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Noisey Blog

,Trialog' von HVOB ist ein Kandidat für das Album des Jahres

Auf ihrem neuen Album zeigt sich das Wiener Duo düsterer und technoider. Das gefällt.

von Jemayel Khawaja
24 April 2015, 8:22am

Foto: Lukas Gansterer

Letzte Woche haben HVOB ganz unaufgeregt ihr zweites Album Trialog veröffentlicht. Die zehn Tracks des Albums sind eine beinahe makellose Darbietung von deepem, stimmungsvollem Techno. Unterstrichen wird das Ganze vom geflüsterten Gesang von Anna Müller, der über Paul Wallners umfangreiche und anspruchsvolle Beats gelegt wird. Das Album nimmt Klänge aus dem Club und verpackt sie in vorwärtsgewandte Songstrukturen, das alles wird zusammengehalten von einer subtilen Vereinigung aus Dunkelheit und Licht, die an eine Traum-Kombination aus Radioheads Kid A und Purity Ring auf der Basis minimalistischer Club-Musik erinnert.

„Azrael", der Opener des Albums, führt geschickt in die klangliche Atmosphäre ein. Die Produktion von Wallner ist versiert—der Song macht eine Menge aus der simplen kleinen Melodien, die nur aus ein paar wenigen Noten besteht. Erst nach vier Minuten setzt eine weitere Note sowie Müllers Gesang ein. Auch wenn es einer der am wenigsten Song-basierten Tracks auf dem Album ist, funktioniert er sehr gut als Einführung in die Zurückhaltung, die das Hörerlebnis einrahmt. Das Video, das gestern erschienen ist, findest du hier:

Trialog bewegt sich vom Sound von HVOBs 2013er Debüt weg. „Ich denke, es ist ein bisschen düsterer, mit mehr Techno, und es ist erwachsener", sagt eine nüchterne und entwaffnende Müller, während sie Erdbeeren isst, am Tag vor HVOBs erstem Auftritt in Los Angeles. „Da wir in den letzten zwei Jahren so viel in Clubs gespielt haben, war dies für uns eine natürliche Entwicklung."

Die Situation, irgendwo neu zu sein, ist HVOB bereits bekannt. „Es ist wie in Europa vor zwei Jahren. Da kannte uns niemand", sagt Müller. „Meistens haben die Leute im Club gedacht: ‚Wer zur Hölle ist das? Die kommen mit einem Drummer und sie singt und spielt Klavier. Ich will tanzen! Es ist zwei Uhr nachts!' Aber nach zehn Minuten hat jeder getanzt und sie waren auf unserer Seite."

Der Trend in der Dance-Musik geht in den Staaten im Moment dahin, Live-Elemente in DJ-Sets einzubauen. Aber die meisten sind nicht in der Lage, das einigermaßen hinzubekommen. Du kannst der geschickteste Produzent oder DJ der Welt sein, aber wenn du die Musik nicht spürst, mit deinen Händen, dann wird der Mangel an Verbindung ab dem ersten Moment deiner Performance deutlich. HVOB sind das Beispiel dafür, wie es richtig gemacht wird. In ihren Songs werden das Organische und das Elektronische gleichermaßen zu Musik, die nicht nur zeitlos, sondern auch ortlos ist: im Club, im Auto, über Kopfhörer, über Laptop-Lautsprecher, Trialog funktioniert überall.

Auch über die Instrumentierung hinaus ist die Ästhetik von HVOB ein feinabgestimmtes Multimedia-Projekt. Ihre Visuals, von den Albumcovern über die Musikvideos bis zu den Installationen, sind das Resultat einer Kollaboration zwischen ihnen, der visuellen Künstlergruppe Lichterloh und dem Künstler Clemens Wolf. Müller erklärt: „Unsere Alben sind eher wie Kunstprojekte. Jeder Song ist mit Kunst verbunden, jeder Track ist ein Prozess. Im Song „Window" geht es zum Beispiel um das Mischen. Im Video werden Farben vermischt und du kannst es im Text hören, im Video, den Klängen. Wir haben die Klänge des Mischens am Anfang von „Window" aufgenommen. Du kannst die Tropfen hören."

Das Duo taucht in keinem seiner Videos auf und du hast Glück, wenn du in ihrem Pressematerial einen Blick auf sie erhaschst. „Wir haben von Anfang an versucht, klar zu machen, was wichtig ist", erklärt Müller. „Es ist die Musik und nicht die Leute dahinter. Wir wollen uns nicht verstecken und wir wollen nicht anonym sein, aber die Musik ist der Star, nicht Paul oder ich. Wir wollen nicht wichtig sein!"

Trotz ihrer Bemühungen werden HVOB vielleicht sehr bald wichtig, was dadurch deutlich wird, welchen Anklang ihre Musik in allen Teilen der Welt findet, „Wir waren innerhalb von drei Monaten auf vier Kontinenten. Wir sind direkt aus Asien gekommen", sagt Müller. „Ich hatte ein wenig Angst vor Asien, weil ich mir nicht vorstellen konnte, dass uns dort jemand kennt. Ich habe gehofft, dass vielleicht 20 Leute zu unseren Shows kommen, aber in Indien war es ausverkauft und jeder kannte die Texte. Ich musste mich auf der Bühne vom Weinen abhalten."

Auch bei ihrem Stop in Johannesburg in Südafrika haben sie ähnliche Rückmeldungen bekommen. Es scheint, als würde die Welt, Stadt für Stadt, auf eines der am stillsten erfolgreichen Releases der letzten Zeit aufmerksam werden. Wenn HVOB ihre Tour fortführen, die sie von Beirut über Berlin und Kairo nach Stockholm bringt, dann wird das Echo des Albums, das sie in die Welt geflüstert haben, auf ihre Rückkehr warten.

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