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Interviews

Der Sohn von Nicolas Cage war früher in einer Black Metal-Band und hat „Ghost Metal“ erfunden

Wir haben ihn dazu befragt.
14 Oktober 2014, 8:00am

Weston Coppola Cage war früher High-School-Ringer und ist ein kräftiger Typ. Als er mit seinem Presseagenten und seiner Frau Danielle in die Lobby des SLS Hotels in Beverly Hills kommt, schiebt er einen Kinderwagen mit dem drei Monate alten Sohn des Paares. Das Kind schläft schnell ein. „Er kann fast überall schlafen“, erzählt uns Cage. „Wir waren letztens auf einem Event, bei dem der DJ sehr lauten Techno gespielt hat, aber diesen kleinen Kerl hat das überhaupt nicht gestört.“

Mit gerade mal 23 Jahren ist Cage bereits zum zweiten Mal verheiratet. Damit ist er auf einem ähnlichen Weg wie sein Vater, Nicolas Cage—ja, der Nicolas Cage—der mittlerweile zum dritten Mal verheiratet ist. Wie der Vater so der Sohn, richtig? Fast. Während Cage, der ältere, für seine glupschäugigen Schauspieldarbietungen in Filmen wie Raising Arizona, Wild at Heart und Bad Lieutenant: Cop ohne Gewissen bekannt ist, betätigt sich Cage, der jüngere, in einem ganz anderen Feld. Als Teenager hat Wes eine Band namens Eyes of Noctum gegründet, was nichts Ungewöhnliches für einen Hollywood-Sprössling mit unbegrenzten Möglichkeiten wäre, wenn sie nicht Black Metal gemacht hätten, das vielleicht am wenigsten zugängliche Musikgenre, das man sich aussuchen kann. Unter gütiger Mithilfe des Familienkontos hat Wes seine Band nach Schweden geflogen, damit sie dort mit dem legendären Produzenten Fredrik Nordström aufnehmen konnten, dem Mann, der für Alben von skandinavischen Metalbands wie At The Gates, Opeth und Dimmu Borgir verantwortlich ist. Anschließend war Wes regelmäßig in L.A. mit Eyeliner oder komplett mit Corpsepaint auf dem rotem Teppich zu sehen, was seinen Vater ziemlich gewöhnlich aussehen ließ.

Wes plant, noch dieses Jahr seine erste Solo-Platte rauszubringen, die Metal und Industrial zu etwas verbindet, das er „Ghost Metal“ nennt. Er hofft, dass ihm das dabei hilft, sich wieder mit seiner Mutter zu versöhnen, der Schauspielerin Christina Fulton. Aber er hat auch sonst eine Menge zu erzählen.

Noisey: Wie bist du zum Metal gekommen?
Wes Cage: Ich wurde schon sehr früh davon angezogen. Ich habe mit eher atmosphärischer Musik angefangen, aber ich wollte etwas hören, das noch andere Elemente verwendet. Zunächst bin ich auf Rammstein gestoßen, die Industrial-Elemente verwendet haben, und System of a Down.

Das waren deine Einstiegsbands?
Ja, das kann man so sagen. Als ich etwas älter wurde, haben mir dann auch extremere Sachen gefallen, wie Cradle Of Filth und Dimmu Borgir.

Und das Underground-Zeug?
Von den True Black Metal-Sachen gefällt mir besonders Emperor. In Ihsahns Stimme steckt so viel Emotion, das gefiel mir wirklich sehr als ich noch jünger war—und auch heute noch.

Hat dich jemand auf diese Bands gebracht oder hast du sie im Internet gefunden?
Ich habe meinen Weg zum Black Metal irgendwie selbst gefunden, nur durch das Internet. Und bevor ich mich versah, war ich mit 17 in Norwegen und habe mit diesen ganzen Leuten rumgehangen. Das war eine Ehre. Tatsächlich habe ich meinen 18. Geburtstag dort gefeiert, ich habe dort alle getroffen. Die Party dauerte drei Tage. [Lacht] Ich erinnere mich an die ersten 24 Stunden, aber nicht an den Rest. Ich bin immer noch gut mit Hellhammer von Mayhem und [dem ehemaligen Bassisten von Dimmu Borgir] ICS Vortex befreundet.

