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Die schrecklichsten Künstler, die unerklärlicherweise großen Erfolg haben

Dieser Artikel beschäftigt sich mit Musikern die gemeinhin schon als „echte“ Musiker gelten und eine große Karriere haben—und trotzdem furchtbar sind.
14.3.16

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Ja, wir wissen es: Top 40-Pop ist unanhörbar. Dieser Artikel beschäftigt sich jedoch nicht mit klassischem Top 40-Plastikpop, sondern mit Musikern, die gemeinhin schon als „echte“ Musiker gelten und eine große Karriere haben—und trotzdem furchtbar sind. Niemand versteht, warum diese Musiker jemals vom lokalen 200er-Club in ein Stadion gekommen sind. Aber gut, es hat auch Jahrhunderte gebraucht, bis man so annähernd verstanden hat, warum Dinge nach unten fallen. Ganz verstehen wir es immer noch nicht.

Muse

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Eines vorweg: Muse hatten ja ein paar gute Alben. Die ersten drei. Danach ging es immer schneller und steiler bergab. Die Musik wurde noch pompöser, das Ego mit jeder Million verkaufter Tonträger noch größer, der Kitsch und das Pathos nahmen überhand. Aus diesem eigentlich ganz unterhaltsamen Radiohead-Klon wurde das glattgebügelte Corporate-Rock-Monstrum, welchem man sich nicht mehr entziehen konnte. Spätestens als die Twilight-Autorin Stephanie Meyer ihre Liebe zu Muse gestand und sie für den Soundtrack des ersten Twilight-Films ins Boot holte, hätten alle Alarmglocken klingeln sollen. Bands können zwar nichts für ihre Fans, aber hier war dann wirklich Schluss. Jetzt sind Muse primär eine Parodie ihrer selbst, ihr neues „gitarrenlastigeres“ Album klingt immer noch so glatt wie ein Guetta-Track und der politische Diskurs in ihrer Musik findet auf einem bodenlosen Level statt. Schade eigentlich. Schade.

Adele

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Ja, Adele. Die Retterin der Musikindustrie. Wochenlang Platz eins. Die einzige Künstlerin, die wirklich noch Alben verkauft. Aber auch nur wegen ihrer Zielgruppenausrichtung. Ihre Zielgruppe müssen Menschen sein, die so brav sind, dass sie sich nicht mal trauen, etwas raubzukopieren. Menschen, deren tiefste seelischen Abgründe sich auf „Man hat per SMS mit mir Schluss gemacht“-Level sind. Menschen, deren Lebenserfahrung in drei bis vier Minuten Melodie-Lamentieren zusammengefasst werden kann. Zirka so stelle ich mir den durchschnittlichen Adele-Hörer vor. Natürlich auch ausgestattet mit genug Geld und Bobohaftigkeit, um wirklich bare Münze auf den Tisch zu legen für ein Adele-Album. So sympathisch Adele persönlich auch sein mag, so langweilig ist ihre Musik. Adele wird das so gut wie gar nicht interessieren, sie ist wohl der letzte wirkliche Popstar.

Parov Stelar

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Mal ehrlich—hat sich irgendjemand in seinem Leben einmal freiwillig Parov Stelar angehört? Elektro Swing ist etwas vom Schlimmsten, das man seit Jahrzehnten auf die Musikhörerschaft losgelassen hat. Dieser dahindümpelnde Lounge-House, der etwas lauter aufgedreht wird und dann auch noch mit echten Instrumenten gespielt wird. Muss einer der wenigen, international erfolgreichen Österreich-Exporte wirklich langweilig sein? Diese Parov Stelar-Tanzvideos, welche zum Meme wurden, erinnern auch eher an einen geloopten Charlie Chaplin-Clip, als an wertvolle Musik. Gute Tanzschritte tho. Parov Stelar ist das, was deine Mutter nach dem Familieneinkauf hören würde. Nichts gegen Musik für Mütter. Wenn wir aber schon seine Musik nicht feiern, dann feiern wir ihn, weil er es geschafft hat, über die Grenzen hinaus so bekannt zu werden. Das sei ihm trotz Elektro Swing gegönnt.

