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Lake Festival vs. Electric Love—Showdown der österreichischen EDM-Festivals

Am Lake konnte man genau beobachten, welche Menschen bereits Erfahrung mit Musikfestivals haben und welche immer noch an die Festivalstimmung glauben, die in zahlreichen Aftermovies sonnig und sauber rübergebracht wird.
2.8.16

Nein, das ist nicht der See, sondern der Eingang zur Halle. Fast alle Fotos von der Autorin

Der Festivalsommer 2016 hat gerade erst begonnen. Kaum sind Größen wie das Electric Love und Tomorrowland über die Bühne gegangen, stand auch schon die nächste EDM-Veranstaltung vor der Türe. Das Lake Festival am Schwarzlsee. Es war nur eine Frage der Zeit, bis ich mich das erste Mal auf den Weg nach Graz machte, um mir den Hype mal live zu geben. Da sowohl das Electric Love als auch das Lake Festival das gleiche Publikum ansprechen wollen, herrscht zwischen ihnen so eine Art Hassliebe. Vergleichbar mit Deutschland und Österreich. Samsung und Apple. So in etwa.

Um mir selbst ein Bild vom Lake zu machen, habe ich mir—anders als fürs ELF, für das ich die Karten 10 Monate früher bestellt habe—vergangene Woche spontan Tickets für ein Wochenende Gönnung am Schwarzlsee gecheckt. Jetzt hab ich wenigstens einen Vergleich für die Zukunft.

Camping- und Parkplatz

Ich wurde vom Electric Love sehr verwöhnt, da hatten wir Platz für drei Pavillons und man konnte bei jeder Gelegenheit zum Auto gehen und es sogar umparken. Nicht so am Lake. Parkplätze waren so gut wie gar nicht vorhanden, mein Auto stand irgendwo im Nirgendwo und ich musste meine Sachen in einem Durchgang mitnehmen, sonst wäre das Festival vorbei gewesen, wäre ich noch öfter zum Auto und zurück getrabt. Dasselbe galt für den Campingplatz.

Laut dem Telefonservice "Lake-Line" (bei dem erst nach dem elften Mal abgehoben wurde) wäre für jede gekaufte Karte ein Platz garantiert. Aha. Wir mussten trotzdem drei Stunden nach einem suchen, nur um dann erst recht ein paar Zelte weglassen zu müssen—Gruppenkuscheln bei über 30 Grad. Herz, was willst du mehr? Den Securitys zufolge kann man nämlich nicht ernsthaft erwarten, dass am Freitag noch genügend Platz vorhanden sei. Hier kann mir wohl jeder Festivalgeher zustimmen: Ist der Platz scheiße, dann ist die Stimmung scheiße und wenn die Stimmung mal scheiße ist, dann hat so ein Festival schon mal gute Karten—guess what: scheiße zu sein.

Wer am Sessel einpennt, hat verloren

Gelände

Im Endeffekt haben Platz und Stimmung dann eh wieder gepasst. Weil direkt neben unseren Zelten eine kleine Imbissbude stand. Es gab also jedes Mal Burger oder Pommes, ab und zu auch einen Döner. Wer die kleinen Dinge nicht ehrt, nicht wahr?

Genauso wie am ELF ging es am Campingplatz mehr ab als auf dem Festivalgelände. Das lag vermutlich auch daran, dass das Festivalgelände eher an einen Kirtag als an ein Festival erinnerte. Es gab Fahrgeschäfte und man konnte Bungee-Jumping ausprobieren. Bis jetzt wundert es mich, dass sich dabei keiner angespieben hat.

Die Mainstage war—habe ich mir sagen lassen—mit der gleichen Pappe wie im Vorjahr verkleidet und die restlichen Stages befanden sich in einer Halle, in der gefühlte tausend Grad herrschten. Man konnte also nicht nur umsonst schwimmen, sondern hatte auch für den Fall eines Kälteeinbruchs eine Sauna im Festivalpreis inkludiert.

Die Mainstage.

Das "Drinnen". Raver gehen auch dann nicht, wenn schon alle Lichter an sind.