Bist du extra dort hingeflogen, um sie zu treffen?
Ich war da, um Urlaub zu machen, aber auch um Inspiration zu bekommen. Ich glaube sehr an die Input-Output-Theorie; daran, dass du die Maschine mit so vielen Informationen wie möglich füttern musst, also wollte ich die Fjorde und all das sehen.

Wie kam deine alte Black Metal-Band Eyes Of Noctum zustande?
Eyes Of Noctum haben 2006 angefangen. Es war eine Leidenschaft von mir, aber zu dieser Zeit war ich noch in der High School und habe Wrestling und Martial Arts gemacht. Wenn ich dann in einem Endorphinrausch nach Hause kam, wollte ich mich künstlerisch betätigen. Nach ein paar Jahren wurde die Band zur Priorität in meinem Leben. Mein Freund Alex und ich haben das komplette Album geschrieben, haben ein paar andere Leute engagiert und sind nach Schweden, um ausgerechnet mit Fredrik Nordström aufzunehmen. Das war eine gigantische Zeit in meinem Leben. Wir waren in Göteborg und es war toll, mit Fredrik zusammenzuarbeiten. Ein paar meiner Bandkollegen wussten nicht, was er meinte, wenn er Dinge gesagt hat wie: „Das sollte mittelalterlicher Klingen“, aber ich wusste total, was er meint.

Alex war also ein Schulfreund von dir und die anderen Jungs waren engagiert?
Ja. Ich habe diesen Typen vor meiner Schule gesehen, der klassische Gitarre gespielt hat und von ein paar Leuten geärgert wurde. Ich konnte es einfach nicht ertragen, wie ein paar Typen eine künstlerisch begabte Person mobben, jemand der Leidenschaft für seine Sache hatte, also habe ich ihn verteidigt und ab da waren wir Freunde. Aber er ist ziemlich abgehoben, also sind wir keine Freunde mehr. Er ist mittlerweile ziemlich merkwürdig.

Hatten deine Eltern etwas dagegen, dass du in dem Alter schon auf Tour gegangen bist?
Mein Vater hat mich sehr unterstützt, von meiner Mutter habe ich mich zu der Zeit entfernt. Sie hat versucht, mich zu erreichen, während ich mit Bands wie Book of Black Earth und Cattle Decapitation gespielt habe und ich habe dann gesagt: „Ich kann jetzt nicht reden.“ [Lacht]

Die Reviews, die ich über das Eyes of Noctum-Album gelesen habe, waren alle ziemlich positiv, aber in allen hieß es auch: „Wir hätten so etwas nicht von Nic Cages Sohn erwartet.“ Wie gehst du damit um?
Ich gehe damit genauso um wie jemand mit Rassismus oder Verfolgung aufgrund der Religion umgehen würde. Die Leute haben diese vorgefasste Meinung, dass ich mit sehr vielen Privilegien aufgewachsen bin, aber sie wissen nicht, wie dunkel es manchmal in so einem Haus sein kann. Ich habe das also als Antrieb für die Rache in meinem Herzen genutzt.

Ist Rache Teil deines Antriebs, Musik zu machen?
Ja, im Prinzip schon. Aber ich versuche, die negative Energie der Rache in etwas Positives umzuwandeln. Meine Texte sind philosophisch—sie dienen der eigenen Stärkung. Ich nutze verschiedene Formeln, um Leute zu ermuntern, ihren inneren Gott oder ihre innere Göttin zu erreichen, solche Sachen.

