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Dinge, die du am Donauinselfest nicht tun solltest

Das DIF kann man hassen oder lieben. Wir pflegen eine starke Hass-Liebe.

von Fredi Ferkova
23 Juni 2016, 9:40am

Screenshots via YouTube

Das Donauinselfest. Eine Eskalations-Party der Stadt Wien fürs Fußvolk. Ein prächtiges Open Air der Gemeindebauten. Ein Fest, welches nicht vergnügungsteuerpflichtig ist. Hauptsächlich, weil das Donauinselfest kein Vergnügen ist, sondern Krieg. Im Volksmunde lieblich abgekürzt mit "DIF, heast". Jedes Jahr strömen Millionen von Besuchern auf die Insel, die auch bekannt als das Bibione von Wien ist, um das Leben, die Steuersätze und den Sommer zu feiern.

Diese Einleitung klingt böser als sie gemeint ist—immerhin gehörte ich einst zu eben jenen Menschen, die den beschwerlichen Weg auf die Insel mit der U6 auf sich genommen haben. Aber dann wurde ich halt 17 und meine Zuwendung galt hochwertigeren Lokalitäten, wie zum Beispiel dem Ride Club oder dem Club Couture.

Bei meinem ersten DIF war ich besoffen von Gummibärli (wer's nicht kennt: Das ist roter Eristoff mit Red Bull und gefrorenen Gummibärlis), habe zu Stars getanzt, die vor zehn Jahren einmal berühmt waren und habe Jungs kennengelernt, die auch auf Gummibärli waren. Das DIF ist meine Jugend und meine Erinnerungen an dieses Festival sind durchaus positiv. Heast.

Jedenfalls: Ich werde dieses Jahr den beschwerlichen Weg auf mich nehmen und zu Sean Paul tanzen. Ich bin gewappnet. Sollte euch "Get Busy" auch so reizen wie mich oder krasser, ironischer Scheiß, den ihr in eurer Freizeit macht, dann habe meine persönlichen Tipps für euch.

Mit der U6 fahren

Mit der solltest du an dem Wochenende auch nicht fahren, wenn du nicht das DIF besuchen möchtest. Es sei denn, du stehst auf Schweiß und Menschen. Oder du klaustrophil bist. Das ist das Gegenteil von klaustrophob. Wenn du auf diese Dinge nicht stehst, solltest du überhaupt nie mit der U6 fahren. Fahre einfach nicht damit.

Mit der U1 fahren

Meide einfach öffentliche Verkehrsmittel, die dich zur Donauinsel bringen. Nimm ein Taxi. Oder fahre mit dem Rad. Oder gehe zu Fuß. Aber fahre niemals mit der U-Bahn. Und wenn du es tust, dann nimm dir Deo und Geruchsschutz mit. Und einen Flachmann.

Menschen, die euch sagen, sie seien 18, glauben, dass sie 18 sind

Sie sind nicht 18. Wirklich nicht. Sie sagen es nur, damit du dich mit ihnen weiter beschäftigst. Wenn du gerne mit unter 18-Jährigen trinkst, dann glaube es ihnen halt. Wenn du am nächsten Tag die Betrachtung der Fotos überlebst, auf denen du und ein junger Mensch in zweifelhaften Situationen abgebildet sind, dann ist alles cool. Erfahrung zeigt, dass man es eher nicht überlebt, es sei denn man hat noch über ein Promille am Tag danach. Been there, done that. Die Regel ist: Angegebenes Alter* minus zwei Jahre. Und das ist noch die optimistische Formel.

*Angegebenes Alter < 18 Jahre. Alles über 18 spricht die Wahrheit. Hoffentlich.

Wörter wie "Entschuldigung" oder "Danke" verwenden

Vor allem beim Durchschlängeln. Statt Entschuldigung sagt man "heast". Statt danke sagt man "Oida" und statt bitte "gib". Das Vokabular orientiert sich ausschließlich am 22ten Bezirk. Ich finde das super, da ich gerne so rede. Wenn du nicht gerne so sprichst, dann sag einfach gar nichts und stoße alle um dich herum gewaltsam aus dem Weg. Außer Schwangere und Kinder. Höflichkeit, Moral und diverse Elmayer-Dinge kannst du das Wochenende daheim lassen. Dazu ist das Donauinselfest ja schließlich da. Um den inneren Proleten in dir zu wecken.

Auf die Goa/Tekk-Partys in den Lokalen auf der Insel gehen

Ich weiß nicht wirklich, ob es die noch immer gibt. Ich weiß nur, dass ich mal mit 15 auf Gummibärli plötzlich in einem Loch war, wo es harte elektronische Musik gab. Bis dato kannte ich Gigi D’Agostino. Diese Partys sind ein einziger Abfuck. Weil: Diese Menschen gehen auf eine Party in der Donauinselfest-Zeit in ein Donauinsel-Lokal. The rave must be strong with them. Und er ist es. Der Rave in ihnen ist verdammt stark. Das willst du nicht sehen. Du willst auch nicht sehen, wie Kinder in dieses Lokal kommen, um sich schnell was zu trinken zu holen, während die Eltern ahnungslos draußen warten. Das alles möchtest du nicht sehen. Auch nicht mit einem Gummibärli-Fetz'n. Entferne dich, auch wenn du sonst auf 150 BPM stehst.

Auf die Afterpartys gehen

Jedes Lokal, das mit "DIF-Afterparty" wirbt, gehört sowieso grundsätzlich boykottiert. Genauso wie jeder Veranstalter. Diese Menschen wollen nur dein Geld und sie wollen dich "DIF-Musik" hören lassen. Ist ja eine Afterparty. Welche Musik das sein soll, weiß ich nicht. Aber dann geh doch lieber auf eine Goa/Tekk-Party, wenn es dich schon so sehr reizt, andere Gäste der Donauinsel kennenzulernen. Jeder weiß, dass es keine DIF-Afterpartys zu geben braucht, da man sowieso irgendwo auf der Insel die größte Party mit Minderjährigen, Gummibärli und Sean Paul hat.

Irgendein Gewächs anfassen

Es hat zu 99,9 Prozent jemand angepisst, angespuckt oder angekotzt. Oder es ist Sperma drauf. Immerhin gedeihen die Pflanzen auf der Donauinsel wegen dem alljährlichem DIF-Dünger so gut. Die Stadt Wien weiß das und spart so unheimlich viel Kohle für Bio-Dünger. Es lässt uns an der Schönheit der Stadt arbeiten. Uns quasi mitgestalten. Vom einfachem Bürger zum handelndem Subjekt des Stadtbildes. Das ist irgendwie sozial-romantisch.

Hingehen

Sollte dich das alles eher anekeln als dir Freude bereiten, dann gehe einfach nicht hin. Wirklich. Wenn du eine ähnlich perverse Freude verspürst—wie meine Freunde und ich—dann tu es. Du bist der Krieger, es ist dein Krieg. Du wirst verlieren, aber du wirst sehr viel Spaß dabei haben. Und dann wieder länger nicht hingehen.

Fredi hat Twitter: @schla_wienerin

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