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Interviews

„Das geht nicht spurlos an einer Generation vorbei“—Bilderbuch im Interview

Keine Angst vor Gitarrensoli—Bilderbuch wollen wieder mehr Guitar Hero in die Musik einbringen.

von Ayke Süthoff
20 Februar 2015, 10:00am


Foto © Giacomo Cosua | VICE

Die Wiener Band Bilderbuch ist seit anderthalb Jahren Hoffnungsträger und Hypeband Nummer eins im deutschsprachigen Raum. Im Sommer 2013 veröffentlichte die Band das Video zu „Plansch“ und die Blogwelt drehte durch. Als dann ein paar Wochen später auch noch das Video zu „Maschin“ folgte, war die Euphorie kaum noch zu bremsen—Indie auf deutsch geht ja doch. Noch dazu nicht verkopft intellektuell, sondern funky, ironisch, sexy. 2014 haben die vier Jungs dann größtenteils auf der Bühne verbracht, im Vorprogramm von Casper, Beatsteaks und auf zahllosen Festivals.

Was dabei außerhalb von Österreich kaum einer wusste: Bilderbuch spielen schon seit der Schulzeit in fast unveränderter Formation zusammen, haben schon mehr als 300 Gigs gespielt und bereits zwei Alben veröffentlicht. Für die Masse ist das kommende Woche erscheinende Album Schick Schock trotzdem so etwas wie ein Debüt, das—so viel können wir schon verraten—hält, was es verspricht. Wir haben mit Sänger Maurice über den Hype, die Erfahrungen aus zehn Jahren Bandgeschichte und Gitarrensoli gesprochen.

Noisey: Ihr spielt als Band schon ewig zusammen, was vor allem in Deutschland kaum bekannt ist. Hierzulande seid ihr eigentlich erst mit den Video zu „Plansch“ und „Maschin“ bekannt geworden, dann aber gleich so richtig. Wie hat sich das für euch angefühlt—ihr spielt schon so lange zusammen und plötzlich redet jeder über euch?
Maurice: Stell dir vor, das wäre als allererstes Ding passiert! Dann wäre es sicher noch absurder gewesen. Dann steigt nämlich wirklich ein interner Druck, im Sinne von: Wie willst du dem gerecht werden, bist du dem gewachsen? Du hast ja noch kein Backup. Was hast du gemacht, um dahin zu kommen? Nicht so viel. Der Punkt ist: Dadurch, dass es uns schon so lang gibt, haben wir schon sehr viel Musik gemacht und auch schon mehr als 350 Auftritte gespielt hatten, bevor „Plansch“ überhaupt rausgekommen ist, haben wir ein gewisses Selbstvertrauen. Wenn wir heute auf die Bühne gehen, sind wir extrem selbstbewusst. Daher rührt auch eine Selbstverständlichkeit und euch eine Sicherheit, die wir von der Bühne aus wieder runtertragen. Wir waren immer eine Band, die nicht übers Radio oder übers Internet gekommen ist, sondern wir haben einfach live gespielt. Somit will ich sagen: es hat sich eigentlich nur gut angefühlt. Wir wussten, wir sind eine gute Liveband, das haben wir uns erspielt und jetzt hören das im besten Fall einfach noch mehr Leute. Wir haben die Musik alle super gefunden, wir waren echt stolz. Da etwas zurückzubekommen, macht doch mehr Spaß als wenn du überhaupt nicht weißt, wie dir geschieht.

Ihr habt vor dem jetzigen schon zwei Alben veröffentlicht, von denen in Deutschland—würde ich jetzt mal behaupten—niemand was mitbekommen hat.
Grob gesagt, kann man das schon so sagen. Also im Verhältnis zu dem, was jetzt passiert… Aber in Österreich haben wir mit dem zweiten Album 350 bis 450 verkaufte Tickets in Linz und Wien gehabt. Da sind wir schon a bisserl mehr eine Traditionsband und a bisserl mehr Kult, weil wir halt ein bisserl mehr Geschichte haben. Und das macht auch Spaß, wenn du merkst, da gibt es Leute, die verfolgen das seit Jahren und sind extrem interessiert. Von den 350 Auftritten, die wir bis dahin gespielt hatten, waren bestimmt 250 in Österreich. In so einem kleinen Land, geht das halt nicht spurlos an einer Generation vorbei.