Du hast bei Eyes of Noctum den Künstlernamen „Arcane“ benutzt. Wie bist du darauf gekommen?
Ich bin darauf gekommen, als mir klar wurde, wie missverstanden und wie rätselhaft ich mein ganzes Leben war. Niemand konnte mich genau einordnen, als dann alle anderen Namen von Dämonen angenommen habe, habe ich „Arcane“ genommen.

Für dein neues Soloprojekt nutzt du deinen eigenen Namen und in der Pressemitteilung wird nicht einmal gesagt, wer deine Eltern sind. Wie findest du den Mittelweg zwischen dem Versuch, von alleine Erfolg zu haben und nicht die Tatsache zu verstecken, dass du der Sohn eines berühmten Filmstars bist?
Nach Eyes of Noctum wurde mir klar, dass ich nicht ändern kann, wer ich bin. Ich kann nicht ändern, wo ich geboren wurde und mittlerweile bin ich stolz darauf. Ich weiß, dass ich Privilegien hatte, als ich aufgewachsen bin—ich konnte reisen und Weisheit aus den Orten, die ich besucht habe, ziehen. Alles, was ich tun will, ist, dies zu nehmen und es mit anderen zu teilen, anstatt eigensinnig daran festzuhalten. Es gibt viel, was ich gelesen und gesehen habe, das ich verbreiten will und von dem ich mir wünsche, dass es zugänglicher für die Welt ist. Das ist der Grund, warum ich jetzt ein bisschen kommerzieller werden will, damit ich es mit einem größeren Publikum teilen kann.

Was ist das zum Beispiel?
Ich habe mich mein ganzes Leben mit Okkultismus beschäftigt—der Edda, dem Necronomicon, dem ägyptischen Totenbuch, solchen Sachen. Als ich in Italien und Griechenland herumgereist bin, habe ich Orte gesehen, die ziemlich magisch waren, zum Beispiel Stromboli. Als ich auf Korfu war, hatte ich das Gefühl, dass Poseidon direkt neben mir im Wasser war.

Findest du, dass es für Leute schwer ist, eine Beziehung zu solchen Dingen herzustellen?
Ja, definitiv. Die Leute sehen die Okkultismus-Referenzen in meinen Texten und denken, dass ich einfach verrückt bin. Was merkwürdig ist, denn die ganzen frühen Wissenschaftler waren Alchemisten.

Was ist aus Eyes of Noctum geworden?
Es war wie eine große Scheidung. Die anderen waren nicht ehrlich zu mir, was ihre Arbeits- oder Lebenssituation anging—einer von ihnen ging zurück nach Idaho, einer ging nach Wisconsin, um in einem Restaurant zu arbeiten und Bass zu unterrichten. Alle haben irgendwie angefangen, in die Fußstapfen der anderen zu treten. Es war wie ein Trend. Aber es gab auch einfach unüberbrückbare Differenzen. Es ging immer sehr demokratisch zu in der Band—ich habe ihnen gesagt, dass sie Einspruch gegen meine Ideen einlegen können. Also haben sie sich alle zusammengetan und wollten, dass wir kein Orchester mehr verwenden, was mir aber wirklich wichtig war. Ich finde, dass uns das von anderen Bands abgegrenzt hat und als sie wollten, dass die Cellos und Violinen verschwinden, fing ich an, die Band zu hassen. Das hat mich definitiv dazu gebracht, zu gehen und solo weiter zu machen.

Deinen neuen Musikstil nennst du „Ghost Metal“. Warum?
Wenn ich diese Art von Musik schreibe, geht es mir hauptsächlich darum, Unbehagen hervorzurufen. Ich nutze mittlerweile viele alte Instrumente wie die Bouzouki, um dieses geisterhafte Gefühl hervorzurufen. Das ist auch der Grund, warum ich das Album Prehistoric Technology genannt habe. Ich denke, dieses Album hat eine Menge „Ghost Metal“-Momente, aber ich habe immer noch das Gefühl, dass ich das beim nächsten Album erweitern kann.

