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Noisey Blog

Katy Perry hat die Stadthalle nicht versext und das ist gut so

Trotz einem ziemlich verklemmten Publikum wurden gestern bei Katy Perry in der Stadthalle alle Girlie-Träume unserer Autorin wahr. Spoiler: Es gab ein riesiges, schwebendes Scheißhaufen-Emoji.
27.2.15

Als ich meinem Vater erzählt habe, dass ich zum Katy Perry Konzert gehe, hat er entsetzt gefragt: „Ist dir das nicht zu kommerziell?“. Nein, Papa. Obwohl ich sonst eher Indie bevorzuge, gibt es dann doch die Tage, an denen ich mir beim abendlichen Billa-Einkauf so laut „California Girls“ anhöre, dass sogar die Feinkost-Frau lachen muss.

Also bin ich gestern mit gefühlt Millionen anderen Menschen in die Stadthalle gepilgert, um mir Katys Support, die heiße Charli XCX, und schließlich Katycat höchstpersönlich anzusehen. Das Publikum war ein Mix aus Kindern und deren Eltern, Mädels mit blauer Perücke und Katzenohren und schwitzenden Teenies. Um neun Uhr wurde die Show ziemlich pompös eröffnet—Dutzende Tänzer und eine Katy im Leuchtstab-Outfit tauchten auf und sie begann mit ihrem Dschungel-Hit „Roar“.

Eigentlich hatte ich mit schlimmem Gedränge und hysterischen Teenies gerechnet, doch nichts ist passiert, niemand außer Katy hat ge-roart. Meine Freundin und ich waren die einzigen weit und breit, die getanzt und mitgesungen haben. Nach ein paar Minuten hat sich zumindest die Mutter vor uns mit uns solidarisiert und geflippt, wie sie es bestimmt schon seit zwanzig Jahren nicht mehr gemacht hat. Wahrscheinlich ist Tanzen und euphorisch sein im Teenie-Alter einfach noch zu uncool—für 60€ pro Karte sollte man seine furchtbare Teenie-Scham aber dann doch für zwei Stunden hinter sich lassen können und einfach mal tanzen.

Katy tischt eine riesige Show auf, wechselt unzählige Male ihr immer wieder extrem aufwendiges Outfit und spätestens, als sie für „Dark Horse“ als ägyptische Königin auf die Bühne reitet und mit ihren Dienern zum Trap-Refrain tanzt, bin ich wach und scheiße auf die Menschen hinter, vor und neben mir, die zwar von Kopf bis Fuß in Merch gekleidet sind, aber entweder zu starstruck oder langweilig zum Tanzen sind und uns nur verständnislos ansehen.

Ein Hit nach dem anderen wird gespielt und das Bühnenbild ist beeindruckend—einmal regnet es Emojis, dann gibt es surfende Katzen und die Tänzer tanzen auf riesigen Kratzbäumen herum. Die Show ist jugendfrei und bunt, aber etwas anderes kann man von Strahlefrau und All American Girl Katy eigentlich nicht erwarten. Sie fährt nicht wie Miley Cyrus mit gespreizten Beinen auf der Motorhaube eines goldenen Low Riders über den Steg, der weit ins Publikum hinein reicht, sondern tanzt im Smiley-Outfit nach vorn und singt in ein Mikrofon in der Form einer Sonnenblume. Aber sie hat es nicht nötig, die Stadthalle zu versexen, sie überzeugt mit ihrer Stimme, den klassischen Popnummern und dem sympathischen Auftreten einer kalifornischen Pfarrerstochter, die sie nun mal ist.

Katycat, die laut Gerüchten von ihrem Freund John Mayer schwanger sein soll, lässt an diesem Abend keine Wünsche offen—sie schwebt an Ballons durch den Konfetti-Regen, holt völlig perplexe Fans in Schockstarre auf die Bühne, spielt Gitarre und lässt riesige, aufgeblasene Emojis übers Publikum schweben. Und spätestens, als ein überdimensionaler Kackhaufen-Smiley über meinen Kopf hinweg fliegt, bin ich glücklich.

Folgt der Autorin auf Twitter: @verenabgnr

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