Hattet ihr in der langen Zeit nie eine Phase, in der ihr gezweifelt habt, ob es Sinn macht, weiter in dieser Kombination Musik zu machen?
Klar gibt’s gewisse Grenzen. Wir heißen Bilderbuch, das Ganze ist in der Schule entstanden, das war alles sehr naiv gedacht. Und irgendwann hast du da mit 23 oder 22 kurz schon mal gedacht, sollen wir uns umbenennen, sollen wir nochmal neu anfangen? Keine Ahnung, solche Gedanken sind ganz normal. Der Punkt, dann dabei zu bleiben—ich kann mich noch erinnern, wie wir darüber diskutiert haben „Nah, warum sollten wir den Namen ändern?“—das ist genau das Coole, das ist genau das, was uns zu fast jedem Projekt, was wir im Moment an Musik konsumieren, unterscheidet. Wir haben eine Geschichte und die ist nicht erfunden und zu der können wir auch stehen und das ist wunderbar! Das gibt uns auch die Sicherheit, weiterzumachen. Weil das nicht aus der Luft gegriffen ist. Und weil Erwartungen, in dem Moment, in dem sie entstehen, wieder zerstört werden—aus der Vergangenheit heraus. Das ist auch cool! Wenn du dich genau mit der Band beschäftigst, siehst du eine extrem lustige Entwicklung und das spricht ja nur dafür, was beim nächsten Mal passieren kann—da wird ja wieder eine Entwicklung sein. Keine Ahnung!

Musikalisch kann man durchaus einen Bruch zwischen dem zweiten Album und der Feinste Seide EP erkennen. Vorher war es ja doch eher so klassischer Indierock…
Ja, wobei… Also, das erste Album war, glaube ich, schon so klassischer Indierock. kraftvoll vorgetragen, aber eigentlich eher klassisch. Das zweite war dann schon ein Bruch zum ersten, ja, weil es extrem progressiv war, extrem diskurslastig, schwer zu hören, extrem anstrengend eigentlich. Und dann ist eigentlich lustig, dass das dritte Album wieder eine extreme Veränderung ist. Weil wir jetzt überproportional bekannter sind, fällt es jetzt halt erst auf, dass das dritte so anders ist, als das erste und das zweite. Da berücksichtigt keiner, dass es bisher immer so war. Aus der Kürze der Distanz fühlt es sich an wie eine Riesen-Diskrepanz. Aber wenn Bilderbuch irgendwann zehn Alben veröffentlicht hat, fühlt es sich wie eine logische Kurve an. Das kann man nur aus einer gewissen Distanz beurteilen. David Bowie oder Bob Dylan oder Prince, die hatten alle innerhalb von zwei, drei Jahren so einen Wechsel. Das fühlt sich immer hart an, aber auf eine längere Karriere hin gesehen, ist das dann gar nicht mehr so krass. Es klingt ja trotzdem nach Bilderbuch.

Also hattet ihr vor der EP kein Meeting, in dem ihr entschieden habt, mal was komplett Neues zu probieren.
Nah, nah, wir haben immer das gemacht, was uns richtig erschienen ist. Bei der zweiten Platte war sehr viel Trotz dabei, bei der ersten ging es nur darum, dass wir eine Band sind und Lieder machen. Jetzt bei der dritten wollten wir was machen, das uns gefällt. Lasst uns dorthin gehen, was wir selber super finden. Eine Bewusstwerdung von Geschmack, es ging darum, unseren Geschmack zu formen. Das war jetzt das Ziel.

