen Umständen überhaupt noch zeitgemäß ist? Wir leben in einer Demokratie, wo solche Protestkundgebungen essentieller Bestandteil sind. Die Frage, ob es nicht bessere Taktiken der Linken gibt und Rechts-Wähler kollektiv ausgegrenzt werden müssen, steht im Raum. Der Slogan "Zeigen wir Österreich, wer wir wirklich sind." in der Facebook Event-Beschreibung will für alle Österreicher sprechen. Das trifft in der Realtität wohl oder übel nicht zu. In welchem Ausmaß, werden wir bei den diesjährigen Bundespräsidentschaftswahlen sehen.

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