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Noisey Blog

Rudimental haben Angst vor Pflanzen

Wer wir einen beträchtlichen Teil seiner Arbeitszeit in von Briten besetzten österreichischen Touristendörfern verbringt, trifft man auf der Skipiste eben auch mal auf Rudimental.
05 April 2013, 3:15pm

Wir sind in diesen Tagen auf dem Snowbombing Festival in Mayrhofen, Österreich unterwegs. Der Commonwealth-Enklave unter den Pistenspaß mit Rave-Abfahrt verbindenden Festivalereignissen. Das Line-Up ist extrem UK-lastig und das Publikum steht dem keinesfalls nach. Es ist wie eine kleine Party-Besatzung. Die Tommys fallen in ein beschauliches, unschuldiges Touri-Dörfchen ein, trinken alles aus und nach einer Woche ist wieder alles genau so schön langweilig wie vorher. Ein wahrhaftiges Schauspiel mit einem Programm, über das sich nicht meckern lässt. Gerade gestern liefen uns zum Beispiel unsere Lieblings-Drum’n’Bass-mit-Pop-Versöhner Rudimental über die Loipe:

Noisey: Hey Rudimental, wie lange seid ihr schon hier? Hattet ihr schon ein bisschen Spaß im Schnee?

Piers: Nicht wirklich, wir sind erst heute Nachmittag angekommen und konnten uns noch nicht so richtig umsehen.
Kesi: Hätte aber schon Lust, bisschen die Pisten unsicher machen.
Piers: Ich kann nicht mehr Skifahren, hab mein Bein beim Fußball verdreht. Seitdem geht da nichts mehr.

Sportverletzungen. Das scheint ja ein Leitmotiv bei euch zu sein. In eurem neuen Video geht es um einen BMX-Fahrer, der sein Bein verliert.

Piers: Jaja, da gibt es schon einen Zusammenhang. Es geht da um einen BMX-Fahrer in L.A., wir haben ihn durch den Regisseur kennen gelernt. Er hatte 2006 diesen Unfall, er wurde von einem Auto angefahren und verlor sein Bein, das basiert also auf einer wahren Begebenheit. Es dokumentiert seine Geschichte, seine Reha, wie er eine Prothese bekommt und schließlich wieder aufs Rad steigt.

Also kam der Regisseur damit zu euch?

Piers: Ja, genau. Wir hatten verschiedene Treatments und entschieden uns dafür, weil es gut zum Thema unseres Albums passt. In einer schweren Zeit das Positive sehen, weißt du?
Kesi: Wir haben uns auch neulich ein paar Veranstaltungen auf den Paralympics angeguckt, das war schon sehr beeindruckend. Danach konnten wir gar nicht mehr anders als dieses Video zu machen.

Und die Message ist: Augen auf im Straßenverkehr?

Piers: Haha, ja irgendwie schon. Das Video hat verschiedene Messages. Eine davon ist: Schau nach links und rechts, bevor du über die Straße gehst.

Sämtliche Eltern werden euch lieben. Etwas anderes: Ihr arbeitet im Prinzip auf jedem Song mit Gast-Sängern. Wie kommen diese Features zustande?

Kesi: Die Geschichte ist bei jedem Sänger anders. John Newman haben wir bei uns in Hackney in nem Pub gesehen. Er spielte dort ein Akustikset. Wir hatten „Feel the Love“ schon geschrieben, hörten ihn und dachten uns: Der muss darauf singen. Dann schrieben wir noch „Not Giving in“ für ihn. Beide Songs sind ja jetzt auch auf dem Album drauf. Dann gibt’s noch andere Leute. MNEK ist unser Studionachbar, er ist auf zwei Albumtracks vertreten. Ella Eyre ist Teil der Familie, sie tourt mit uns und singt live-Vocals, da war es klar, dass sie auch auf dem Album sein musste.
Piers: Wir haben unser Studio in East London und die Musikszene ist dort so lebhaft, dass wir eigentlich nur kurz rausgehen müssen, um interessante, tolle Sänger zu treffen. Wir sind quasi unsere eigenen A&Rs. Wir sind ja jetzt auch schon seit sechs Jahren zusammen und haben uns ein Netzwerk von Leuten aufgebaut. Auf dem Album sind also Leute, mit denen wir schon lange zusammen arbeiten und neuen Leute, die wir entdeckt haben. Emeli Sandé kam z.B. zu unserem Gig in die Brixton Academy und wollte unbedingt mit uns zusammen arbeiten.

Wie lief das mit Angel Haze? Die habt ihr doch bestimmt nicht im Pub um die Ecke entdeckt?

Kesi: Sie kam nach Großbritannien und hatte wohl zwei Bands auf dem Zettel, mit denen sie arbeiten wollte und wir waren eine davon. Sie kam also zu uns ins Studio, wir hatten eine sehr gute Session, sie ließ ein paar Vocals da und das wars.

Habt ihr diese Twitter-Beef-Geschichte zwischen ihr und Azealia Banks mitbekommen?

Piers: Alter, wir wären da fast mit reingezogen worden! Wir tourten in Australia und hörten, dass da Blumenvasen durch die Gegend geflogen sein sollen. Auf der Tour waren Dizzee Rascal, Stone Roses und Azealia Banks und Azealia zickte wohl Ian Brown an.