Ihr habt dabei ja schon so eine Art Signature Sound entwickelt—also musikalisch etwas gemacht, das international vielleicht schon existiert, aber auf deutsch vollkommen neu ist. Von außen wirkt das wie ein sehr durchdachter Schritt.
Wenn du Musik machst, hörst du bei anderer Musik sehr genau hin—also ich zumindest. Wir wollten R’n’B, Soul, aber auch Minimalismus in unserer Musik verbinden. Das soll auch laut sein, aber nicht nur Matsch und so. Ich lass mich gern überraschen und das will man natürlich auch auf seinen eigenen Stil übertragen, das ist eigentlich die größte Herausforderung, das hinzubekommen, ohne seine Wurzeln zu verraten. Es bleibt Bilderbuch. Ich glaube, das haben wir bei Schick Schock geschafft und das ist auch gut zu wissen, dass das so ist, egal in welche Richtung wir Schlenker machen.

Ist es bei diesen Schlenkern eine große Herausforderung, sich in der Band einig zu werden? Gerade, wenn man schon so lange zusammenspielt?
Natürlich. Aber wenn zwei, drei Leute—oder es reicht manchmal auch einer—wenn einer richtig Feuer und Flamme ist und dafür kämpft, dann kann das auch die anderen mitreißen. Es kann natürlich auch immer wehtun, wenn man für etwas brennt, wofür die anderen nicht brennen. Wir haben das Glück gehabt und das zeichnet gerade unseren Sound und unser Ding aus, dass wir ein Rezept für uns gefunden haben, mit dem gerade alles sehr gut funktioniert. Wir verstehen uns super und wir reden alle ungefähr vom Selben, wenn wir miteinander reden.

Kommunikation in einer Band ist ja oft sehr schwierig, zum Beispiel einem Gitarristen zu erklären, dass es manchmal geiler ist, wenn er weniger macht.
Bei uns ist das ganz lustig, ich habe das Gefühl, dass ich die letzten zweieinhalb Jahre immer gesagt hab: Mach mehr! Ja wirklich. Weil es ein Gitarrist heutzutage sowieso relativ schwer hat, aus dem Klischee auszubrechen. Ich kann mich daran erinnern, dass ich die ganze Zeit den Mike motiviert habe, du kannst so gut spielen, wir müssen wieder ein bisschen mehr Guitar Hero reinbringen. Mehr Gitarrensoli! Da und dort hatte ich eine Gesangslinie und habe dann aber gesagt: Spiel’s mit der Gitarre, ich sing nicht. Dieses bewusste, im richtigen Moment die Gitarre wieder vorschieben und einfach sagen: „Hey, hier bin ich!“, das ist ja auch ein Stilmittel. Dadurch ist es ein extremes Gitarren-Album geworden, ohne in der Tradition von Gitarrenalben der letzten zehn Jahre zu stehen.

Ja, weil die Gitarre nicht die ganze Zeit Rhythmusakkorde spielt, sondern oft gar nichts macht und trotzdem so wichtig bleibt.
Genau das war die Herausforderung, wir wollten, auch was Sound angeht, die Gitarre weiterbringen. Wenn du acht Jahre Proberaum-Erfahrung hinter dir hast, dann willst du schauen, wo du eigentlich mit dem Instrument hingehen kannst. Diese Frage haben wir uns gestellt: Wo können wir mit diesem Instrument hingehen? Das war eines der Hauptaugenmerke—wie kann man mit der Gitarre arbeiten.

