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Achtung, freundliche Kiwara—Betrunkene Begegnungen mit der Polizei

Die meisten Menschen, haben ihren ersten Konflikt mit der Polizei beim Fortgehen. Wir haben Geschichten gesammelt und gefragt was passiert ist.

von Fredi Ferkova
03 April 2015, 12:06pm

Foto: powerboox | CC BY-SA 2.0 | flickr |

Die Polizei—eine untergründige Gang am Rande der Gesellschaft, die man am besten gar nicht trifft. Bedeuten doch die „Freunde und Helfer“ meistens Ärger. Wir alle hatten schon das ein oder andere Mal, mit der Polizei zu tun. Für manche ging es gut aus, für manche schlecht. Gemeinsamkeit: Die Meisten von uns, haben ihren ersten Konflikt mit der Polizei beim Fortgehen erlebt. Die Gang zieht es nämlich besonders nachts raus, wenn der arme Bürger zu und hilflos ist.

Ich habe auf Facebook und in der Redaktion nach Erfahrungsberichten gefragt und verschiedene Geschichten bekommen. Ist doch die Polizei keine homogene Einheit, die immer gleich auf gleiche Situationen reagiert. Wir alle wissen, dass Kiwara auch Menschen sind. Während der eine den Beruf aus Idealismus ergriffen hat, hat den anderen die zukünftige Machtposition als Motivation gedient. Ähnlich wie bei Lehrern. Trotzdem ist ihre Funktion von Nöten, da die Bevölkerung Österreichs auch keine homogene, gleichagierende Gruppe ist. Manche von uns brauchen tatsächlich eine Kontrolle von außen. Das ist mindestens genauso traurig, wie Polizisten, die ihre Macht gerne benutzen um eingeschränkte Weltansichten zu reproduzieren.

Aber die Sonne scheint, ein verlängertes Wochenende kommt auf uns zu: Hier also die Storys, die zeigen, dass die Polizei eh leiwand sein kann. Und Erfahrungsberichte über die man schmunzeln kann. Leichte Kost zum Osternauftakt. Guten Appetit!

Das eine Mal, als ich einen Polizisten umarmen wollte und der Polizist dann leiwand war

„Vor ca. einem Jahr war ich so drauf, dass ich gedacht habe, ein Polizist ist ein ehemaliger Schulkollege. Also bin ich auf ihn zu, es war irgendein sonniger Vormittag, und wollte ihn umarmen. Der Bulle sagte sowas wie: „Sie dürfen mich nicht anfassen!“ Und ich hab dann „OK“ gesagt und bin weg. Nicht ohne einen Ofen anzuzünden. Er hat aber nichts gemacht, fand ich vor allem am nächsten Tag echt leiwand.

Das eine Mal, als ich bei der Polizei Basic Instinct nachgespielt und ihnen meinen Hoden gezeigt habe

„Ich war noch relativ jung, 21 oder so. Ich bin mit meinen Freunden in der Stadt unterwegs gewesen. Auf dem Weg zu einem Club bin ich mit dem Fuß in einer Straßenbahnschiene hängen geblieben, habe einen Riesen-Ausfallschritt gemacht und mir die Hose vom einen Knie bis zum anderen aufgerissen. Meine Freunde haben mich dann noch davon zu überzeugen versucht, dass „das eh ginge“, aber ich erklärte ihnen, dass an ein Fortgehen mit völlig zerfetzter Hose nicht zu denken sei. Vor allem, weil es relativ kalt war und meine besten Teile jetzt nur noch durch eine dünne Shorts geschützt waren. Ich setzte mich in die S-Bahn nachhause, und es kam, wie es kommen musste: Ich schlief betrunken ein und wachte erst an der Endhaltestelle auf. Dort hieß es zwei Stunden warten, weil der Fahrplan da ein unangenehmes, nächtliches Loch aufwies. Ich lungerte also mit zerrissener Hose nachts am Bahnhof herum, als zwei Polizisten auftauchten, mich kontrollierten und einen vorgedrehten Joint fanden. Einen.verfickten.vorgedrehten.Joint. Ich wurde mit auf das Revier genommen, wo ich ziemlich unfreundlich und patzig war, weil ich ja eh wusste, dass aus dieser Anzeige nie und nimmer irgendwas werden würde. Man setzte mich relativ dramatisch auf einen Stuhl vor den Tisch des verantwortlichen Polizisten, wo ich mich—man erinnere sich: die zerrissene Hose—breitbeinig hinsetzte, während mein Sack rechts aus der Shorts herausfiel. Ja, genau: Wie bei Basic Instinct, nur haariger und männlicher. Das irritierte den Polizisten offenbar auf die Dauer ein wenig. Zwischen den sinnlosen Fragen, wo ich das Gras her habe, bat er mich irgendwann, ob ich die Beine etwas zusammenhalten könnte. Ich sagte, und darauf bin ich heute noch ein bisschen stolz: „Nein. Ich möchte, dass das hier Ihnen genauso viel Spaß macht wie mir.“ Ich glaube, dass es ihm letztlich sogar ein bisschen unangenehmer war. Nur so ganz am Rande: Ich behielt übrigens Recht. Mein Hoden und ich haben letztlich nicht mal einen Brief von der Staatsanwaltschaft erhalten.