Du hast bereits die erste Single veröffentlicht, „Tell Me Why (Matriarch of Misery)“, die eher Industrial als Black Metal ist. War dieser Richtungswechsel beabsichtigt?
Ja, definitiv. Black Metal wird immer einen großen Platz in meinem Herzen einnehmen und ich werde das immer nebenbei machen, aber dieses neue Genre ist mein Hauptprojekt. Aber Black Metal werde ich auch immer machen. Ich denke, ich habe ein paar interessante Ideen.

Deine Frau hat den Text zu „Tell Me Why“ geschrieben. Was sollen die Leute noch über den Song wissen?
Er ist toll, denn es ist ein sehr guter Song, um sich an das Album heranzutasten. Er hat diesen besonderen Ghost Metal-Refrain, für den ich lange gebraucht habe, aber die Strophen haben einen eher herkömmlichen Thrash-Vibe. Danielle hat den Text geschrieben, als wir irgendwann zuhause bei ihrer Mutter waren. Ich habe ihn gelesen und konnte die Musik direkt hören. Ich wusste, dass er tiefgründig ist, also musste ich ihn verwenden.

Worum geht es darin?
Es ist die Perspektive eines Außenstehenden auf etwas, das für mich sehr schwer war, als ich aufgewachsen bin. Ich hatte eine sehr turbulente Beziehung zu meiner Mutter—ich wollte eigentlich selbst einen Song über sie schreiben, aber der wäre etwas weniger anmutig gewesen als das, was Danielle geschrieben hat. [Lacht] Es wäre ein wenig grotesker geworden. Ich meine, wenn du dir die Anfangsbuchstaben der Wörter ansiehst [im Untertitel des Songs], „Matriarch of Misery“, dann weißt du worum es geht. [Anmerkung der Redaktion: Das ist dann M-O-M]. Sie hat ihn aber nicht gehört.

Willst du, dass sie ihn hört?
Absolut. Sie hat einen Opferkomplex und der Text ist interessant, da er die Sachen, die sie sagen würde, übernimmt. Es ist ein sehr kraftvoller Telefonanruf würde ich sagen.

Erhoffst du dir, dass du als Folge dieses Songs mit ihr kommunizieren oder dich mit ihr versöhnen kannst?
Das wäre toll. Die Dinge, mit denen ich ein Problem habe, all mein Streit mit ihr, beruhen auf Sachen, von denen sie nicht merkt, dass sie existieren. Das ist das schwerste. Meine Mutter hat das Münchhausen-Stellvertretersyndrom und eine Borderline-Persönlichkeit. Mit dieser Kombination ist sie immer das Opfer und ich bin der kränkste Mensch der Welt. Es ist verstörend.

Wie lange hast du schon nicht mehr mit ihr gesprochen?
Mittlerweile seit mehr als einem Jahr. Einer der Hauptgründe ist, dass ich nicht will, dass mein Sohn mit dem konfrontiert wird, was in meiner Kindheit passiert ist. Wenn sie anfangen würde, ihm zu erzählen, dass er gestört ist, wäre das einfach schlimm. Ich denke, wenn du anfängst, Leuten zu erzählen, dass sie Krankheiten haben, dann fangen sie langsam an, das zu glauben.

Was denkt dein Vater über die Musik?
Sie gefällt ihm wirklich sehr. Das einzige, was mein Vater mir immer eingetrichtert hat, ist, bei dem, was man macht nie die Integrität zu verlieren. Also dachte ich, dass ich mein eigenes Genre erfinde und ich denke, er findet das gut.

Ich habe gehört, dass du ihm Darkthrone näher gebracht hast.
Ja! Das war als ich 16 war. Ich habe ihm eine Menge verschiedener Black Metal-Bands näher gebracht, aber ich wollte sehen, wie er welche findet, die mehr Rock- oder Punkwurzeln haben. Also habe ich ihm Too Old, Too Cold und Transilvanian Hunger von Darkthrone vorgespielt und er fand einfach, dass das großartig ist.

J. Bennett findet ebenfalls, dass Darkthrone großartig ist.

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