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Interviews

Trailerpark koksen, um noch reicher zu werden

Trailerpark sind mit ihrer Asozialität noch immer durchgekommen. Der einzige Unterschied zu früher: Dank Alligatoah sind sie jetzt auch reich.

von Toni Lukic
05 Dezember 2014, 12:10pm


Foto © David Neman

Noch heute erzählt man sich von jener Herbstnacht vor zwei Jahren. Die Releaseparty zu Trailerparks Crack Street Boys 2 im Bi Nuu war wohl der Höhepunkt in Trailerparks Streben nach Asozialität. Das Gelage auf der Bühne haben wir damals mit der Kamera festgehalten, versuchen aber immer noch die Ereignisse dieses Abends abzuschütteln. Was ist seitdem passiert? Alligatoah hat kurz mal jeden potenziellen Rapfan aus der Provinz eingesammelt und ist mit seinem Album Triebwerke Gold gegangen. Der unverhofft einsetzende Geldregen kulminierte erst einmal in dem Hochglanzvideo zu „Bleib in der Schule“ und natürlich in einem Audi R8, mit dem Labelchef Basti zum Interviewtermin erscheint.

Heute ist sein Geburtstag. Wir befinden uns in der Malzfabrik, im Studio der Atzen, in dem auch Alligatoah und Basti ihre Parts für Crackstreet Boys 3 aufgenommen haben, in das ich erstmals reinhören darf. Nach und nach schlurft die restliche Band ins Studio—außer Sudden, der wohl verpennt hat. Ihn vertritt Kameramann Vortex, der sich pflichtbewusst zum Fototermin eine Sudden-Maske aufzieht.

Noisey: Eben auf dem Album kam die Line: „Wir sind K.I.Z. in real und in reich.“ Warum genau?
Basti:
Weil’s so ist. Real waren wir schon immer, aber reich sind wir erst seit kurzem.
Vortex: Die Wahrheit tut weh.
Timi: Fühlt sich gut an.

Das impliziert, dass K.I.Z. nicht real sind.
Basti: Naja, Tarek hält auf jeden Fall die Fahne hoch, was den Drogenkonsum angeht! Die anderen haben noch nicht mal Shore geraucht....

Was bedeutet denn Realness?
Basti: Das zu tun, was man rappt.

Wenn dem so wäre, dann seid ihr bei dem Drogenkonsum bald tot.
Basti: Wir sind auf dem besten Weg. Aber klar versucht man, es ein wenig zu reduzieren. Wenn man sich seit zehn Jahren mit Koks wegballert, kriegt man irgendwann gesundheitliche Probleme. Andererseits wird man dadurch reich.

Wieso das? Koks ist doch teuer.
Basti: Ja, aber erst als ich gekokst habe, bin ich reich geworden. Es macht einen skrupellos, deswegen koksen die erfolgreichen Geschäftsmänner auch.
Alligatoah: Also, Kinder, ihr wisst Bescheid.
Basti: Sudden ist der einzige Mensch, der durch das Koksen richtig cool geworden ist. Andere stürzen ab, aber als er vor zwei Jahren das erste Mal gekokst hat, ist er richtig korrekt geworden.
Timi: Seitdem ist er ein festes Mitglied. Vorher war er bei K.I.Z. (alle lachen)

Welche Line würden K.I.Z. gegen euch bringen?
Basti: Die wissen ja, dass das Spaß ist und wir ärgern uns gegenseitig. Wir sind ja auch gut befreundet. Sie dissen uns auch. „Schaut was, wir erschaffen haben. Ihr müsst uns lieben. Trailerpark, Die Orsons, 257.“ Sie implizieren, dass sie die Gründerväter des Spaßraps wären. Sie waren die ersten, die erfolgreich waren und haben damit Türen eingetreten. Das muss man auch sagen.
Timi: Aber wir haben mit Pimpulsiv auch schon vor K.I.Z. spaßigen Rap gemacht. Die waren halt nur die ersten, die damit Erfolg hatten.

Ihr habt es aber noch mal eine Ecke stärker getrieben.
Basti: Ja, wir lassen ja auch Nutten auf der Bühne bumsen.

Ich weiß, ich war dabei.
Basti: Hast du auch eine Olle gefickt?

Ne, wir haben nur die Fotos gemacht. Nachdem wir die Bilder online gestellt haben, wurde unsere Seite gehackt und die Fotos entfernt. Wir vermuten von jemandem, der auf der Bühne stand.
Basti: Die Typen haben sich auch beschwert und uns mit Anzeigen gedroht. Ich habe bei Facebook gesehen, wo die arbeiten und denen gesagt: „Wenn ihr uns mit Anzeigen droht, dann schicken wir einfach euren Chefs Bilder davon, was ihr auf der Bühne treibt. Dann seid ihr euren Job los, ihr Spasten.“ Dann haben sie sich eingeschissen und nichts mehr gesagt.

Wird es so eine Aktion wieder auf Tour geben?
Basti: Nach der nächsten Tour wird es eine Ab 18-Tour geben, damit wir weiterhin so einen Scheiß machen und die verbotenen Songs spielen dürfen.
Alligatoah: Man muss auch sagen, dass wir davon ausgehen, dass das Album wieder indiziert wird.
Basti: Das darfst du nicht sagen. Du musst sagen, dass die Songs verboten werden. Man darf mit dem Index nämlich keine Werbung machen.
Alligatoah: Ach so. Das ist mittlerweile auch verboten. Die Tour wird ab 18 sein, damit wir wieder unsere Musik spielen können.
Basti: Joa, und damit auch wieder ein bisschen wahnsinniger Quatsch passiert. Sowas wie auf der Releaseparty, vielleicht schlimmer, vielleicht etwas weniger schlimm. Vielleicht töten wir Tiere auf der Bühne, vielleicht töten aber auch uns Tiere auf der Bühne.
Vortex mit aufgesetzter Suddenmaske: Ich darf untenrum nackt rumrennen die ganze Zeit, yüah!
Timi: Das ist ehrlich gesagt der einzige Grund, warum wir das machen.