Das eine Mal, als ich mit einem bayerischen Polizisten geknutscht und gekifft habe

„Einmal war ich auf einem Volksfest in Bayern. Ich kiffe gerne und verstecke meinen Konsum auch nicht. Jedenfalls war ich total besoffen und hab seit einiger Zeit mit einem Typen geflirtet. Es stellte sich heraus, dass er Polizist ist—ich habe mir den Ausweis zeigen lassen. Das fand ich in meiner Zuheit wirklich lustig und habe daraufhin mit ihm geschmust. Dann habe ich ihn gefragt, ob wir nicht einen Ofen rauchen wollen. Er wollte. Ich habe seine Nummer.“

Fotos via VICE Alps

Das eine Mal, als die Polizei für acht Leute 20 WEGA-Beamte geholt hat

„Einmal war ich bei einer Afterhour und die war in einem Club, der irgendwie keine Berechtigung hatte offen zu haben. Das hat natürlich kein Gast gewusst. Ich habe nur mitbekommen, dass zwei Polizisten mit dem Bartypen vor der Tür diskutiert haben. Ich dachte mir nichts weiter dabei, es waren nur noch maximal acht Gäste da und es war sehr ruhig und friedlich. Plötzlich sind an die 20 WEGA-Polizisten einmarschiert und haben geschrien, dass die Party aufgelöst ist. Okay, also haben wir uns ruhig angezogen und wollten gehen. Daraufhin meinten sie, dass niemand gehen darf bis nicht alle Ausweise kontrolliert wurden. Der jüngste Mensch von den acht, war Mitte zwanzig. Also haben wir unsere Ausweise hergezeigt und sie haben sich Daten aufgeschrieben—außer dass 20 WEGA-Beamte eine total überzogene Zahl ist, sind sie mit uns äußerst unfreundlich umgegangen und haben uns auch nicht erklärt warum jetzt, was passiert. Wir waren mit einem Schlag kriminell und wurden auch so behandelt. Hat sich natürlich nicht gut angefühlt.“

Das eine Mal, und öfters, als ich die Polizei ausgetrickst habe

„Früher war ich noch dumm genug Homepartys zu schmeißen. Natürlich hat das erste Anklopfen der Polizei nicht lange gedauert—meine Nachbarin war eine schreckliche Krätze. Weil ich das aber wusste, habe ich eine tolle Art entwickelt mit ihr umzugehen. Jedes Mal wenn ich eine Party geschmissen habe, hatte ein Gast am Tschickfenster Ausschaupflicht. Ich wohne nämlich im Innenhof und aus meinem Fenster sieht man das Licht im Gang. Wenn es angegangen ist, wurde die Musik ausgestellt und das Licht abgedreht. Ich habe meine Homepartys, grundsätzlich im Pyjama verbracht. Und wenn die Polizei gekommen ist, um mir Lärmbelästigung vorzuwerfen, habe ich im Pyjama aufgemacht und verwundert geschaut. Dann habe ich immer so etwas gesagt: „Oh Mann, die Nachbarin von oben wieder, oder? Die hat ein paar Probleme, schauen sie bitte bei ihr rauf. Ich habe keine Party hier, wie sie sehen.“ Meistens ist es dann, bei maximal zwei Besuchen in einer Nacht geblieben. Heute bemitleide ich die Nachbarin, die weggezogen ist, ein bisschen.“

Das eine Mal, als die Polizei uns verschont hat, obwohl wir die dümmste Aktion der Weltgeschichte geschoben haben

„Haha einmal, waren wir im ersten Bezirk am Ring mit dem Auto unterwegs. Keine schlaue Aktion, der Fahrer war komplett besoffen und hat aus dem Fenster gekotzt. Also sind wir mitten auf der Straße stehen geblieben und haben einen Fahrerwechsel gemacht. Polizei hat uns natürlich aufgehalten und wollte, dass wir blasen. Sie hatten nur leider kein Mundstück für den Alkoholmesser dabei und haben uns deshalb weiterfahren lassen.“

Das eine Mal, als ich wegen der Polizei durch die Stadt nackt nachhause gelaufen bin