Es ist sehr beeindruckend, dass ihr schon in der Schulzeit zusammen gespielt habt und es über diese relativ lange Zeit geschafft habt, als Band zusammenzubleiben. Gerade in dieser Zeit zwischen 15 und 25 Jahren entwickelt man sich ja unfassbar weiter und oft auch auseinander. Der eine geht nach der Schule nach Wien, der andere…
… nach Graz. Ja, bei uns war es auch so. Der erste Gitarrist ist nach Graz gegangen und der Rest nach Wien und das war dann auch der Grund, warum es logisch war, Mike mit in die Band aufzunehmen. Andererseits war das auch ein Vorwand—solche Entscheidungen sind ja oft auch ein Vorwand, etwas zu ändern. Wir hatten das Glück, dass kurz nach dem Abschluss mit 18 Jahren der richtige Mensch da war, der einfach gesagt hat: Macht jetzt ein Album. Schreibt noch drei Lieder und dann nehmen wir ein Album auf. Wäre der damals nicht gekommen und hätte nicht an uns geglaubt, wenn diese Kleinigkeiten in einer Bandgeschichte nicht passieren, dann kann es sein, dass die Energie verpufft und dann ist es vorbei. Wenn der Mike nicht eingestiegen wäre und seine Band für Bilderbuch verlassen hätte und unser Live-Set dadurch nochmal besser gemacht hat… Aus der Not ist da immer ein Glücksfall geworden. Bilderbuch—und das ist das Schöne—hat immer Glück gehabt. Auch in Momenten, in denen es hätte schlecht ausgehen können.

Damit beziehst du dich jetzt auf die Besetzung.
Ja, genau. Abgesehen davon haben wir immer nur auf die Musik geachtet und einfach unser Ding gemacht. Die Musik war immer wichtig. Wie wir angefangen haben zu studieren und nach Wien gekommen sind, waren wir sofort in der Musikszene. Wir waren sofort da. Musik war immer da. Ich habe damit ja auch nicht als Student angefangen, sondern bin als Musiker in die große Stadt gezogen. Ich hab dann eigentlich mein Studium immer mehr und mehr vernachlässigt und jetzt liegt’s halt brach.

Aber ihr kommt ursprünglich alle vom Land und alle vier—auch Mike, der später eingestiegen ist—aus derselben Gegend.
Ja, genau, wir kommen alle aus dem selben Nest und haben uns—überspitzt ausgedrückt—dazu entschlossen zusammen nach Wien zu gehen. Das ist fast schon Brüder-mäßig.

Brüder-mäßig ist ein sehr gutes Stichwort, denn ist ja nicht unbedingt selbstverständlich, dass man sich über so einen Zeitraum in einer Gruppe versteht und befreundet bleibt. Wie steht ihr denn aktuell als Band zueinander? Ihr erlebt ja gerade sehr viel.
Grundsätzlich würde ich sagen, dass wir noch nie vorher so eine gute Bandharmonie gehabt haben, so eine ehrliche Harmonie. Wenn’s bei uns früher an irgendwas gemangelt hat, dann war’s eine Geradlinigkeit, in der Art und Weise zu kommunizieren. Und das haben wir jetzt und das ist extrem wichtig. Ehrlich sein—und dabei sich gut verstehen und Freunde sein. Wenn man das hat, hat man auch denselben Geschmack und auf einmal, fängt es an, Spaß zu machen und dann kriegt es so einen Drive und es harmoniert. Man ist sich dann auch einig, das ernsthaft anzugreifen. Da gibt’s dann kein „Ich muss jetzt in die Uni“, oder so.

Du bist in den Medien und vielleicht auch auf der Bühne die Person, die Bilderbuch ein Gesicht gibt. Keine Ahnung, ob ihr das bewusst steuert oder wie das passiert ist…
Tja, über die Jahre entwickelst du natürlich Stärken und es wird klar, der eine macht das, der andere macht das. Ich halte mich zum Beispiel immer mehr und auch bewusst aus der Live-Umsetzung raus. Man kann sich nicht um alles kümmern und das ist etwas, wo ich sage, ich vertraue 100-prozentig meiner Band. Genauso kriege ich auch das Vertrauen von meiner Band dafür, dass ich jetzt zum Beispiel hier dieses Interview allein mache. Das schmälert nicht, dass wir als Band funktionieren und als Band die Musik schreiben. Dass ich das Sprachrohr dieser Idee bin, finde ich, ist eigentlich ganz okay. Kraftwerk hat zum Beispiel ein einziges überliefertes Fernsehinterview gegeben und dort sagen sie: „Wir reden nicht gern, deswegen machen wir Musik.“

