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Haudegen haben jetzt auch herausgefunden, dass Tattoos cool sind

Nachdem selbst Air Berlin, REWE und die Sparkasse mit dem Thema geworben haben, gibt es nun endlich eine Hymne für Tätowierte.
1.10.15

Haudegen "Unter die Haut" Official Video

Liebe Freunde,wir brechen eine Lanze für alle tätowierten Menschen da draußen. Bitte teilt es in die Welt.Wir widmen euch allen diese Hymne. „UNTER DIE HAUT“ ist der Soundtrack unserer Tattoos.Inspiration dabei waren unsere häufigen Besuche bei den verschiedensten Conventions & Tattoobash`s der Szene.Wir haben selten ein derart tolerantes und herzliches Miteinander erlebt. Ein Hoch auf die Tattoo-Kunst und all die Menschen die für sie stehen. Ob Tätowierer, Piercer oder Bodyart in jeglicher Form. Wir widmen EUCH diesen Song.Danke an unsere Tattoomodels: Alice la Douce, Ginga Loco, Kristin B. - Model, Jane Doe & Bibiana Atada…Ihr seid der Wahnsinn.Danke Klimo - Video Produktion / Berliner Untergrund ProduktionDanke auch an Dirk, Nico & Traveling Mic (TätowierMagazin & Tattoo Erotica)IHR SEID EIN WAHRER „LICHTBLICK" FÜR UNS!!!Den Song bekommt ihr auf unserem neuen Album „Lichtblick"Hier bekommt ihr das gute Stück online:iTunes: http://smarturl.it/HL_iGoogle Play: http://smarturl.it/HL_GAmazon mp3: http://smarturl.it/HL_Amp3Amazon Deluxe CD: http://smarturl.it/HL_AdAmazon Standard CD: http://smarturl.it/HL_AsAmazon Vinyl: http://smarturl.it/HL_AvAmazon Deluxe Box: http://smarturl.it/HL_AfHaudegen Shop Deluxe Box: http://wmg.cc/haudegen-shopEure Jungs, Hagen Stoll & Sven Gillert

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Haudegen

on Montag, 28. September 2015

Die Berliner Haudegen stehen für drei Dinge: Arbeiterschichts-Romantik, kratzig-kehligen Rock und Tattoos. Was liegt also näher, als einen romantisierende Rockballade über Tätowierungen zu schreiben? Eben. Natürlich heißt diese Hymne dann „Unter die Haut“ und soll eine „Lanze für alle tätowierten Menschen da draußen“ brechen. Also auch für mich, der ich mich doch täglich unverhohlenem Desinteresse gegenüber meiner Hautverfärbung ausgesetzt sehe. Ich danke dem Kapitalismus dafür, dass so viele Firmen schon seit Jahren daran arbeiten, dass Tattoos endlich von der Gesellschaft akzeptiert werden.

Schon beim Anschauen des Videos, dass jedem Tattoo-Convention-Dauerkartenbsesucher eine gänsehäutige, erhobene Faust entlocken wird, stellt sich die Frage, warum Haudegen das eigentlich machen—also außer wegen der offensichtlichen Tatsache, dass sie tätowiert sind. Natürlich spielen sie wie viele Bands, denen nachgesagt wird, sich in einer politischen Grauzone zu bewegen, mit dem alten „Wir sind Außenseiter und müssen zusammenhalten“-Ethos. „Wir“, die das Leben auf der Haut tragen, sich ihrer Fehler nicht schämen und in Gleichgesinnten eine neue Familie gefunden haben. Klingt alles sehr nach Lagerfeuer-Knistern, wird aber beim Blick in die Werbebranche zu einer traurig flackernden Neonröhre. Wie heißt es so schön in dem Song? „Du bist ein Blick in die Vergangenheit“—Haudegen verfehlen mit ihrer Hymne den Zeitgeist um ein paar Jährchen.

Nachdem die Sparkasse schon lange die farbigen Zeichen der Zeit erkannt und auf großen Postern mit tätowierten Models für sich geworben hatte, zogen immer mehr Konzerne nach. Egal ob Air Berlin, LBS Bausparkasse oder REWE, von überall grinsen heutzutage Tätowierte den Kunden an. Selbst Bayern, der geografische Innbegriff des Konservativen hat sich den zugehackten Sänger der Hardcore-Band Astræa geschnappt, um das spießige Image ein wenig aufzubessern. Und in diese Zeit kommen Haudegen mit fünf tanzbegeisterten Tattoo-Models geplatzt, und spielen sich als Vorkämpfer einer Sache auf, die schon längst gewonnen hat.

Tattoo-Studios sind allgegenwärtig und werden von allen Menschentypen besucht. Instagram ertrinkt in #ink-Posts, Freunde tätowieren sich zum Spaß bei einem Saufgelage gegenseitig, alte Leute, die Tätowierungen als Erfindung des Teufels halten, sterben immer schneller weg. Einzig im Berufsleben ist buntbemalte Haut noch ein Problem. Jedenfalls, wenn du bei so etwas Seriösem wie einer Bank arbeitest (Hallo, liebe Sparkasse). Aber vielleicht sind das ja genau die Leute, die gerne zu Haudegen mal so richtig abgrölen wollen.

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