FYI.

This story is over 5 years old.

Features

Diese Band hat einen Weg gefunden, Spotify auszutricksen und wirklich Geld damit zu verdienen

Sie haben nicht beschissen, sie sind einfach clever.
31 März 2014, 1:04pm

Spotify ist für die meisten Musiker eine tolle Art, Geld zu verdienen. Und mit „die meisten Musiker“ meine ich 1% an Superstars, auf die 77% aller Künstlereinkünfte vom Streaming entfallen. Und mit „Geld“ meine ich die 0,007 Cent, die die meisten Künstler pro Stream bekommen.

Doch jetzt kommen Vulfpeck ins Spiel, eine halb-jüdisch, deutsch-amerikanische Rhythmusgruppe, die beschlossen hat, dieses System auszutricksen, indem sie ein komplett lautloses Album aufgenommen hat und ihre eintausend Fans darum bitten, das Album während sie schlafen, auf Repeat zu „hören“. Durch die Streams will die Band dann herausfinden, wo die sie die meisten Fans haben und auf dieser Grundlage ihre Tour planen. Die Tour wäre dann von den Streams finanziert und somit jedes Konzert kostenlos.

Die Idee könnte auch von KLF (der berüchtigten Band, die eine Million Pfund verbrannt hat) kommen, die bestimmt an so was gedacht hätten, wenn sie im heutigen Internetzeitalter noch aktiv wären. Wenn sie nicht gerade mit 0 Dezibel unterwegs sind, klingt die Musik der Band nach den besten Sachen am 2000er Softrock-Revival und mein Lieblingssong von den nicht lautlosen ist „Outro“.

Als ich Spotify wegen des Projekts geschrieben habe, haben sie mir geantwortet, dass das ein „cleverer Trick [ist], wir bevorzugen allerdings die vorherigen Alben von Vulfpeck. Sleepify scheint von der Arbeit von John Cage beeinflusst zu sein“, was das beste Kompliment ist, das eine Band in dieser Situation bekommen kann. Die Band hat das Ganze mit einem Augenzwinkern behandelt und regelmäßig getwittert, wie wichtig es für sie ist, dass man die Songs des Albums in der richtigen Reihenfolge spielt und dass die Leute das Album bitte nicht über Torrents verbreiten sollen.

please don't "shuffle" sleepify. i know this might come of snobbish, but we spent a lot of time on track order.

— Vulfpeck (@vulfpeck) 12. März 2014

Ich habe mit Jack Stratton, dem Frontmann der Band, über den Erfolg dieses Tricks und darüber, wie einfach es ist, ein lautloses Album aufzunehmen, gesprochen.

undefined

Noisey: Was ist die Idee hinter Sleepify?
Jack: Das Video erklärt es genau, aber im Prinzip finanzieren wir durch dieses Album unsere kommende Tour. Das Album ist geräuschlos und du solltest es dir anhören, während du schläfst. Einer unserer Hörer hat es sogar über die Anlage gespielt, während bei ihm zuhause eine andere Band gespielt hat.

Ihr macht all das, um umsonst auf Tour gehen zu können—warum?
Wir planen die Route der Tour auf der Grundlage, wo wir am meisten Hörer haben. Das ist also der Deal mit den Fans. Eine grobe Rechnung zeigt, dass ein Fan mehr als 20 Dollar generiert hat, wenn er das Album eine Woche im Schlaf hört. Wir haben erst zwei Mal live gespielt und waren noch nie auf Tour. Wir wollten es den Leuten so einfach wie möglich machen, uns zu sehen. Die Tour beruht auf Nachfrage und nicht darauf, einfach loszufahren und eine Menge Geld zu verlieren. Wenn ich die Horrorstorys anderer Bands höre, denke ich mir, ihr seid ohne Fans auf Tour gegangen, das ist wie wenn ihr ins offene Meer springt und euch dann beschwert, dass ihr nass werdet.

Haha, das stimmt! Ihr habt eine Karte mit den Standorten eurer Fans, wie funktioniert das?
Mein Freund Rob Stenson hat die Karte gemacht. Such ihn bei YouTube, er ist ein großartiger Banjo-Spieler. Wir haben versucht, Echtzeitdaten darüber zu bekommen, wo das Album gestreamt wird, aber Spotify bietet das nicht an. Warum sollten sie auch. Stenson hat die Karte dann darauf basierend erstellt, von wo Leute auf den Link auf unserer Website klicken, um zu streamen.

Welche Gegend hat bis jetzt die meisten Vulfpeck-Fans?
Ann Arbor, ich habe keine Ahnung warum.

Wie erfolgreich läuft es bis jetzt?
Unseren Fans gefällt es. Ich hoffe Sleepify wird bei Spotify in die Charts einsteigen. Außerdem ist dadurch wahnsinnig viel PR entstanden. Das Album hat 5000 Dollar eingespielt, basierend auf der Zahl der Abspiele unserer beliebtesten Songs. Sicher wissen wir es in zwei Monaten, wenn die Verkäufe vermeldet werden. Die Bezahlung von Spotify ist ziemlich transparent, wenn du dir die Serviceseite für Künstler durchliest. Darin heißt es, dass sie wie iTunes 70% ihrer Gewinne an die Künstler weitergeben und diese danach aufgeteilt werden, wie viel Prozent der Plays ein Künstler erreicht hat. Unser nächster Plan ist es, dass jeder auf der Welt einen Monat lang kein Spotify nutzt und ich einmal unsere Single dort streame.

Was denkst du, hält Spotify von dem Ganzen?
Als ich ihr Zitat dazu gelesen habe, war ich ziemlich überrascht, ich hätte nie gedacht, dass sie davon wissen. Das war definitiv ein Wendepunkt. Ich weiß zwar nicht, ob es stimmt, aber ein Freund hat mir geschrieben, dass Sean Parker ebenfalls Sleepify streamt. Das bezweifle ich allerdings.

Wie schwer war es, ein lautloses Album aufzunehmen?
Sehr einfach, ich habe Audacity benutzt, das ist umsonst. Die Songs sind jedoch alle etwas unterschiedlich lang. Wir haben auch unterschiedliche Namen dafür wie „Z“, „Zz“ und „Zzz“.

Welches eurer Alben würdest du Leuten, die Alben mit Musik bevorzugen, empfehlen?
Wir haben bis jetzt erst 70 Minuten Musik. Ich empfehle alles davon.

Was denkst du, bringt die Zukunft der Musik?
Ich glaube, die Menschen sind schlauer als das Internet. Wenn wir zusammenarbeiten, können wir dagegen gewinnen.

Folgt Dan bei Twitter: @KeenDang

**

Folgt Noisey auf Facebook und Twitter.

____________

MEHR VON NOISEY

Gehobene Black Metal-Küche in New York

An einem Amuse-Bouche ist wirklich nichts düster.

Filme über Punk: die Guten, die Schlechten und der Andere

Warum scheint es beinahe unmöglich zu sein, Punk in Filmen richtig darzustellen? Wir geben einen Überblick zu gelungenen und nicht gelungenen Streifen.

Der Tag, an dem ich auf den NME kackte und einen millionenschweren Plattenvertrag verlor

Unser Autor hatte in den 90ern einen Plattenvertrag mit einem Majorlabel und tat alles dafür, es sich mit der Presse und dem Label zu verkacken