Habt ihr mittlerweile einen doppelten Boden in eure Texte eingebaut oder ist bleibt es klassisch stumpf?
Alligatoah: Das ist jedem seiner eigenen Interpretation überlassen. Es ist letztlich auch egal, ob etwas lustig ist, weil es so tut etwas zu sein oder weil es wirklich so ist. Fakt ist, es ist lustig und unterhaltsam. Und darauf kommt es bei uns an.
Basti: (schaut auf sein Handy) Geil, ein Fanmädchen schreibt mir gerade auf Twitter: „Alles Gute Basti, heute werden Kinder gefickt“. Geil.
Timi: Sie hat es verstanden.

Wurde euch schon vorgeworfen, dass ihr weich geworden seid? Früher habt ihr einen Wohnwagen abgefackelt und jetzt pisst ihr nur noch gegen einen Hummer?
Alligatoah: Es hat ja dasselbe Level von Dekadenz. Etwas zu kaufen und es dann zu verunstalten—von daher sind wir eher so geblieben wie früher.
Basti: Vom Budget könnten wir jetzt einfach einen Hummer verbrennen. Aber das hätte nicht ins Videokonzept gepasst. Warum sollten reiche, zugekokste Bastarde einen Wagen verbrennen?

Vielleicht denken manche Leute, dass ihr jetzt gesetzter seid?
Timi: Wenn diese Gedankengänge entstanden sein sollten, dann werden die mit dem Video „Sexualethisch Desorientiert“ wieder zerstört. Da gibt es ordentlich in die Fresse. Am Grundtenor hat man gesehen, dass die Leute die letzten drei Singles etwas harmlos fanden, obwohl die inhaltlich überhaupt nicht harmlos sind. Die Leute haben sich wahrscheinlich vom Sound her auf das nächste „Wall of Meth“ oder „New Kids on the Blech“ eingestellt. Wahrscheinlich hat das ein paar von den neueren Fans verschreckt.

Man könnte sich aber fragen, ob es mit dem Erfolg von Alligatoah nicht auch ein Ausverkauf gab, weil die neuen jungen Fans angesprochen werden wollen.
Basti: Du hast das Album gehört. Es ist nicht weniger hart als das letzte. Nur die Singles sind softer gewählt. „Poo Tang Clan“ wäre normalerweise keine Single geworden, aber wir hatten keinen Song, den wir vorher veröffentlichen konnten, ohne Gefahr zu laufen, dass das Album vorher schon verboten wird und wir die ganzen gepressten CDs nicht ausliefern können. Dann hätten wir 100.000 Euro in den Sand gesetzt—plus die Videos. Dann hätten wir nichts daran verdient, sondern draufgezahlt. Dann wären wir schon wieder arm und nicht reich.
Timi: Dann müssten wir wieder voll viel koksen, damit wir wieder reich werden.

Lasst uns nochmal über das Thema Schwänze Lutschen sprechen. Ist „Dicks sucken“ nun ein politisches Statement geworden?
Timi: Wenn man Bock hat, kann man sich aus dem Schwachsinn, den wir erzählen noch etwas rausziehen. Aber der Schwachsinn ist nicht dafür konzipiert, dass man sich da was rauszieht. Wir setzen uns nicht hin und sagen: Wir schreiben jetzt einen Song mit politischen Aussagen und bauen den satirisch auf. Wir machen es einfach, weil wir Bock drauf haben.

Ich habe „Dicks sucken“ schon als klaren Aufruf zum Pazifismus verstanden.
Timi: Der Song ist so entstanden, weil wir uns gesagt haben, dass wir einen Song über’s Schwänze lutschen machen und nicht zur Friedensbewegung. Daraus ist dann aber irgendwie genau das geworden. Anscheinend sind wir Pazifisten!

Weil ihr im Inneren eigentlich tolerante Menschen seid?
Timi: Das stimmt schon, wir sind tolerant. Wir sind nur intolerant gegen Intoleranz.
Alligatoah: Wir machen lustige Sachen, die uns Spaß machen. Und wenn man das richtig zu deuten weiß, findet man heraus wie unsere Einstellung ist. Und die ist meistens eigentlich voll korrekt.

Was ist eigentlich der Unterschied zwischen Y-Titty und Trailerpark?
Basti: (entsetzt) Vergleichst du uns gerade mit Y-Titty?
Vortex mit Suddenmaske: Ich glaube, ich raste gleich aus, yüah.

Äh, ja. Ich kenne ich ein paar Leute, die Y-Titty mit euch verglichen haben. Man muss auch sagen, dass sie ihr Produkt nicht schlecht machen.
Basti: Doch, die machen es furchtbar schlecht. Y-Titty haben ja keinen derben Humor. Das ist huppi-fluppi Schwuchtelscheiße. Die können alle nix. Findest du die gut?

Nö, die meisten Youtube-Stars kann ich mir eh nicht geben.
Basti: Das ist doch nichts Rebellisches. Das ist vollkommen konzipierte zusammengerotzte Scheiße fürs Radio. Erstens ist die Musik nicht gut und vom Humor sind das zwei verschiedene Paar Schuhe. Das ist Mario Barth-Humor oder noch drunter. Bei uns ist es eher Serdar Somuncu.

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