Was war denn da genau los?

Piers: Bin mir nicht so sicher, alles, was ich weiß, ist, dass da plötzlich diese Pflanzen durch die Gegend flogen. Auf jeden Fall kamen wir natürlich aus dem Angel Haze-Lager, obwohl wir natürlich unparteiisch bleiben wollen. Keine Lust da mit reingezogen zu werden, immerhin ist Azealia Banks eine ganz schön Furcht einflößende Lady.
Kesi: Angel Haze würde sie trotzdem daten, haha.
Piers: Angel ist unser Mädchen, wir würden ihr immer Backup geben.

Ihr vier gebt ja auch irgendwie gute Bodyguards ab.

Piers: Na, vielleicht nicht als Bodyguards. Azealia ist schon saugefährlich, sie schmeißt Pflanzen durch die Gegend.

Hast du Angst vor Pflanzen?

Piers: Jetzt hast du meinen wunden Punkt. Ich hab Angst vor Pflanzen. Scheiß auf Azealia Banks, Pflanzen machen mir eine Heidenangst, haha.

Rudimental- Not Giving In from Josh Cole on Vimeo.

Also noch mal zu euren Vocalfeatures ... hat denn keiner von euch eine vernünftige Singstimme?

Piers: Haha, also ich singe Backing Vocals. Meine Stimme ist ok, aber nur in einer relativ kleinen Range. Aber stimmt schon, keiner von uns ist gut genug. Wir stehen auf richtig gute Soulsänger, das haben wir leider nicht drauf.

Wer steht denn auf eurer Wunschliste für kommende Vocalfeatures?

Piers: Ich hätte Lust auf Little Dragon. Lauryn Hill, aber sie macht wohl kaum noch Musik, insofern weiß ich nicht, ob das überhaupt möglich ist.
Kesi: Und wie gesagt, wir arbeiten gern mit neuen Talenten zusammen, das werden wir auch weiter so machen.

Stilistisch ist eure Musik sehr divers. Gibt es ein Musikgenre, das ihr niemals in eure Songs einbeziehen würdet?

Kesi: Eigentlich nicht, wir mögen wirklich sehr viel verschiedene Musik. Also vielleicht wirst du in unseren Songs niemals Deathmetal finden...
Piers: Sachte, sachte! Soulful Death Metal, warum nicht?

Die Fans würden euch lieben. Das würde ganz neue Welten öffnen.

Piers: Vielleicht machen wir das auf unserem siebten Album. Sag niemals nie. Aber an sich ist alles erlaubt, was an Soul anknüpft. Wir stehen auf Beats, Drum ’n Bass und bestimmte Frequenzen. Alles, was sich in dem Bereich abspielen kann, ist auch für uns interessant.

Drum ’n Bass ist ja mehr oder weniger die Soundbasis, auf der ihr aufbaut. So richtig populär war das Genre jetzt schon seit Jahren nicht mehr. Wie erklärt ihr euch, dass ihr gerade wieder so viele Leute damit erreicht?

Piers: Das ist schon ein bisschen verrückt. Unsere Wurzeln sind schon so in der Jungle-Szene der ausgehenden 90er, wir sind in Hackney damit aufgewachsen. Und seitdem ist nicht viel passiert. DJ Fresh ging dann letztes Jahr mit einer Single auf eins. Die erste D’n’B-Nummer eins seit, keine Ahnung, 15 Jahren oder so? Und danach kamen wir. In der Londoner Szene splittet sich alles in Subgenres auf. Aus Dubstep wird Grime und Garage, mit House genau das gleiche. Du hast also all diese Subgenres und jedes für sich ist mal mehr und mal weniger populär. Disclosure machen gerade House und Garage wieder populär, dieser Sound war im Mainstream auch schon ewig nicht mehr angesagt. Und mit D’n’B ist es dasselbe. Es ist im Untergrund eigentlich immer da, aber manchmal erreicht es dann doch wieder den Mainstream und wird populär.

Dann habt ihr also ein ziemlich gutes Timing?

Piers: Ja genau, wer weiß, was in einem Jahr wieder los ist. Allerdings denken wir da nicht groß drüber nach. Wir machen, was wir machen und wenn es Leute hören wollen, umso besser.

Erzählt doch mal, welche neue UK-Künstler man auf dem Schirm haben sollte.

Kesi: Rudimental, die sind ziemlich cool, haha. Disclosure natürlich, das sind schon so unsere Favoriten.
Piers: Ich würde sagen Julio Bashmore. Und schau dir an, in welche Richtung sich Skream gerade entwickelt, er macht jetzt eher so Disco mit Soul-Einflüssen. Syron ist auch super, die ist ja auch auf unserem Album drauf.
Kesi: Die ganzen coolen neuen Künstler sind eigentlich alle auf unserem Album drauf. Du musst im Prinzip nur das hören, um Bescheid zu wissen, haha.

Ach was. Wann kommt das noch mal raus?

Piers: Am 29. April. Und wir spielen auf dem Melt! Festival und kommen im Mai auf Europatour.

Gut zu wissen. Vielen Dank.

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