Du redest aber gern.
Ja, andererseits habe ich auch mal gesagt: „Mike, mach du das Interview.“ Weil es dann auch mal spannend ist, wenn es ein Interview mit einem aus der Band ist. Aber ich bin halt der, der auch gern die Öffentlichkeitsarbeit macht. Ich rede ja auf der Bühne auch, ich singe ja auch. Daher macht es ja irgendwo auch Sinn.

Deine Bandkollegen sind da also nicht neidisch auf deine Rolle als Rampensau?
Naja, Rampensau würde ich gar nicht sagen, der Mike ist auch eine extreme Rampensau. Letztlich ist jeder für sich eine Rampensau. Eigentlich geht’s ja um das Abliefern und Performen auf der Bühne, das miteinander Musik machen. Das hat wenig damit zu tun, was ich jetzt hier im Interview mit dir sage und was ich für Geschichten erzähle.

Du hast vorhin Kraftwerk angesprochen—ich denke, dass es heute nahezu unmöglich ist, keine Interviews zu geben. Oder nicht bei Facebook, Instagram und Twitter präsent zu sein.
Ich glaube, du brauchst ein dermaßen gekonntes Image, das auch schon wieder so kalkuliert und straight sein muss, dass du gleichzeitig präsent bist und mystisch bleibst. Bilderbuch ist trotz allem eine mystizistische Band im Vergleich zu anderen deutschen Bands. Kraftklubs Image ist zum Beispiel viel mehr nach dem Motto „Der Fan und ich, wir nehmen uns gegenseitig in den Arm“. Bilderbuch ist eine distanzierte Band. Und das finde ich auch ganz angenehm. Aber man kann sich nicht ganz verschließen. Das müsste man dann mit noch mehr Kalkül machen, dass man sagt, man zieht sich zurück, aber mit einer gewissen Sexyness—denn das, was du nicht zeigst, muss ja gerade deshalb spannend sein. Wenn du nichts zeigst, und das aber auch nicht spannend ist, ja dann… ist das Ergebnis klar.

Apropos Sexyness—das österreichische GQ-Mag hat dich zum Best Dressed Man gekürt.
Wahnsinn, oder? Da kommst du wie die Jungfer zum Kind—du machst, was du schon seit Ewigkeiten machst und auf einmal passieren so Dinge. Ja, das ist lustig.


Foto © Giacomo Cosua | VICE

Du bist aber schon sehr modeinteressiert.
Ja, grundsätzlich habe ich mich auch nie davon distanziert. Mir war immer wichtig, wie wir angezogen sind, wie wir auf Fotos aussehen, welche Bühnenoutfits wir haben. Mir ist wichtig, dass das einhergeht mit der Musik. Du kannst keine poshe Mucke machen und dort auf den Putz hauen und das dann nicht verkörpern. Ich lebe das ja auch und ich freue mich darüber. Ich meine das ja alles ernst. Das mit der GQ ist einfach nur eine lustige, kleine Sache mit der Konsequenz, dass dann die Oma anruft oder die Mama und sagt: „Das ist unglaublich“ und vor einem Monat haben sie noch gesagt, ich hätte einen schiachen Schal (lacht). Sowas bringt die Band natürlich in irgendwelche Kreise, wo sie vorher noch überhaupt nicht präsent war. Da kannst du aktiv als Band auch nichts machen. Wir werden einfach unser Ding weiter durchziehen und wenn solche Dinge passieren, dann ist das eigentlich nur cool. Weil wir sind ja cool. Wir machen coole Mucke und ziehen uns cool an.

