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So ist es, am Donauinselfest im Backstage-Bereich zu arbeiten

Eigentlich eh lieb.

von Tom Czibolya
01 Juli 2016, 10:44am

Fotos vom Autor

Das Donauinselfest, dass als das größte Freiluft-Festival in Europa gehandelt wird, sollte daher mindestens einmal im Leben besucht werden. Ist so. Umso lustiger fand ich deswegen die Idee, als Mitglied der Backstage-Crew für die FM4/Planet.tt-Bühne mitzuwirken. Sie gilt nämlich nach der Ö3-Bühne als die zweitgrößte und das LineUp musste sich heuer auch nicht verstecken. Einheimische Pop- und Indie-Produktionen, deutschsprachiger HipHop und natürlich auch ein paar internationale Schmankerl haben uns also einiges versprochen. Ich hatte schon vorher bei anderen Festivals Backstage gearbeitet, und wusste daher, dass dieser Job härter ist. Als Bühnen-Assistent musste ich also drei Tage lang mit frischen und leider nicht mehr ganz frischen Handtüchern, Gitarren, Getränken und noch mehr alkoholischen Getränke herumdüsen, um die Acts samt Gefolge zufrieden zu stellen. Ich war voll der Roadie.

In der zweiten Nacht, habe ich einer Band beim Instrumenten-Tetris geholfen—also deren Zeug in den Tourbus räumen dürfen. Zwei minderjährige Mädchen haben mich da angequatscht, eigentlich eher angeschmachtet. Haben mir erzählt, sie seien schon seit Jaaahren absolute Fans und wollten daher ein Autogramm. Klar hab ich ihnen eines gegeben, wenn sie die Band doch schon so lange und gut kennen? Kein Thema.

Auch geil war diese arge Fetisch-Aktion dieser einen Braut von so einem Bassisten. Bevor er auf die Bühne geschickt wurde, hat sie es sich zur Lebensaufgabe gemacht, sein Haar immer und immer wieder zurecht zu machen. Als wäre er ein niedliches Püppchen. Anschließend hat sie dann sein Patsch-Handerl genommen und ihn wie einen Vorschulklässler am ersten Schultag, auf die Bühne gebracht. Vielleicht wollte die ja nur für später üben, ein Pre-Reproduktions-Training quasi. Dieses Bild löst bis heute noch unbestimmte Gefühle in mir aus. Puppen sind einfach creepy—Menschen-Puppen umso mehr.

Dem Wetter hatte ich es übrigens auch zu verdanken, dass sich mir eine Galerie von etlichen entblößten Körperteilen darbot. Aber ich musste eben schnell akzeptieren lernen, dass diese "Ich hab keinen Ganzkörper-Spiegel"-Haute Couture einfach total im Trend war—vielleicht das DIF besser auf den Herbst verschieben? Weniger ist nämlich nicht mehr, sondern zu viel des Guten gewesen.

Die Zusammenarbeit mit meinen anderen Kollegen dort, verlief dafür voll harmonisch. Am dritten Tag hat es sich so angefühlt, als wären wir schon unser ganzes Leben lang Handtuchboy-Buddies. Skurille Geschichten und Dramatische Bilder verbinden ungemein. Wir waren Leidensgenossen.

Schön war für mich jedoch die Erkenntnis, dass es sich beim DIF weniger um die Acts, als um das Publikum drehte. Die harte Schufterei hinter den Vorhängen kann einen schon stolz machen, wenn man erstmal die schöne Vielfalt der DIFler realisiert. Die Diversität, die einfach nicht gestört hat. Vor allem wenn alle zu Samy Deluxe abgingen oder bei Camo and Crooked den Beats frönten. Als schrulliger Charakterstaat mit liebenswerten Macken und viel Landjunged, dessen kulturelle Prägung ich jetzt noch in jeder Pore spüre, hat mich das sogar etwas berührt. Denn ich bin mir sicher, dass es nicht viele Festivals auf der Welt gibt, die so gut in eine David Attenborough-Doku passen würden.

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