„Man weiß ja wie das ist. Es ist Sommer, die Brüste sind noch straff, die Nacht und das Schwimmbad lockt. Ich werde nicht lügen: Als ich jünger war, bin ich nachts ins Schwimmbad eingebrochen, das Coolste was man machen konnte. Mit dem Schwarm im leeren Becken knutschen, sich auf der ausgestellten, trockenen Rutsche die Knie aufschürfen und natürlich das Nacktbaden—das war der Inbegriff von Spaß. In einer Nacht, vor ein paar Jahren, bin ich mit meinem damaligen Fast-Freund ins Schwimmbad eingebrochen. Wobei eingebrochen immer so schlimm klingt: Es war eher ein über den Zaun klettern. Wir waren betrunken und wir waren nackt. Es ging heiß her, als wir die Autotüren gehört haben. Wir sind panisch aufgestanden und schnell weggerannt. Nackt. Unsere Sachen samt Geldbörsel und so weiter waren noch im Schwimmbad drinnen. Hat sich nicht als schlau herausgestellt—nicht nur dass wir den Heimweg nackt bestreiten mussten, sie haben natürlich unsere Daten gehabt. Eine Stunde später, standen sie vor meiner Haustür. Wir haben versucht uns rauszureden, aber sie haben uns erinnert, dass es Videokameras im Areal gibt. Man muss aber sagen, dass die Polizei uns eher ausgelacht hat und wir mit einer Verwarnung davon gekommen sind.“

Das eine Mal, als zum zweiten Mal mit einer Waffe auf mich gezielt worden ist

"Ich mag eigentlich keine Waffen. Und wie jeder, der keine Waffen mag, mag ich Dinge, die so tun, als ob sie Waffen wären, umso lieber. Dazu gehören Spielzeugwaffen, Paintball-Waffen, Waffen in Videospielen und vor allem Softguns. Erstere haben mich zu Halloween mal in eine witzige Situation gebracht, die mit meiner Verkleidung als Ichi The Killer begann und mit einer Straßensperre und der Festnahme eines Bekannten endete. Aber das ist eine andere, längere Geschichte. Hier geht es nicht um Spielzeugwaffen. Es geht um Softguns. Zirka drei Jahre nach der Halloween-Festnahme ereignete sich folgendes Telefonat mit meinem Mitbewohner:„Markus, komm runter, ich komm gleich mit dem Moped vorbei und wir fahren Softguns kaufen, um die Tauben im Innenhof abzuschießen.“

„OK.“

Das klingt jetzt ein bisschen leichtfertig, aber ich hatte keinen Grund, seine Logik anzuzweifeln. Immerhin hatten wir einen Innenhof, der oben mit einem Gitter gegen Tauben schützen sollte—aber es gab trotzdem immer wieder einzelne Flugratten, die sich einen Weg durch die Maschen bahnten. Sie mussten vertrieben werden.

Weil wir nicht nur besorgte Bewohner mit starkem Bewusstsein für den Erhalt unseres Mietobjekts waren, sondern außerdem noch Studenten, haben wir nach dem erfolgreichen Einkauf relativ sofort mit dem Biertrinken begonnen und sind dann kurz nach Sonnenuntergang runter zur Straßenbahn-Remise ums Eck spaziert, um Zielübungen durchzuführen. Dafür stellten wir Bierdosen auf einen kleinen Stromkasten und schossen eine Viertelstunde in der Gegend herum. Eine Sekunde lang überlegte ich, ob das Ganze wirklich so schlau war. Immerhin lag die Remise nicht im Nirgendwo, sondern an einer großen, viel befahrenen Kreuzung. Ein paar Sekunden später kam eine Polizeistreife mit Blaulicht vorbei, um mir die Frage zu beantworten. Ein Polizist stieg aus und zielte jetzt seinerseits auf uns, wie man das sonst nur aus Hollywood-Filmen kennt—oder, wenn man ich ist, von Halloween zwei Jahre zuvor. Nach dem Ichi The Killer-Vorfall hatte ich meinen Eltern gegenüber immer wieder beteuert „Irgendwann im Leben wird mir diese Erfahrung sicher noch was bringen“—aber nicht mal ich hatte damit gerechnet, dass sie sich bei einem zweiten, fast identischen Vorfall zwei Jahre später bezahlt machen würde. Zum Glück merkte der Beamte schnell, dass wir wirklich keine scharfe Munition hatten (und zwar, nachdem er zwei Testschüsse auf den Boden abgegeben hatte). Ich erklärte ihm relativ entspannt, dass wir Studenten wären und nur sehr viel Bier getrunken hätten. Er gab uns die Softgun zurück, legte den Kopf in die Position, in die Eltern ihre Köpfe legen, wenn man ihnen eine Freundin mit grünen Haaren vorstellt, und sagte zu uns: „Bitte, geht damit in den Keller und schießt auf Ratten oder so.“ Ich antwortete ihm „Wir haben nur Tauben im Innenhof, aber danke für die Erinnerung."

Das eine Mal, als die Polizei eine Grenze zwischen Kompliment und Sexismus gezogen hat

„Einmal habe ich betrunken einer Polizistin gesagt, dass sie scharf ist. Ich wurde angezeigt.“

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Fredi twittert jetzt und kennt sich noch nicht aus: @schla_wienerin.

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