Ihr werden aktuell so ein bisschen zu den Repräsentanten Österreichs in Deutschland. Nervt euch das schon?
Nein, es nervt überhaupt, im Gegenteil. Bands wachsen durch die Klischees, die sie bedienen. Und wenn das das Klischee ist, das die Medien für uns auserkoren haben, setz ich mein Amen drunter und sag: Macht’s ruhig. Das ist nichts, was mich mit meiner Band in eine falsche Ecke bringt. Natürlich, ich bin Österreicher, ich wohne in Wien. Punkt.

Glaubst du, dass die Allmacht und allgegenwärtige Präsenz des Rap in Deutschland eine Entwicklung unterdrückt, wie sie in Österreich mit beispielsweise Bilderbuch oder auch Wanda gerade geschieht?
Nein, eigentlich glaube ich, dass genau dort die Chance liegt. Deutscher Rap hat aktuell so eine Hochphase, aber amerikanischer Rap—wenn man sich da die letzten fünf Jahre anschaut, dann hatte der Rap dort ein goldenes Zeitalter. Aber jedes Goldene Zeitalter geht irgendwann zu Ende, jedes Genre wird irgendwann überstrapaziert. Und ich habe das Gefühl, dass da jetzt so viel am Markt ist und alles misst sich mit den zehn großen Alben, dass das in der Masse irgendwann nichts anderes mehr ist als diese 2005er Franz-Ferdinand-Retrobewegung, wo vierzig Bands das gleiche machen. Am Ende bleiben dann nur die über, die wirklich eine eigene Idee bei dem ganzen haben. Das passiert im Rap gerade halt auch, besonders in Amerika. Run The Jewels—okay, das ist gut produziert, geiles Artwork und auch ein paar gute Songs, aber ich habe das wieder ausgemacht. Weil ich mir halt dachte, okay, das habe ich jetzt schon oft genug gehört, mich lockt das nicht mehr hinterm Ofen hervor. Wenn jetzt Kendrick, Frank Ocean und Kanye neue Alben rausbringen, dann wird’s nochmal interessant, aber alles andere, so die zweite Reihe, da fange ich schon an, dass ich ein bisschen härter mit ins Gericht gehe. Schoolboy Q… das sind dann nur noch die eh Coolen, nicht mehr die, die dich umhauen. In Deutschland ist das eigentlich dasselbe und daher sehe ich da eigentlich eher eine Chance. Die Genregrenzen existieren ja auch nicht mehr so, jeder Rapper findet Bilderbuch gut und wir finden HipHop gut und der Punker und der Rocker—alle treffen sich irgendwo in der Mitte und collagieren sich ihre eigene Musik zusammen. Das hat ja auch unseren ganzen Produktionsprozess gekennzeichnet, wir sind teilweise Songs angegangen wir HipHopper. Aus dem Spiel mit Traditionen kommt man eigentlich erst auf was Neues.


Das Bilderbuch-Album Schick Schock erscheint am 27.02., ihr könnt es bei iTunes oder Amazon kaufen.

Noisey präsentiert Bilderbuch auf Tour:

11.03.15 // Innsbruck, Weekender (SOLD OUT)
12.03.15 // Salzburg, Rockhouse (SOLD OUT)
13.03.15 // Graz, Orpheum (SOLD OUT)
14.03.15 // Linz, Posthof (SOLD OUT)
01.04.15 // Wien, Arena (SOLD OUT)
18.03.15 // Erlangen, E-Werk
19.03.15 // München, Strom (SOLD OUT)
20.03.15 // Berlin, Astra
21.03.15 // Leipzig, Täubchenthal
22.03.15 // Hamburg, Mojo
23.03.15 // Hannover, Faust
25.03.15 // Stuttgart, Wagenhallen
26.03.15 // Köln, Stollwerk
27.03.15 // Frankfurt, Zoom
28.03.15 // Zürich, m4music
29.03.15 // Heidelberg, Halle 02
30.03.15 // Münster, Sputnikhalle

18.06.15 // Wien, Arena, OpenAir
08.01.16 // Graz, Orpheum


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