Besucher

Am Lake konnte man genau beobachten, welche Menschen bereits Erfahrung mit Musikfestivals haben und welche immer noch an die Festivalstimmung glauben, die in zahlreichen Aftermovies sonnig und sauber rübergebracht wird. Ich habe Frauen in High Heels auf der Hardstyle-Stage gesehen und Männer, die sich ernsthaft einen Aufriss erhofft haben. Obwohl doch jeder weiß, dass es auf Festivals keinen Sex gibt—beziehungsweise geben sollte. Obwohl der ein oder andere Typ hartnäckig blieb und dir unbedingt was spendieren wollte, war keiner von ihnen auch nur irgendwie unangenehm. Die Typen hatten sich besser im Griff als auf anderen Festvials, auf denen ich bisher war. Irgendwie traurig, dass man sich über so etwas eigentlich freuen muss.

Ein Klischee stellte sich auch als Wahrheit heraus: Am Land sind alle freundlicher und hilfsbereiter. Meistens halt. Es gibt auch Idioten, die dich mit einer Wasserpistole nass spritzen, obwohl du dein Handy sichtbar in der Hand hältst. Oder Zelte verstellen, weil die im Weg waren. Oder Turnsackerl aufschlitzen und deine Wertgegenstände klauen. Insgesamt 21 Handys wurden an nur einem Abend gestohlen. Das ist fast die Hälfte von den Beamten, die im Einsatz waren—für 13.000 Besucher. Im Großen und Ganzen war aber jeder auf das Gleiche aus: feiern, Helga suchen und Will Grigg bejubeln.

Wetter

Ich weiß, ich weiß. Es gibt keinen Festival-Wettergott, der unsere Gebete erhört. Wenn doch, dann kann er mich gern haben. Das Unwetter kommt nämlich immer an den Tagen, an denen das Festival so richtig gut werden sollte. An denen die Besten der Besten auflegen und man von Mittag bis Mitternacht am Festivalgelände alles geben möchte. Stattdessen gab es nach dem "Hello Germany" vom DJ Will Sparks eine plötzliche Unterbrechung mitten im Set, in der vor dem bevorstehenden Unwetter gewarnt wurde. Für den Fall einer Evakuierung wurde um Ruhe und Ordnung gebeten, allerdings hatte das Lake Festival die Ordnung schneller in der Hand, als das Gewitter uns erreichen konnte. Anders als am Electric Love, wo auf allen Stages ein paar DJs gleichzeitig spielten, war es hier möglich, die Mainstage spontan in eine der Hallen zu verlegen. Respekt, dafür gibt es einen großen Pluspunkt. Auch für die Werbe-Regenponchos, die verteilt wurden und uns (und unsere Zelte) trocken hielten.

Blitze statt Feuerwerke über der Mainstage. Foto von Ludwig Kittel

Lebensretter!

Fazit

Das Lake Festival kann man gerne als Electric Love für Halbinteressierte bezeichnen, denn es war den Besuchern nicht wichtig, wie gut es organisiert war, welche namhaften DJs auflegten oder welche besonderen Bühnen- oder Eventorganisationen mit der Veranstaltung kooperierten. Hauptsache ein paar Tage Eskalation und fertig. Würde das Festival, so wie früher, nur einen Tag stattfinden, hätte es also komplett gereicht.

Obwohl ich das Lake nicht so schlecht wie erwartet fand, würde ich nicht nochmal so viel Geld ausgeben, nur um ein paar Tage am Wasser bei guter Musik einen Rausch mit meinen Freunden zu genießen. Das kann ich nämlich zu Hause am Pool auch. Gratis. Mit viel Platz. Da ist mir das ELF dann doch lieber. Dort hatte ich dieses unbeschreibliche Feeling, das man eben nur im Sommer in der Festival-Saison hat. Die Umgebung und Lage am Salzburgring ist für die Menschenmassen perfekt geeignet, es gab weder Parkplatz- noch Campingprobleme und selbst wenn, dann wurden diese so schnell wie möglich beseitigt. Die Veranstalter gehen intensiv auf Wünsche der Festivalbesucher ein, sodass sich das Spektakel von Jahr zu Jahr steigern kann.

Auch wenn man sich dort fast in die Hose pinkelt und der Lieblings-DJ seinen Flug nicht antreten kann—das Electric Love hat sich in den letzten Jahren einen guten Ruf gesichert, den man so schnell nicht übertreffen wird.

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