The Gaslight Anthem

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Schwierig. Irgendwie die englische Version der Böhsen Onkelz. Nur besser gesungen. Nicht ganz so schlimm wie die Onkelz, aber fürchterlich pathetische Musik für Leute, die jetzt auf „echte Musik“ stehen. Also Menschen, die gerne viel Geld dafür bezahlen, königlich gelangweilt zu werden. Ich dachte das Ganze heißt Entertainment-Industrie. Die Musik ist so defensiv, wie Cornflakes ohne Geschmack und so langweilig, wie Cornflakes ohne Geschmack. Es fällt irgendwie niemandem auf, wie komplett safe und belanglos Gaslight Anthem sind—weil zwei bis drei rhetorische Plattitüden über Gefühle und unverzerrte Gitarren aus dem Lautsprecher schallen. Gaslight Anthem sind die reiche Stadionversion von deinem blondgelockten Freund, der am Lagerfeuer immer schreckliche Lieder über Herzschmerz mit seiner Akustikgitarre trällert.

Coldplay

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Chris Martin hätte sich lieber auf seine Ehe mit Gwyneth Paltrow konzentrieren sollen, anstatt über noch ein langweiliges Coldplay-Album zu jaulen. Auch Coldplay waren wie Muse am Anfang eine Radiohead-Coverband. Eine der weniger schlechten sogar. Mit jedem weiteren Album und mit jedem größeren Erfolg wurde die Musik von Coldplay einfach nur schlimmer und schlimmer. Wie Muse haben sie, fast parallel, die Wandlung von kompetenter Radiohead-Hommage zu Head-Up-Your-Own-Ass Stadionrock vollzogen. Will das Publikum wirklich die ganze Zeit Kinderreime über Delay-Gitarren hören? U2 gab es doch schon. Gibt es sogar immer noch. Coldplays Superbowl-Auftritt musste sogar von Beyonce gerettet werden. Habt ihr den Auftritt gesehen? Viel mehr Fremdscham geht kaum mehr.

Paul Kalkbrenner

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Der deutsche David Guetta—nur noch viel langweiliger. Ja—noch (sic!) langweiliger. Während Guetta-Songs meistens—wenigstens—eine hörbare Popcorn-Hook haben, verarbeiten die Kalkbrenner Songs irgendwelche „könnte auch auf einer Cafe De La Mar oben sein“-Schnipsel mit langweiligen House-Beats. Mehr passiert da nämlich nicht. Das wars. Und Tausende taumeln gruselig daneben beim Tomorrowland dazu herum. Sogar The Walking Dead-Zombies wirken dagegen wie frisch aus der Dusche. Warum hört sich das irgendjemand an? Kalkbrenner ist nicht mal das musikalische Equivalent von McDonalds—sondern das von trockenen Haferflocken. Komplett einfallslos, eindimensional und vorhersehbar langweilig. Du weißt schon vor dem ersten Löffel, was dich erwartet und fragst dich danach, warum du ihn dir jetzt trotzdem in den Mund gesteckt hast, mit der leisen Hoffnung, dass das Ergebnis doch ein anderes sein wird. Nein, es ist und bleibt trocken und langweilig. Wenn Chris Martin darüber singen würde, könnte es direkt als nächstes Coldplay-Album durchgehen. Paul wird übrigens auch von Heinz Christian Strache gerne gehört.

Sportfreunde Stiller

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Noisey hat schon versucht empirisch zu erörtern, ob die Sportis jetzt gut sind oder nicht. Die Frage ist eindeutig mit Nein zu beantworten. Schrecklicher Provinzrock mit später Hipster-Image Anbandelung machen es nicht besser. Irgendwie vergleichbar mit The Gaslight Anthem. Mindestens gleich schlimm, wenn nicht noch schlimmer. Musik für Menschen, die keine Musik mögen, sondern Berieselung mit einer Gitarre dazwischen. Am ehesten erkennt man stagnierende Bands daran, wenn das erste Lied bei Youtube auch ihr erster und ältester Hit ist.

Disturbed

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UH-WAH-AH-AH-AH. Gut, jeder hat mal Disturbed gehört. Mit 16. Circa zwei Monate lang musste die Familie von jedem adoleszenten Metalhörer David Draimans Vocals über sich ergehen lassen. Ist auch OK, wenn man über Bands zu anderen Bands findet. Wie Disturbed sich jedoch diese riesige Fanbase erhalten können, ist ein Rätsel. Gibt es so viele 16-Jährige, die einfach noch nicht wissen, was guter Metal ist, dass Disturbed eine so lange und erfolgreiche Karriere haben können?

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